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Eine Schwarze Frau in Cannes

"Atlantique"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Eine Schwarze Frau in Cannes

Von Emily Thomey

Sie ist die erste Schwarze Frau, die in Cannes ihren Film im Hauptwettbewerb zeigen konnte. Und sie hat dort auch direkt den zweitwichtigsten Preis abgeräumt: den Großen Preis der Jury. Die senegalesische Regisseurin Mati Diop hat es also mit ihrem Film "Atlantique" in den Olymp der Filmwelt geschafft.

"Atlantique" ist jetzt auch endlich für uns alle online zu sehen. Der Film spielt an der Küste des Senegals. Es geht um ausgebeutete Arbeiter, Menschen, die auf Boote nach Europa steigen und eine Liebesgeschichte.

Mati Diop zeigt in ihrem Film eine ganz klar lokal verwurzelte Geschichte, die die Kultur und Sprache der Gegend aufgreift. Auf einer Großbaustelle für ein luxuriöses Hochhaus rebellieren am Anfang des Films Arbeiter, weil sie seit Monaten keine Lohn bekommen haben, natürlich auf Wolof - typisch für den Senegal.

Drei Monate ohne Lohn bedeutet für die Arbeiter auch, drei Monate kein Geld, mit denen sie ihre Familien versorgen müssen. Das heisst im Senegal: Auch ihre Väter und Mütter und Geschwister. Die Arbeiter sind aber im Prinzip noch Jugendliche, vielleicht Anfang Zwanzig. Der Wortführer in dieser Diskussion ist Souleiman, einer der Hauptfiguren von „Atlantique“.

Er ist in Ada verliebt und sie in ihn, aber Ada soll in wenigen Tagen Omar heiraten. Eigentlich ist Omar ein toller Fang: Er hat Geld, kann Ada Sicherheit bieten und entsprechend freuen sich ihre Eltern und Freunde für sie. Sie selbst kann sich gar nicht freuen, weil ihre Liebe für Souleiman einfach zu stark ist, um sie zu ignorieren.

Mariama, eine gute Freundin, redet Ada ins Gewissen, dass sie Omar bald heiratet werde, vor Allah - und dass Souleiman sie abservieren wird, nachdem er mit ihr geschlafen hat. Tatsächlich sucht Souleiman ohne Adas Wissen sein Glück auf einem Boot nach Europa. Wichtiger für den Film wird dann aber ein mysteriöses Feuer, was in Adas Hochzeitsnacht gelegt wird und Geister, die die Stadt heimsuchen.

Die Geister sorgen für Gerechtigkeit und helfen Ada in ihrem Liebeskummer - sie sind also gute Geister, auch wenn sie sehr gruselig aussehen und Besitz von Menschen ergreifen, ohne dass diese sich dagegen wehren können. Die Regisseurin verweist mit ihren Geister auf die arabischen Djinn, die Geister aus dem islamischen Glauben - wieder so ein Moment, der den Film in der Kultur des Senegals platziert.

Die Geschichte erzählt also sehr geschickt die traditionelle Kultur vor Ort, ist gleichzeitig sehr feministisch und zukunftsgewandt, ja sogar hoffnungsvoll, weil die Frauen, allen voran Ada, ihr Leben und das ihrer Familien in die Hand nehmen und sich befreien aus dem Korsett ihrer Umstände. Abgesehen davon ist "Atlantique" voll von wunderbar mystischen aufgeladenen Bildern vom Meer und der Gegend dort an der Küste.

Stand: 13.12.2019, 06:00