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"Colin in Black & White" - Colin Kaepernick als Serie

Outside Linebacker Eli Harold (l.), Quarterback Colin Kaepernick (M.) und Safety Eric Reid

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"Colin in Black & White" - Colin Kaepernick als Serie

Von Emily Thomey

Der NFL-Star Colin Kaepernick erzählt in der Serie "Colin in Black & White" seine eigene Erfolgsgeschichte und hält der rassistischen USA einen Spiegel vor. Wenig subtil, aber gut.

Colin Kaepernick hat sich im August 2016 beim Ertönen der Nationalhymne der USA nicht hingestellt wie alle anderen, sondern erst hingesetzt und dann hingekniet. Er wurde dafür kritisiert und auch gefeiert. Mittlerweile kennen auch diejenigen seinen Namen, die mit American Football nichts zu tun haben: Colin Kaepernick. Der NFL-Quaterback mit dem großen Afro ist weltweit bekannt geworden - letztlich auch durch seine politische Protestgeste. Heute ist eine Serie erschienen, die sein Leben erzählt.

Schon die ersten Minuten zeigen, wie die Serie funktioniert. Colin Kaepernick erzählt mit Blick in die Kamera seine Sicht auf die Welt. Er sagt, dass jeder wisse, wie man im Football gewinnt - man müsse die Try-Outs schaffen und dann kombinieren. Was Kaepernick dann kombiniert, ist seine persönliche Erfolgsgeschichte vom High School Sport Nachwuchsstar zum NFL-Quarterback mit der US-Geschichte, die aufbaut auf weißer Dominanzkultur und strukturellem Rassismus. "Before they put you on the field, teams poke, prod and examine. Searching for any defect, that might affect your performance. No boundry respected. No dignity left intact." Bevor sie dich aufs Feld lassen, checken sie deine Fitness ohne Rücksicht auf Grenzen oder deine Würde, sagt Colin, während wir Football Spieler sehen, die gerade noch trainiert haben und untersucht wurden und dann in Ketten gelegt von Sklavenhändler feil geboten werden.

Eine Mischung aus fiktionalisierter Football-High-School Story mit dokumentarischer Aufarbeitung der Rassismusgeschichte der USA. Die vielen harten, düsteren Fakten werden unterhaltsam gemischt mit einem Crash Kurs in afroamerikanischer Kultur: Afro-Frisuren, die mehr sind als einfach nur stylisch, Musik von Kendrick Lamar, Missy Elliot oder James Brown, wichtige Autorinnen und Denker wie Toni Morrison oder James Baldwin. Dazu die Aufstiegsgeschichte von Colin als Junge von weißen Adoptiveltern, wie er gegen Rassismus und Mikroagressionen kämpft - also den alltäglichen rassistischen geprägten Momenten, die seine Eltern nicht nachfühlen. Schon in der High School trifft Colin eine der wichtigsten Entscheidungen seines Lebens: "I learned a lot of things that summer. The summer of my senior year. But the one thing I remember most is you gotta play the game that’s right for you." Er habe viel gelernt in seinem letzten High School Jahr - aber die wichtigste war, das Spiel zu spielen, was richtig für ihn ist - und das ist eben nicht Baseball, sondern Football, obwohl er für Baseball viel mehr Stipendienangeboten bekommen hat. Spoiler! Aber gut - die Wirklichkeit kann man schlecht spoilern.

Die Serie ist nicht subtil, aber deswegen ist sie nicht weniger gut erzählt. Wenn man sich anschaut, wo wir gesellschaftlich stehen, wenn es um strukturellen Rassismus geht, dann ist es offenbar auch immer noch nötig, die Dinge so klar zu formulieren, wie das "Colin in Black & White" tut. Der Titel sagt uns bereits, dass es um die ganz großen Fragen geht, ausgedrückt in eindeutigen Worten und Bildern. Eine kritische Auseinandersetzung mit weißer Dominanzkultur und eine Hommage an Black Culture gespickt mit jede Menge smarten Lebensweisheiten.

Stand: 29.10.2021, 13:18