Live hören
Jetzt läuft: Hi Bomba von Sho Madjozi feat. Doctor Sithole

"Die Demokratie der Leichtgläubigen" - Warum glauben wir an Verschwörungstheorien?

Flugzeuge mit Kondesstreifen

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Die Demokratie der Leichtgläubigen" - Warum glauben wir an Verschwörungstheorien?

Von Emily Thomey

Im Internet verbreiten sich Verschwörungstheorien nicht nur rasend schnell, sie finden auch schnell ein gläubiges Publikum. Warum neigen Menschen dazu, Unsinn für wahr zu halten?

Gerüchte und Lügen verbreiten sich seit jeher. Einige Geschichten bereit sogar ein bisschen Spaß, weil sie so absurd sind: Elvis lebt,  Diana lebt und ja, Chemtrails. Wie Tratsch auch verbreiten sich Lügengeschichten sehr schnell, vor allem über soziale Medien. Ganz wichtig: Natürlich glauben immer nur die Anderen an solchen Schwachsinn. Wir selbst sind dagegen immun. Ist klar!


Warum wir auf Verschwörungstheorien reinfallen

Die unangenehme Wahrheit ist aber, dass wir alle ganz leicht und immer wieder falschen Tatsachen aufsitzen, an Verschwörungstheorien glauben. Die Dokumentation „Die Demokratie der Leichtgläubigen“ erklärt warum und ist jetzt im Netz zu sehen. Wir sind alle so anfällig für solche Geschichten, weil die Welt einfach gesprochen zu komplex für den Einzelnen ist, um alles aufzunehmen, geschweige denn zu verstehen. Deswegen vereinfachen wir, urteilen zu schnell und suchen auch überall nach Zusammenhängen und Sinn, sagt die kanadische Kognitionswissenschaftlerin Isabelle Blanchette in der Dokumentation: "Unser Gehirn ist eine Sinnesmaschine und so ist es nicht überraschen, dass wir Schwierigkeiten damit haben, den Zufall als mögliche Erklärung zu akzeptieren. Wenn wir eine Wolke in Form eines Einhorns sehen, ist es offensichtlich kein Einhorn. Es ist unser Gehirn, dass diesen Eindruck erweckt. So funktioniert unsere kognitive Wahrnehmung."

Tyrannei der Minderheiten

In vielen Situationen ist das hilfreich und auch notwendig. Mit Blick auf Verschwörungserzählungen und -mythologien kann das aber eben auch fatale Folgen haben, wenn sie zu Gewalt führen, wie das im Fall von rassistischen oder antisemitischen Verschwörungsmythen schon oft passiert ist. Das Internet ist nur bedingt eine Art Katalysator. Studien haben belegt, dass auch schon in den 80er Jahren viele Menschen an Zensur in der deutschen Presselandschaft glaubten, wie die Doku zeigt. Es gibt aber auch viele Erzählungen, die erst mit dem Internet und den sozialen Medien ein Millionenpublikum erreicht haben. Hinzukommt, dass gerade die Anhänger*innen von Gerüchten besonders aktiv bei der Verbreitung sind, sagt Gérald Bronner, Soziologieprofessor in Paris: "Es ist eine Tyrannei der Minderheiten, die sich viel stärker ausdrücken als andere. Und sie profitieren immer wieder von der Gleichgültigkeit vernünftiger Menschen." Ein Gegenmittel ist also tatsächlich auch Falschmeldungen immer wieder zu widerlegen.

Falschmeldungen widerlegen ist schwierig

Es ist leider schwer, reißerische und schwachsinnige Texte, die sich häufig sehr schneller verbreiten und viel Aufmerksamkeit bekommen, flächendeckend zu widerlegen. Schweigen ist allerdings auch keine Lösung, sondern wird als stille Zustimmung gewertet, sagt die Doku. Wir brauchen weiterhin Faktenchecks, gut moderierte Diskussionen und eine gute Medienbildung. Zudem hilft es zu wissen, welche psychologischen Mechanismen Verschwörungsmythen begünstigen und die zeigt uns die Dokumentation "Die Demokratie der Leichtgläubigen".

Stand: 09.10.2020, 06:00