Doku: "Dear Future Children"

Doku: "Dear Future Children"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Doku: "Dear Future Children"

Von Emily Thomey

Wir kennen Luisa Neubauer oder Greta Thunberg zum Beispiel. In den gegenwärtigen Protestbewegungen gibt es aber auch Menschen, deren Namen wir kaum kennen. Die Doku "Dear Future Children" zeigt drei junge Frauen , die jeweils an der vordersten Front der Proteste in ihrem Land kämpfen.

In der Fridays For Future Bewegung gibt es aber auch Aktivistinnen, deren Namen wir kaum kennen, die die Auswirkungen der Klimakrise in ihren Ländern selbst schon erlebt haben. Wie Hilda Nakabuye, die als Gründerin der Bewegung in Uganda mehrere Monate nicht zur Schule gehen konnte, weil Überflutungen das Business ihrer Eltern zerstört hatten

Und die Fridays-For-Future-Kids sind nicht die einzigen, die protestieren, damit ihre Lebensumstände erträglicher werden. Durch Corona haben es Demonstrationen gerade nicht leicht. Die Gründe, warum protestiert wird - egal ob in Uganda, Chile oder Hongkong - bestehen aber weiterhin. Die Dokumentation "Dear Future Children" begleitet ein paar dieser Protestbewegungen und ist diese Woche online zu sehen. Sie hat es in den Wettbewerb des renommierten Max Ophüls Filmfestivals geschafft - eines der wichtigsten Filmfestivals für Nachwuchsfilmemacher*innen.

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Der Filmemacher Franz Böhm und sein Team suchen die Gemeinsamkeiten der Proteste, in dem sie drei junge Frauen herausgesucht haben, die jeweils an der vordersten Front der Proteste kämpfen. Und "Front" ist wirklich der richtige Begriff für die Situation - vor allem in Hongkong und Santiago de Chile, wo die Auseinandersetzungen mit der Polizei bei den Protesten sehr gewaltvoll sind.

In Chile - wo es den Protestierenden um die soziale Ungleichheit im Land geht haben hunderte Menschen schon ihr Augenlicht verloren, weil die Polizei mit Gaspistolen direkt auf die Gesichter zielt. Es sind auch schon mehrere Menschen gestorben, wie zum Beispiel Abel Acuña, der noch hätte gerettet werden können, wenn die Polizei den Krankenwagen durchgelassen hätte, erzählt Rayen, die vor Ort war. Niemand übernimmt die Verantwortung für all die Toten, sagt sie, was sie sehr wütend macht. Diese Wut ist für Rayen aber auch ein entscheidender Motor weiterzukämpfen.

Auch in Hongkong haben wir erschreckende Bilder von Polizeigewalt gesehen. Nach dem Sicherheitsgesetz, das letzten Sommer verabschiedet wurde, ist die Lage der Protestierenden noch schwieriger geworden. Pepper heisst die junge Frau, die von ihren Erfahrungen erzählt, und die auch bestätigt, dass das Sicherheitsgesetz die Lage extrem verschärft hat. Pepper ist natürlich nur ein Spitzname und darüberhinaus hat die 22-Jährige sich für ihre Arbeit als Aktivistin eine zweite Identität zulegen müssen: "I also have a google calender managing my second life so I can help myself remembering the lies that I made and not to make mistakes." Ein extra Kalender hilft ihr zum Beispiel, sich an ihre Lügen zu erinnern.

Die Hintergründe der Proteste sind komplex und verschieden, trotzdem passen sie in der Doku gut zusammen, weil die Filmemacher sich auf die Motivationen und Ängste der drei Protagonistinnen konzentrieren - und die sind erstaunlich ähnlich: Es geht, wie der Titel schon suggeriert, auch um die Zukunft ihrer ungeborenen Kinder. Alle haben Angst vor der Gewalt und ihre Hauptmotivation ziehen sie aus ihren Beziehungen - also Freunde, Familie aber auch Mitstreiter und Mitstreiterinnen. Alle drei Protagonistinnen sprechen ehrlich und offen und durch die Kamera, dadurch sind wir direkt mit dabei, was erschüttert und berührt.

Stand: 15.01.2021, 08:00