Live hören
Jetzt läuft: Unforgettable von Nico Santos

"Cat in the wall" - Katze in der kalten Steinwand

Screenshot: "Cat in the wall" -

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Cat in the wall" - Katze in der kalten Steinwand

Von Christian Werthschulte

In Brüssel streiten sich EU und Großbritannien über Fische, in London hat der Brexit dramatischere Auswirkungen – auf Irina, die Protagonistin von "Cat in the wall".

Irina stammt aus Bulgarien, wohnt im Süden Londons gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Sohn und ist etwas genervt von ihrer Lebenssituation. "Im Aufzug war schon wieder Pisse. Und auf der Treppe ist mir die Tasche heruntergefallen. Ich kann nicht mehr", sagt sie zu ihrem Bruder.
"Und dann hat auch noch die Polin das Renovierungsprojekt bekommen." Irina ist Architektin, ihr Bruder Historiker. In London arbeiten sie beide in Jobs, für die sie überqualifiziert sind. Irina arbeitet im Pub, will aber ihr erstes Projekt als Architektin realisieren. Privat hat sie schon die erste Stufe auf der Sozialen Leiter erklommen: ihre eigene Wohnung.

Die eigene Wohnung

Irinas Wohnung liegt in einem Wohnblock in Südlondon. Er ist ein Mikrokosmos der britischen Gesellschaft. Weiße und schwarze Briten leben hier Tür an Tür mit Irina. Es gibt junge Kreative, die gegen den Brexit sind und Rentner, die dafür gestimmt haben. Aber trotzdem läuft ein großer Spalt durch den Wohnblock. Ein Teil der Bewohner hat ihre Wohnung von der Stadt gekauft und ist jetzt Eigentümer der ehemaligen Sozialwohnungen. Und der Rest bezieht Sozialleistungen.

Die Katze

Und da kommt dann die Katze aus dem Filmtitel ins Spiel. Sie läuft Irina im Treppenhaus über den Weg und wird von ihr aufgenommen.Damit fangen Irinas Probleme erst so richtig an, denn die Katze gehört ihrer Nachbarin Phoebe, einer schwarzen Sozialhilfeempfängerin. Als sie und ihre Mutter sie holen wollen, flüchtet sie in ein Loch in der Wand. Irina will sie mit Phoebes Mutter herausholen und erfährt dabei ein Geheimnis. "Sechs Jungs haben sich an Phoebe im Park vergangen. Das ging so über Monate und ich hatte keine Ahnung,“ erzählt sie. „Ich habe dann versucht, sie abzulenken. Ich habe sie in einem IT-Kurs angemeldet, aber ihre einzige Freude war diese Katze – ein Geschenk ihres Vaters." Irina verliert nach dieser Begegnung den Glauben an die Institutionen in Großbritannien und fängt an sich zu wehren. Wie’s ausgeht, wird an dieser Stelle nicht verraten.

Das Spielfilmdebüt

"Cat in the wall" ist das Spielfilmdebüt von Mina Mileva und Vesela Kazakova, ein bulgarisches Regisseur*innen-Duo. Eigentlich kommen die beiden vom Dokumentarfilm und das merkt man "Cat in the wall" auch an. Der Film ist mit minimalen Mitteln gedreht, aber toll gespielt und hat trotz der eher tragischen Story viel Alltagshumor.

Stand: 11.12.2020, 10:00