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"Die Heimkehr" - Leben nach dem Terror

Oliver N. spricht vor einer Schulklkasse über seinen Weg in den IS

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Die Heimkehr" - Leben nach dem Terror

Von Nele Posthausen

Waffen, Männlichkeit und die Suche nach Gerechtigkeit: junge europäische Männer sind reihenweise nach Syrien gegangen, um dort den sogenannten Islamischen Staat zu unterstützen. Diese Doku erzählt ihre Geschichten.

Es beginnt mit einem Foto. Darauf: Die deutsche Kampf-Einheit des Islamischen Staates - so nennen sich die jungen Männer auf dem Foto zumindest. Uniformiert und schwer bewaffnet grinsen sie in die Kamera. Wer die Männer sind, das wollten Mariam Noori und Lisa Hagen wissen. Die Reporterinnen haben für den NDR ihre Geschichten recherchiert.

Mit YouTube-Propaganda in den Terror gelockt

Unter den Männern auf dem Foto sind Ferhat und Oliver. Sie haben auf den ersten Blick nichts gemeinsam: Ferhat hat schwarze Haare, türkische Migrationsgeschichte, wird in Hamburg geboren, ein fröhlicher junger Mann. Oliver ist ein Waisenkind, ein rot-blonder Österreicher. Aber beide haben sich angezogen gefühlt, von der Propaganda des IS. Oliver war knapp 17, als er nach Syrien ging: "Der IS hat Filme gemacht, die hollywoodreif waren. Und so haben sie auch mich angelockt." Mehr als 5.000 Europäer haben sich dem IS angeschlossen, nachdem dieser 2014 das angebliche Kalifat ausgerufen hatte.

Meral auf der Suche nach ihrem geliebten Bruder

Die Doku begleitet Ferals Schwester in Hamburg. Meral weiß wenig über das Verschwinden ihres Bruders. Sie wirkt auf ihrer Suche nach dem kleinen Bruder sehr allein: Wie sie Facebook nach Hinweisen durchsucht, das rote Kreuz anruft, einen Anwalt trifft, Kontakt zu Oliver aufnimmt. Die Doku zeigt echte Verzweiflung und wenig Unterstützung für Angehörige.

Podcast zur Doku

Wer nach der Dokumentation noch mehr wissen will, Hintergrundfakten braucht, dem liefern die Autorinnen einen begleitenden Podcast zum Film. Aber vielleicht reichen auch erst einmal 75 Minuten zu diesem brutalen und irgendwie in der Deutschen Öffentlichkeit in Vergessenheit geratenen Thema. Die Aufnahmen des Films sind extrem packend und nah. Die Kamera zeigt Narben von Splittergranaten, brutale Aufnahmen der Gewalt in Syrien, Tränen von Angehörigen. "Die Heimkehr" ist gerade krass genug, um die erschreckende Realität des Krieges zu verstehen und schafft es trotzdem, nicht reißerisch oder überspitzt zu erzählen.