Live hören
Jetzt läuft: My Bebe von Omah Lay

Doku: "Die Reformerin - Wenn der Imam eine Frau ist" 

Screenshot: "Die Reformerin" - Imamin Sherin Khankan im Beratungsgespräch

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Doku: "Die Reformerin - Wenn der Imam eine Frau ist" 

Von Emily Thomey

Die Mariam Moschee in Kopenhagen ist eine besondere Moschee. Hier singt die Imamin Sherin Khankan zum Gebet.

Die Mariam Moschee wurde erst vor wenigen Jahren von Sherin Khankan gegründet und steht seitdem immer wieder in der Kritik. Warum, das erzählt die Dokumentation "Die Reformerin". Weibliche Imame sind immer noch eine Seltenheit. Aber was spricht aus Sicht der Gläubigen dagegen, dass auch Frauen diesen Titel tragen und als Imamin arbeiten? Das ist die zentrale Frage für Sherin Khankan, die als Tochter eines muslimischen Syrers immer schon mit dem Islam gelebt hat.

"Männer und Frauen haben ihre Rollen"

Egal wo Khankan auftritt, ob in Universitäten oder im Fernsehen, die Argumente ihrer Gegner klingen immer ähnlich wie dieser Imam: "Männer und Frauen haben ihre Rollen. Es gibt ein paar praktische Dinge, die verhindern, dass Frauen Imame sein können. Auch physiologische. Und die nächste Generation großzuziehen ist genauso viel wert wie die Rolle, die die Männer spielen." Sherin Khankan sieht das anders: "Es gibt historische Beispiele dafür, dass Frauen das Gebet für Männer und Frauen geleitet haben. Es geht nicht um die Frage, ob es erlaubt ist, sondern wann es soweit sein wird." Weil Khankan nicht darauf warten will, dass man ihr den Titel gibt, hat sie ihn sich genommen, ihre eigene Moschee gegründet und bildet dort explizit Frauen als Imame aus.

Interreligiöse Heirat

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum Khankan und die Mariam Moschee in der Kritik stehen. Sherin Khankan hat außerdem damit begonnen die in vielen Religionen umstrittene interreligiöse Heirat durchzuführen, vor allem muslimische Frauen, deren Männer nicht-muslimisch sind. Zu Anfang haben sie und ihre Mitarbeiter*innen öffentlich nicht darüber gesprochen und waren intern uneinig darüber, ob sie Interviews dazu geben sollen. Sherin fällt das besonders schwer: "Ich kann das nicht. Etwas tun, womit ich draußen nicht offen umgehen kann. Ich stamme selbst aus einer interreligiösen Ehe. Für mich ist das ganz natürlich." Aber unter den Reaktionen sind viele auch beleidigende oder drohende Nachrichten.

Ein langer Weg

Sehr spannend an der Doku ist, dass wir Sherin ganz nah darin begleiten können, wie sie mit diesem Konflikt auch innerhalb ihrer Gemeinde umgeht. Mittlerweile wird seit gut vier Jahren in der Mariam Moschee gebetet und verheiratet. Sherin Khankan hat schon einige Frauen zu Imamen ausgebildet und es finden regelmäßig Gebete in der Moschee statt. Einige Menschen aus ihrem Gemeinschaft haben sich aber auch verabschiedet, weil sie mit den Entscheidungen von Sherin nicht mitgehen wollten.

Und es gibt zudem Grenzen in der islamischen Praxis, die Sherin Khankan noch nicht überschritten hat, obwohl sie persönlich nichts von diesen Grenzen hält. Khankan muss aber auch abwägen, wann sie welche Kämpfe austragen kann - schließlich kostet die aktivistische Arbeit einer solchen Moschee viel Kraft. Die Dokumentation ist sehr schön gemacht, hat manchmal sogar den Flair eines Spielfilms, so gut sind die Bilder und so viel Spaß macht es, Khankan in ihrem Alltag zu beobachten.

Stand: 28.08.2020, 06:00