Live hören
Jetzt läuft: 1000°C von Lomepal feat. Roméo Elvis

Der Sinn des Lebens

Still aus der arte-Dokumentation "Almost There"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Der Sinn des Lebens

Von Emily Thomey

In der Dokumentation "Almost There" erzählen drei Männer über 60 von ihrem Sinn des Lebens. Gerade weil alle wirklich nicht besonders glückliche Gestalten sind, überrascht, was sie zu erzählen haben, so unsere Reporterin Emily Thomey.

Was ist dein Sinn des Lebens? Wenn ich das gefragt werde, dann denke ich an Radfahren, lecker essen und immer schlafen, wenn ich müde bin. Das würde ich aber nie laut sagen, weil so banale Dinge ja kaum der Sinn des Lebens sein können. Die Schweizer Regisseurin Jacqueline Zünd hat eine Dokumentation über drei Männer gedreht, die von ihrem Sinn des Lebens erzählen und ich bin überrascht wie viel die drei Männer über 60 mir erzählen können, vor allem, weil alle wirklich nicht besonders glückliche Gestalten sind.

Der US-Amerikaner Bob wurde gerade von seiner Freundin verlassen und hat sich einen Wohnwagen gekauft, obwohl er Camper uncool findet, weil sie übergewichtig, ungebildet und zahnlos sind. Oder der Japaner Yamada, der versucht damit klar zu kommen, Rentner zu sein, nachdem er in seinem Leben nur Zeit für die Arbeit hatte. Sein Ziel ist es, nicht wie nasses Laub an den Schuhen seiner Frau zu kleben. Für diese Rentner, die genauso an ihren Frauen kleben, gibt es im Japanischen tatsächlich sogar ein eigenes Wort: Nure-ochiba.

Also weder berühmt, noch erfolgreich, noch zufrieden aber die drei sagen einfach wahnsinnig kluge Sätze, während sie wie Bob ziemlich bedröppelt alleine in ihrem Wohnwagen sitzen und nicht so recht was mit sich anzufangen wissen: "More of the things that I regret are the things that I didn't do than things that I did do." Oder "I think it's about conquering your fears". Bob ist sich nicht sicher, aber er glaubt, es ginge im Leben darum, die eigenen Ängste zu überwinden. Es ist fast so, als könnten wir die Gedanken der Protagonisten von "Almost There" hören - so intim kommen ihre Aussagen herüber.

Der Film "Almost There" hat auch viele schöne Momente, in denen die Männer über sich hinaus wachsen. Yamada übt vor Kindern vorzulesen, zu seinen eigenen Kindern hat er fast keinen Kontakt gehabt und ihnen auch nie vorgelesen. Außerdem hat er so krass hängende Mundwinkel, also keine besonders fröhliche Ausstrahlung. Aber ganz zum Schluss, als er sein Vorlesedebüt geschafft hat, lächelt er und das trifft uns mitten in Herz. Die Regisseurin Jacqueline Zünd kann ich auch für ihre anderen Dokumentationen empfehlen, weil sie echt ein Händchen hat liebe- und humorvoll das Schöne aus banalen, scheinbar nur deprimierenden Personen und Situationen herauszuholen.

Stand: 12.09.2018, 10:45