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Blindspotting - Serien-Spin-Off des Kultfilms

Mütter unter sich: Ashley (Jasmine Cephas Jones) mit der Mutter (Helen Hunt) ihres Freundes an einem Tisch

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Blindspotting - Serien-Spin-Off des Kultfilms

Von Emily Thomey

Die Spin-Off-Serie zum Kultfilm zeigt das toughe Leben in Oakland aus weiblicher Perspektive und mischt auf poetische Weise afroamerikanische Kultur in die Comedy.

Die sogenannten "blinden Flecken" haben wir alle: Ob es um Rassismus geht, um Sexismus oder sonst welche Vorurteile gegenüber vermeintlich "Anderen". Und weil es blinde Flecken sind, werden sie eben übersehen. Im schlimmsten Fall brutal ausgelebt, ignoriert oder geleugnet. Im besten Fall aber lernen wir die blinden Flecken kennen, schauen hin, machen sie sichtbar und verändern uns. Im Englischen heißen die blinden Flecken "Blind spots" und es gibt einen wirklich guten Film, der nach ihnen benannt ist. "Blindspotting" heißt er und wird von vielen sogar Kultfilm genannt, weil er die ganzen Graustufen der "blind spots", der Blinden Flecken in Sachen Rassismus, Polizeigewalt und Klassismus unterhaltsam aufgefächert hat. Jetzt ist die gleichnamige Spin-Off-Serie erschienen.

Im Film ging es vor allem um die ungleichen Freunde Collin und Miles - der eine, Collin, ist Afroamerikaner, noch auf Bewährung in Sorge vor rassistischer Polizeigewalt, der andere, Miles, ist weiß, aufbrausend und in Sorge um sein Zuhause, was durch Gentrifizierung bedroht ist. In der Serie wird Miles direkt in der ersten Szene wegen Drogenhandel festgenommen. Seine Freundin Ashley muss mit dem gemeinsamen Sohn zu Miles Mutter umziehen, weil sie die Wohnung alleine nicht halten kann. "I have to be strong for these minutes. Tough mom to these bitches. It might just break me but I was born with soul stichtes. So the Lord help me just I will show just how solid I row with my business. You dig?"

In Spoken Word Style führt sie durch die Geschichte und muss sich als Erstes mit der Halbschwester von Miles rumschlagen: Trish und Ashley hassen sich. Rainey, Miles Mutter gespielt von Helen Hunt, ist einerseits hippie-haft peinlich, aber auch großzügig und vermittelt zwischen den beiden Frauen. Statt ungleicher Männerfreundschaft wie im Film wirft die Serie eine weibliche Perspektive auf eine ähnliche Lebenssituation.

Ashley möchte für ihren Sohn natürlich eine möglichst sichere Umgebung. Da Trish in einem Stripclub arbeitet und gerade dabei ist ihr Online-Sex-Foto-Business aufzubauen - aus dem heimischen Wohnzimmer, knallt es von der ersten Sekunde an. Dabei hat Trish feministische Ideale für ihr Sexbusiness: "The club system is fucked up. So we post our little pictures, create our own cooperative union, then open our own club. A save club for girls run by girls. It's progressive." Sie will über die Onlinefotos Kunden ziehen und letztlich einen eigenen sicheren Club eröffnen - geführt von Frauen.

Ashley hingegen arbeitet am Empfang eines teuren Hotels und ist da konfrontiert mit den übelsten Vorurteilen reicher Gäste, die sie entweder als Sexobjekt oder Dealerin sehen.

Der Ton und Flow der Serie ist ganz anders als der Film, auch wenn in der Serie ähnlich wie im Film viel von der afroamerikanischen Kultur auf echt coole Art eingeflochten wird: Das fängt an bei so Momenten wie den schon gehörten Spoken Word Erzählerinnen Szenen; geht weiter bei kleinen Choreografie-Einlagen an der Ecke oder beim Besuchstag im Knast; Autos, die sich rauchend im Kreis drehen, also "spinnen"; und dann ist da noch der Soundtrack, der Slang, die Grillz, die genialen Hairstyles und und und. Die Startzplay-Serie ist wesentlich mehr auf Comedy gedreht und nicht so tiefgründig wie der Film, und auch nicht jede Szene in der Serie ist so glaubwürdig, aber ich will schon gern wissen, wie Trish ihre Club-Idee umsetzt und das Schauspieler-Ensemble hat viel Potenzial Fans zu ziehen. Ich werd auf jeden Fall weiterschauen.

Stand: 16.06.2021, 16:56