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"Blue Story" - Sozialdrama über Gangrivalität in London

Screenshot Blue Story: Die beiden Freunde Marco und Timmy auf dem Weg zur Schule.

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Blue Story" - Sozialdrama über Gangrivalität in London

Von Christian Werthschulte

In "Blue Story" geraten zwei Schulfreunde zwischen die Fronten einer Gangrivalität in Südlondon.

"Ein 23-jähriger Mann wurde gestern Abend in Peckham erschossen. Die Polizei sagt, dies sei auf eine eskalierte Rivalität zwischen zwei Gangs zurückzuführen." Eine Montage aus Nachrichtenclips, alle mit ähnlichem Inhalt – so beginnt "Blue Story", der Debütfilm des britischen Regisseurs Andrew Onwubolu, auch bekannt als der Grime-MC Rapman.  "Blue Story" erzählt die Geschichte einer unwahrscheinlichen Freundschaft zwischen Marco und Timmy, zwei junge Schwarzen, die zusammen zur Schule gehen.

Freundschaft über das Gangviertel hinaus

Timmy kommt aus Deptford und Marco aus Peckham, zwei Viertel in Südlondon. Sie werden Freunde, obwohl die Jugendgangs dieser beiden Viertel – die Ghettos und die Peckhams – verfeindet sind. Ich hab meinen Bruder gefragt, warum die Ghettos so‘n Beef mit den Peckhams haben,“ erzählt Marco. Und Timmy fragt: "Und? Was hat er gesagt?" - "Wie alle dort: Das sind Ungläubige." Schließlich fordern die beiden Gangs aber doch Loyalität von Timmy und Marco fordern ein und die zwei Freunde entfremden sich.

Spirale der Gewalt

Nachdem Timmys Freundin Leah bei einer Konfrontation zwischen den beiden aus Versehen stirbt, schwört dieser Rache und setzt damit eine Gewaltspirale in Gang. "Blue Story" ist ein traditionelles Sozialdrama – mit Musical-Einlagen. Die kommen vom Regisseur des Films, dem Grime MC Rapman. Der erzählt in seinen Songs die Geschichte weiter.

Grime-MC Rapman

Rapman weiß, wovon er rappt. Er ist selbst in Südlondon aufgewachsen und kennt die feinen Unterschiede unter den Schwarzen Jugendlichen dort. Er weiß, welche Musik aus den Autos dröhnt und in welchen Einkaufszentren die Hangouts sind. Rapman hat dort auch seine YouTube-Serie "Shiro‘s Story" angesiedelt, wo es auch um die Lebensrealität Schwarzer Jugendlicher geht. 3000 Pfund hat sie gekostet, auf YouTube hat sie über acht Millionen Views – für Rapman war sie der Einstieg ins Filmgeschäft.

Kinoketten boykottieren Filmstart

Leicht wurde ihm dieser Einstieg nicht gemacht. Als "Blue Story" in die Kinos kommen sollte, haben ihn einige Kinoketten wegen einer Messerstecherei bei einer Vorpremiere in Birmingham im Herbst 2019 boykottiert. Den Kinoketten wurde dann "institutioneller Rassismus" vorgeworfen. Sie würden die jungen Schwarzen diskriminieren, deren Lebensumstände der Film zeigt.  Die Ketten haben dann eingelenkt und im März 2020 hatte "Blue Story" einen Kinostart – bis halt die Corona-Pandemie dazwischen gekommen ist. Gut, dass man "Blue Story" jetzt streamen kann.

Stand: 18.12.2020, 10:00