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Bautzen - Doku-Serie in zehn Folgen

Blick auf die Bautzener Altstadt mit Alter Wasserkunst und Michaeliskirche

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Bautzen - Doku-Serie in zehn Folgen

Von Nele Posthausen

Die sächsische Stadt Bautzen hat einen schlechten Ruf. 2016 ist dort eine geplante Flüchtlingsunterkunft ausgebrannt. Wie gehen die Einwohner*innen damit um?

Die Geschichte einer ganzen Stadt in eine Doku zu pressen, ist eine Herausforderung. Die Macher*innen von "Bautzen" meistern die Aufgabe in fünf Stunden Material, das sie auf gutsortierte zehn Folgen teilen. Dabei wechseln mit jeder Episode die Perspektiven. Die ZDF-Dokumentation erzählt mal vom Stadtführer. Mal erleben wir die Welt eines Abiturienten in Bautzen. Mal ist es eine Bloggerin oder eine syrische Mutter, die versuchen, in der Stadt Fuß zu fassen. Und immer kommen wir Zuschauer*innen dabei so nah ran, dass wir sympathisieren. Wir verstehen Motivationen und Blickwinkel und bekommen gleichzeitig genug Informationen geliefert, um kritisch zu bleiben.

"Wenn ich hier etwas sage, dann bin ich rechts."

Ohne Ausnahme alle, die wir in der Dokumentation kennenlernen, beschäftigt die Thematik Zuwanderung und Ausländerfeindlichkeit. "Das lässt sich auf einen Satz zusammenfassen: Wenn ich hier etwas sage, dann bin ich rechts", sagt ein älterer Herr in einer Diskussionsrunde von Bürger*innen. Und eine Frau mittleren Alters entgegnet mit starkem Akzent: "Was bedeutet Demokratie hier? Ich weiß nicht."

"Schöne Stadt, mieses Image"

So einen Austausch von Meinungen und Gedanken gibt es in der Stadt Bautzen mittlerweile öfter. Die Sächsische Zeitung hat zum Beispiel einige Diskussionsrunden mitorganisiert. Die erste der Veranstaltungen, auf die uns die Doku mitnimmt ist überschrieben mit dem Titel "Schöne Stadt, mieses Image". Das scheint ein ganz besonderes Thema für Bautzen zu sein. Und für die Kleinstädte in den neuen Bundesländern, die Bautzen für die Macher*innen der Doku repräsentieren soll. Viele andere Probleme erkennen wir auch in Orten im Westen: Unverständnis zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen, Lokal-Politiker*innen, die sich eher nach ein bisschen Aufmerksamkeit, als Veränderung sehnen und Menschen, die nicht genug Unterstützung vom Staat bekommen, weil sie durchs Raster fallen. Aber diese Frage: Was denkt der Rest Deutschlands über uns? Diese Sorge um das rechtsradikale Image, das trifft die Städtchen im Osten anders als kleine Orte im Westen Deutschlands.

Keine Ost-Nostalgie, keine Überdramatisierung

30 Jahre Deutsche Einheit, das ist ein Anlass zu dem wir mit Doku-Angeboten nur so überhäuft werden. Wer aber keinen Bock auf Ost-Nostalgie oder dramatisierende Filme zum Jetzt-Zustand des Deutschen Ostens hat, ist bei "Bautzen" an der richtigen Adresse. Die Doku ist ein moderner, offener Blick. Die Macher*innen sagen, sie haben sich von der Netflix-Serie Flint-Town inspirieren lassen. Das funktioniert!

Stand: 02.10.2020, 11:39