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"Das Jahr, das die Erde veränderte" - Wildtiere in Zeiten der Pandemie

"Das Jahr, das die Erde veränderte" - Ein Jahr menschenfrei für Wildtiere

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Das Jahr, das die Erde veränderte" - Wildtiere in Zeiten der Pandemie

Von Emily Thomey

Die Pandemie hat vor allem negative Folgen, aber für Wildtiere ist sie an vielen Stellen ein Segen. Wie still, sauber und leer ihre Umwelt plötzlich ist erzählt die Naturdokumentation "Das Jahr, das die Erde veränderte".

Ein bisschen mehr als ein Jahr dauert nun schon die Corona-Krise an. Der erste Lockdown in Deutschland war Mitte März, anderswo war das öffentliche Leben schon früher stillgelegt. Seitdem hat sich sehr viel verändert. Wer hätte gedacht, dass es völlig normal wird, eine Maske im Supermarkt zu tragen oder stundenlang spazieren zu gehen statt im Club zu tanzen. Vermutlich fällt uns allen vor allem ganz viel ein, was seitdem alles schlechter ist. Aber für sämtliche Tiere weltweit ist es besser geworden, seit wir das Haus nicht mehr verlassen, weniger fliegen oder kaum Urlaub machen. Von diesen positiven Veränderungen erzählt jetzt die Doku "Das Jahr, das die Erde veränderte".

Wildtiere können ihren Raum wieder besser nutzen

Wildtiere haben an vielen Orten der Welt komplett menschenfrei und das heißt: Es ist leiser, weil der Verkehr in den Städten wegfällt, die Luft ist besser, die Strände bleiben leer. Damit haben Tier-Forschende plötzlich die außergewöhnliche Gelegenheit, Wildtiere unter völlig neuen Bedingungen zu erleben. Buckelwale beispielsweise sind bekannt für ihre Gesänge, aber jetzt singen sie viel länger und ausgefeilter, weil die Meere ohne Frachter und Kreuzfahrttanker bis zu 25-mal leiser sind als vorher. Walforscher haben Gesänge aufnehmen können, die sie so noch nie zuvor gehört haben.

Weniger Stress bei der Aufzucht

Auch haben sie herausgefunden, dass die Walmütter sich viel weiter von ihren Kälbern entfernen als vor der Pandemie, weil sie über weitere Strecken mit ihnen kommunizieren können. Das gilt auch für Geparde und ihre Jungen, die vorher von lauten Safaritouristen gestört wurden, oder Pinguine, die ihre Kinder viel einfacher füttern können und damit auch mehr Nachwuchs großziehen können als vorher.

Koexistenz statt Kampf

Für die Tiere wäre es also eigentlich schön, wenn dieses menschenfrei nicht oder zumindest nur teilweise wieder aufgehoben wird. So lautet auch der Wunsch aller Forschenden, die in der Doku vorkommen und auch jede Zeile des legendären Naturdokusprechers David Attenborough schreit quasi danach, dass wir mehr auf Ko-Existenz setzen sollten. In dem indischen Bundesstaat Assam haben Farmgemeinschaften plötzlich Zeit und Ressourcen für Elefanten Plantagen anzulegen, wie ein Naturschützer erzählt: "Über 500 Leute konnten mithelfen und riesige Futterfelder für die Elefanten anlegen." Durch die neuen Plantagen zerstören die Elefanten die anderen Plantagen nicht mehr und die Ernten bleiben erhalten. Im besten Fall werden die neuen Plantagen auch für die Zukunft so bestehen bleiben, weil die Community nun sehen konnte, dass es noch eine andere Lösung für den Jahrzehnte alten Konflikt gibt, als die Elefanten zu verjagen.

Ein Fazit für die Menschen

Tierdokus kommen kaum noch ohne den warnenden Unterton der Klimakrise aus. Hier braucht es ihn nicht. "Das Jahr, das die Erde veränderte" ist ganz stringent auf die Message hin erzählt: Wir Menschen sollten weniger Platz einnehmen, leiser sein und überhaupt mehr auf die Tiere und deren Bedürfnisse schauen und so die faszinierende Welt erhalten, in der wir leben. Die von den BBC-Studios produzierte Tierdokumentation zeigt genau diese Welt mit umwerfenden Bildern und ist mit knapp einer Stunde viel zu kurz.

Stand: 16.04.2021, 06:00