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"Black Panthers" - Schwarze Selbsthilfe

Doku: Black Panthers

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Black Panthers" - Schwarze Selbsthilfe

Von Christian Werthschulte

Die Black Panther Party war eine der wichtigsten Schwarzen Organisationen der Bürgerrechtsära in den USA. Eine Doku schildert jetzt ihre Geschichte.

Polizeigewalt und Rassismus gegen Schwarze - das sind Themen, die heute genauso aktuell sind wie vor über 50 Jahren. In Oakland an der amerikanischen Westküste haben sich 1966 junge Schwarze deshalb zur Black Panther Party zusammengeschlossen, mit dem Ziel, Schwarze zu schützen - und zwar mit Waffen. Wenn Schwarze von der Polizei kontrolliert wurden, sind die Black Panthers mit geladenen Maschinengewehren vorgefahren und haben die Szene beobachtet. "Niemand tat etwas, bis der erste Polizist seine Waffe entsicherte und die ersten Patronen auf den Boden fielen", erzählt Sherwin Forte, der damals Teil der Black Panthers in Oakland war. "Dann machten wir es genauso. Man hörte das Klack Klack Klack der Patronen die Straße runter."

Ab 1969 wurde die Black Panther Party die wichtigste Schwarze Organisation in amerikanischen Großstädten. Sie war in der Politik und den Communities aktiv, hat Bildungsarbeit gemacht und ein feministisches, anti-rassistisches und kapitalismuskritisches Programm vertreten. Und der Look der Black Panthers mit den schwarzen Lederjacken und den Barett-Mützen wurde ein Teil amerikanischer Popkultur. Viele Slogans und Symbole der Black Panther Party tauchten in der Soul- und Funk-Musik auf.

Doku: Black Panthers

Viele Schwarze Amerikaner*innen waren wegen der Panthers das erste Mal stolz auf ihre eigene Identität. "Die Art, wie wir sprachen und gingen, folgte einem Rhythmus. Und die Leute erkannten ihn – wir fielen auf!", erzählt Black-Panther-Mitglied Akua Njeri. "Außerhalb der Organisation, auf der Straße, hieß es: 'Uuh, was für ein potthässlicher Mensch.' Aber innerhalb der Partei gab es einem einen enormen Sex-Appeal." Eine wichtige Quelle für dieses Selbstbewusstsein war die Wochen-Zeitung der Black Panthers mit den Zeichnungen von Emory Douglas. Bekannt geworden ist seine Darstellung von Polizisten als "Pigs", also als "Bullenschweine". Dieser Ausdruck kam von den Black Panthers und wurde während der Anti-Vietnam-Proteste in den ganzen USA benutzt.

Die Bundespolizei FBI wurde schnell auf die Black Panther Party aufmerksam. Aber erst eine der weniger militanten Aktionen der Gruppe führte dazu, dass das FBI konkrete Schritte eingeleitet hat: das Frühstücksprogramm. Die Black Panthers haben Kindern aus armen Familien Frühstück gemacht, damit die nicht hungrig in die Schule gehen mussten — praktische Community-Arbeit, die die sozialen Folgen von Rassismus aufgezeigt hat. Im Rahmen des geheimen Cointelpro-Programms hat das FBI dann V-Leute in die Black Panther Party eingeschleust. Sie sollten die Partei in interne Konflikte stürzen. Die Taktik ging auf: Ab Mitte der Siebziger splitteten sich die Black Panthers immer weiter, es kam zu heftigen Zerwürfnissen. Auch davon erzählt "Black Panthers" — mit vielen Originalaufnahmen und Interviews von ehemaligen Mitgliedern der Black Panthers. Sie haben eines gemeinsam: Für die, die dabei waren, war die Black Panther Party eine lebensverändernde Erfahrung.

Stand: 22.10.2020, 08:00