Live hören
Jetzt läuft: Jamila von Moonshine feat. De.Ville
Der Schneeleopard Trailer

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Der Schneeleopard" - Natur trifft auf Nick Cave

Stand: 26.08.2022, 09:00 Uhr

Die Naturdokumentation "Der Schneeleopard" ist das Beste, was ihr euch an heißen, vollgestopften Sommertagen geben könnt. Sie wirkt wie eine Meditation und kalte Dusche in einem. Und Nick Cave hat auch noch seine Finger im Spiel.

Von Emily Thomey

 

Wir schalten jetzt ein paar Gänge zurück und machen eine Filmpause der besonderen Art: Mit Nick Cave und ein paar wilden Tieren. Bei wenigen Filmen lohnt es sich, die Augen zu zu machen. "Der Schneeleopard" könnte auch als Audiospur funktionieren: Die episch-melancholische Musik von Nick Cave passt perfekt und trifft auf Geräusche von Yaks, Falken oder Sandstürme. Yaks sind Rinder mit großen Hörnern und langem buschigen Fell, die in Hochasien leben. Zum Beispiel in Tibet. Dorthin reisen Tierfotografen gerne, wenn sie seltene Tiere vor die Kamera kriegen wollen - wie den Schneeleoparden.

Anders als bei vielen anderen Naturdokumentationen, hören wir nicht einen Erzähler aus dem Off, sondern beobachten den Naturfotografen Vincent Munier und den Schriftsteller Sylvain Tesson, der Munier auf seiner Suche nach dem Schneeleopard in Tibet begleitet: "Unsere Freundschaft entstand aus meiner Bewunderung für ihn als Künstler. Eine ungewisse und subtile Kunst, bei der es sich in der Natur zu tarnen galt, um auf ein Tier zu warten, dessen Kommen mehr als ungewiss war." Schneeleoparden leben als Einzelgänger in den Bergen von Tibet, sind sehr scheu und riechen oder sehen die beiden Beobachter lange bevor sie entdeckt werden. Dem Fotografen Munier ist es sogar schon passiert, dass er einen Schneeleoparden fotografiert hat, ohne es zu merken. Er hat einen Falken fotografiert und erst nachher auf dem Foto gesehen, dass im Hintergrund am Bergrand ein Schneeleopard sitzt und ihn beobachtet.

Diese vielen Erlebnisse des Naturfotografen, all sein Wissen, wie man die Tiere findet, wie man sich richtig auf die Lauer legt, und Gespräche über das Menschsein in einer schnelllebigen, technisierten Welt, unterfüttern die überwältigenden Film- und Foto-Aufnahmen in der Dokumentation: Wir sehen auch Bären, minutenlange Sandstürme, schneebedeckte Berge und hören dazu den Schriftsteller Tesson, der poetische zusammenfasst, was es heißt, dort unterwegs zu sein: "Einem Tier zu begegnen, steigert das Lebensgefühl. Das Auge erfasst ein Funkeln. Das Tier ist ein Schlüssel. Es öffnet eine Tür. Dahinter: Das Unbeschreibliche."

Ja, die Doku ist schon dick aufgetragen: intensive Bilder und dichte, bedeutungsschwangere Sprache - das geht unter die Haut. Wer sich darauf einlässt, kann sehr gut entspannen, abtauchen in eine andere Welt, vielleicht sogar über die eigene Lebensweise nachdenken. Und Fans von Nick Cave sollten "Der Schneeleopard" sowieso nicht verpassen.