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"beta stories" - offene Fragen

Screenshot: "beta stories"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"beta stories" - offene Fragen

Von Emily Thomey

Wie viel Euro ist ein Menschenleben wert? Das ist eine Frage, die klingt unmoralisch. Die erste Reaktion ist daher meist, dass man ein Menschenleben nicht in Geld messen darf. Wird aber gemacht. Wieso und was daran sinnvoll und auch fragwürdig ist, klärt die Dokumentationsreihe "beta stories" vom Bayerischen Rundfunk.

So sehr man sich dagegen wehren möchte, ist Geld eine entscheidende Maßeinheit. Deswegen wird auch in der EU in der Diskussion um Gesetze mit Menschenleben gerechnet. So erklärt es in der Dokureihe Jutta Paulus, Abgeordnete im EU-Parlament und nennt die Diskussion um eine Chemikalie als Beispiel: "In der und der Konzentration ist es vermutlich krebserzeugend. Das sind soundso viele Krebsfälle pro 100.000 Expositionen und gleichzeitig ist der wirtschaftliche Vorteil aber der und der. Und dann sitzt jemand im Committee in der europäischen Chemikalienagentur und die sagen dann, okay, wir versuchen das jetzt zu monetarisieren, damit wir zwei nicht vergleichbare Dinge vergleichen können."

Wenn man die Frage mal umdreht und fragt, wieviel würdet ihr für eine Tablette zahlen, die euch das Leben retten könnte - angenommen ihr seid krank? Dann wird schon viel konkreter, dass es in einigen Fällen notwendig ist, die Frage nach dem Wert menschlichen Lebens zu stellen. Die tatsächliche Zahl liegt heute übrigens bei knapp Drei Millionen Euro.

Das ist aber nicht die einzige komplizierte Frage, die die Dokureihe "beta stories" stellt. Da geht es sonst auch noch darum, ob Schweine als Organspender für den Menschen gezüchtet werden dürfen oder, ob uns auf die Entscheidungen von Algorithmen verlassen dürfen. Letztlich alles Fragen, die nicht so einfach beantwortet werden können.

Das macht die Dokureihe auch so spannend. Sie zeigt anschaulich und schön illustriert anhand von Stopmotionfilmchen und konkreten Beispielen, wo die Knackpunkte liegen. Ist es moralisch verwerflich Schweine als eine Art Ersatzteilelager zu züchten? Wer profitiert davon und wer kämpft für das Recht der Tiere?

Im Falle der Algorithmen zeigt die Dokureihe Beispiele von zu Unrecht verurteilten Schwarzen, die in den USA im Gefängnis gelandet sind, weil Algorithmen sie nicht richtig erkannt haben. Das wiederum liegt an den Datensätzen, mit denen die Algorithmen gefüttert wurden, sagt Professor Bertold Meyer: "Die größten frei öffentlich verfügbaren Datensätze sind von Celebrities aus den USA aus den 80er-, 90er- und 00er-Jahren. Das sind überproportional viele eher jüngere, eher weiße, eher männliche Personen." Durch solche Datensätze diskriminieren die Algorithmen. In vielen anderen Bereichen helfen sie uns aber natürlich auch.

Die Fragen werden nicht endgültig beantwortet, vielmehr funktioniert die "beta stories"-Serie wie ein Impulsgeber. Danach möchte man sich involvieren und mitdiskutieren, und man versteht auch, dass es in einem demokratischen System wie dem unseren genau darum geht.

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Stand: 02.12.2020, 10:27