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Fridays For Future - Aufschrei der Jugend

Fridays For Future - Aufschrei der Jugend

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Fridays For Future - Aufschrei der Jugend

Von Emily Thomey

Seit knapp zwei Jahren streiken sie in Berlin und in vielen Städten weltweit. Trotz der Coronakrise haben sie nicht aufgehört. Die Dokumentation "Aufschrei der Jugend" zeigt die Berliner Fridays-For-Future-Gruppe aus nächster Nähe.

Wir sind so nah dran an der Bewegung, dass wir wichtige Höhen und Tiefen innerhalb der Berliner Gruppe miterleben. Ganz am Anfang, im März 2019, sind einige der Schüler*innen noch etwas kamerascheu und schüchtern. Mit der Zeit werden sie selbstbewusster und geübter im Umgang mit Interviews. Trotzdem ist es vor allem Luisa Neubauer, die immer wieder als das Gesicht der Bewegung in Deutschland auftritt.

Ihre Präsenz wurde auch innerhalb der Bewegung kritisch diskutiert, sagt Luisa: "Wenn man ehrlich ist, haben wir das nicht gut genug gemacht. In meinen Augen hätten wir schon die Gelegenheit gehabt, mehr Menschen prominent in die Medien zu bringen." Die mediale Aufmerksamkeit bringt für Luisa und auch für andere, die mit der Zeit sichtbarer wurden, Hasskommentare und im Falle von Luisa sogar Morddrohungen mit sich.

Sie haben sich aber nicht abschrecken lassen und immer wieder zigtausende Menschen mobilisiert. Das sind richtige Gänsehaut-Momente, die wir durch die Doku noch einmal von den Demobühnen oder auch Backstage Revue passieren lassen können. Wie letztes Jahr im September, als weit mehr Menschen auf die Straße gegangen sind als erwartet.

Fridays For Future - Aufschrei der Jugend

Dann kam das Klimapaket der Bundesregierung und war aus Sicht der FFF-Bewegung ein Flop. Richtig wütend und enttäuscht über das Klimapaket sind natürlich nicht nur die Berliner Fridays-For-Future-Aktivist*innen - aber auf die konzentriert sich die Doku. Und es ist erstaunlich zu sehen, wie die meisten trotzdem nicht den Mut verlieren. Alle haben ja neben ihrer politischen Arbeit noch ein Leben, gehen zur Schule oder studieren und die aktivistische Arbeit ist sehr kräftezehrend.

Die Ortsgruppen sind selbstorganisiert, entscheiden basisdemokratisch und ganz bewusst ohne die inhaltliche Hilfe von Eltern und älteren Aktivist*innen. Sie müssen sich immer wieder anpassen - wie jetzt während der Coronakrise, in der demonstrieren fast unmöglich ist. Aber die Aktivist*innen finden kreative Lösungen wie eine Plakataktion, bei der statt der Menschen Zehntausende ihrer Plakate vor dem Reichstagsgebäude ausgelegt wurden.

Die Dokumentation zieht nicht wirklich Bilanz der letzten zwei Jahre. Es geht eher darum, ein paar der Berliner Protagonist*innen besser kennenzulernen, zu hören, was sie motiviert und ihren Kampf auch innerhalb der Bewegung zu zeigen - und das gelingt. Die Bewegung ist weiter aktiv und wird es auch bleiben. Oder mit den Worten von Luisa Neubauer: "Was jetzt kommt, was im nächsten Jahr kommt hin zur Bundestagswahl, wird hart. Es wird unbequem. Und Menschen wollen sehen wie wir untergehen. Menschen wollen sehen wie wir aufgeben. Menschen wollen unsere Resignation. Aber das kriegen sie nicht. Das kriegen sie nicht."

Stand: 18.11.2020, 08:00