Live hören
Jetzt läuft: Tell it like it is von Nina Simone

"Dichtung und Wahrheit" - Frankfurter Buben und Frankfurter Babos

Titelbild Doku: "Dichtung und Wahrheit"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Dichtung und Wahrheit" - Frankfurter Buben und Frankfurter Babos

Von Christian Werthschulte

Die Dokumentation "Dichtung und Wahrheit - Wie Hip Hop nach Deutschland kam" erzählt die Geschichte der HipHop-Szene in Frankfurt.

"Dichtung und Wahrheit" ist nicht nur ein Buch von Goethe, sondern auch der Titel einer vierteiligen Doku-Reihe über die Frankfurter HipHop-Szene. Und darin hat der Frankfurter Großdichter sogar einen Gastauftritt. "Ich hielt mich ja damals schon so für voll den Poeten. Aber während ich mich für einen Poeten hielt, wurde das, was ich da machte, als weiteres percussives Element wahrgenommen." Das sagt ein anderer Frankfurter Großdichter, Rapper Moses Pelham, während er vor einem gemalten Porträt von Goethe steht und erzählt, warum er angefangen hat, auf Deutsch zu rappen: "Und als mir das gewahr wurde, war mir eigentlich klar, dass man entweder englischsprachigen Rap in einem englischsprachigen Land machen müsste, oder wenn man es in Deutschland machen will, den auf Deutsch machen muss."

Der Rest ist Geschichte. Pelham war zwar nicht der erste Frankfurter, der auf Deutsch gerappt hat, aber der Bekannteste. Als Mitglied des Rödelheim Hartreim Projekts und Produzent von Schwester S setzte er Frankfurt während des ersten Deutschrap-Hypes Ende der 90er auf die HipHop-Landkarte.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Damit es soweit kommen konnte, waren einige Voraussetzungen nötig. Über amerikansiche GIs, ihre Partys und Radiosender war HipHop in den 80er Jahren nach Frankfurt gekommen. Besonders die Kinder von Arbeitsmigrant*Innen konnten sich mit der neuen Kultur aus Breakdance, Graffiti und Rap identifizieren. "Wir haben Leute im Fernsehen gesehen, die genauso aussehen wie wir, die was ganz Geiles machen. Und ich glaube, dass die türkischen Kollegen von mir sich gut mit den Puertoricanern identifizieren konnten so vom Look her und ich mit den Schwarzen", sagt der Schwarze Rapper D-Flame, der aus der  Frankfurter Hochhaussiedlung Nordweststadt kommt. "Und deshalb glaube ich, dass es uns halt direkt angesprungen hat, so: 'Ey, das können wir auch. Wir wollen das auch. Wir wollen das sein. Das ist ein Movement, das flasht uns.'"

Die Frankfurter HipHop-Szene ist interkulturell: Kinder von Deutschen und Migranten finden darin zusammen. Neben der Liebe zu HipHop vereint sie noch die soziale Herkunft. Viele Rapper*Innen, DJs oder Writer:innen aus der Frankfurter HipHop-Szene kommen aus armen Familien und haben dies in der Bankenmetropole auch zu spüren bekommen - egal ob sie Azad, Liz oder Haftbefehl heißen.

Was Frankfurter HipHop über den Stadtrand hinaus bekannt gemacht, ist sein Jargon. Er spricht den Sound der Straße. Ein Hybrid aus vielen verschiedenen Sprachen: Türkisch, Arabisch, Kurdisch, Bosnisch oder Romanes – und immer gemischt mit dem weichen hessischem Akzent. "Deutsch hat leider nicht so viele Wörter, dass man sich da zehn Jahre dran bedienen kann. Da muss man halt gucken, wo man bleibt", sagt Abdi und sein Rap-Partner Celo ergänzt: "Deutsch hat sich ja auch durch Rap, also durch uns geändert."

"Screenshot: "Bangla Surf Girls"

Stand: 24.09.2021, 09:00