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"Borderlands"- Grenzland Indien

Borderlands - Frau steht an einer Balustrade am fluss und schaut auf eine Grenzmauer

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Borderlands"- Grenzland Indien

Von Emily Thomey

Indien ist mit Horrormeldungen in den Schlagzeilen aber natürlich ist Indien soviel mehr als das. Die Dokumentation "Borderlands" zeigt das Leben in Grenzregionen des Landes als Weltpremiere beim DOK.fest München.

Bis zuletzt hat das DOK.fest München gehofft doch irgendwie im Kino stattfinden zu können. Aber mit der Notbremse war dann klar, das wird nicht gehen. Also findet das Filmfestival ein weiteres Mal online statt. Einziger Vorteil der Situation: egal wie weit weg wir alle können die über 130 Filme aus der ganzen Welt sehen. Die Produktionen kommen aus Israel, China, Madagaskar oder Kanada. Drehen sich um Rassismus, Gentrifizierung oder Korruption. Insgesamt 43 Länder sind vertreten und der Film "Borderlands" zeigt Indien aus der Sicht seiner Grenzbewohner*innen noch vor der Corona-Situation.

Leben entlang der Grenze

Der Filmemacher ist selbst an der indisch-pakistanischen Grenzen aufgewachsen und zeigt diesen Teil des Landes durch die Augen seiner Mutter. Die Gespräche, die er mit ihr hat, sind sehr intensiv. Rekha spricht davon, dass sie eigentlich lieber Lehrerin geblieben wäre, statt Hausfrau zu sein, wie sie es jetzt ist. Sie müsse die Wahl ihrer Eltern akzeptieren, die ihren Mann für sie ausgesucht haben, sagt sie hier und den Wunsch ihr Mannes, der nicht wollte, dass sie arbeitet. Wirklich traurig wird sie dann aber erst als sie ihrem Sohn ihr Leid klagt, dass er sie so selten anruft.

Persönliche Geschichten beleuchten die Grenzsituation

Letztlich ist das wirklich Interessante der sechs Protagonisten aber nicht die Grenze allein. Sie wirkt mehr wie ein Vorwand, um die persönlichen Lebensgeschichten zu erzählen. Neben der Mutter und Hausfrau Rekha, ist das die Story von Deepa, die von ihrer Ausbildung zur Krankenschwester schwärmt oder Dhauli, die durch die Grenze zu Bangladesh von ihrer Familie getrennt lebt.

Aber so richtig packend ist Kavita, die an der Grenze zu Nepal Kontrollen gegen Menschenhandel durchführt. Die zierliche junge Frau entspricht so gar nicht dem Bild einer Grenzkontrolleurin, aber wir sind sogar einmal dabei, wie sie die Polizei ruft, weil eine Frau mit einem jungen Mädchen die Grenze passieren will und scheinbar nur vorgibt, die Tante zu sein. Und mit Noor erzählt der Film dann auch wie es ist, selbst gehandelt zu werden.  Noor wurde von ihrer eigenen Tante verkauft und letztlich aber bei einer Razzia wieder befreit. Seitdem lebt sie in einer Herberge für Mädchen mit ähnlichen Geschichten.

Immense Vielfalt Indiens

Was der Filmemacher gut kann, ist den Protagonistinnen so nahe zu kommen, dass sie von ihren Wünschen, Sehnsüchten, gebrochenen Herzen und Schicksalsschlägen erzählen. Außerdem ist es spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Lebensumstände der Leute sind aussehen: Mal sind wir in städtisch-urbaner Kulisse der Mittelschicht, mal tropisch warm und grün in dem Mädchenheim oder dörflich-bäuerlich in einer sandigen Wüste. Dafür lohnt sich der Film.

Stand: 07.05.2021, 12:00