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"Above and Below" - Leben jenseits der Zivilisation

"Above and Below"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Above and Below" - Leben jenseits der Zivilisation

Von Emily Thomey

Die preisgekrönte Schweizer Dokumentation "Above and Below" zeigt eindrucksvoll, wie sich vier Überlebenskünstler an surreale Orten im Westen der USA angesiedelt haben. Sie leben über- und unterirdisch, abgeschieden von der Außenwelt – außerhalb unseres Blickfeldes.

Die USA sind eigentlich ein beliebtes Reiseland. Beeindruckende und legendäre Städte wie New York oder Las Vegas ziehen viele Tourist*innen an. Genauso wie die, die auf imposante Natur stehen: die Niagarafälle oder die Rocky Mountains. Reisen wird dieses Jahr ja aus bekannten Gründen weitgehend flach fallen oder nur in die nächste Umgebung möglich sein. Mit der Dokumentation "Above and Below" reisen wir trotzdem in die Ferne in das Land der unbegrenzten Möglichkeit. Der Filmemacher besucht unter anderem Las Vegas - allerdings nicht das glamouröse, glitzernde Spieleparadies, sondern die Kanalisation, in der tatsächlich Menschen leben.

Viva Las Vegas

Und nicht zu knapp - sämtliche Tunnel unter der Stadt sind bewohnt, erzählt Lalo, der hier unter der Erde ein Zuhause gefunden hat. Für ihn ist das Leben in der Kanalisation näher an der Realität, als die Casinos und Showbühnen der Stadt: Lalo beschreibt Las Vegas treffend als Spielplatz für Erwachsene, ein riesiger Bonbonladen in der Mitte der Wüste. An den Stadträndern gibt es allerdings Slums, völlig heruntergekommene Häuser, in denen trotzdem Menschen leben. Sein Lager in der Kanalisation ist also nicht der einzige Gegensatz zur glitzernden Oberfläche. Lalo ist zufrieden hier, er hat sein Leben selbst so gewählt, sagt er und so geht es auch den anderen Protagonist:innen in der Doku.

"Above and Below"

Reise zum Mars

Alles Überlebenskünstler*innen - in der Kanalisation von Las Vegas oder direkt in der Wüste: In Utah und Kalifornien. Auch das könnten ja potenzielle Reiseorte sein. Die Natur dort ist auf jeden Fall wirklich traumhaft. Die Wüste in Utah, wo April sich in einer Forschungsstation auf eine Reise zum Mars vorbereitet, beeindruckt mich sehr: rotes Gestein, weit und breit nichts anderes. Surreal sieht das aus - erst recht, wenn dann April und ihre Kolleg*innen in Raumanzügen dadurch streifen. Wenn April an die Reise zum Mars denkt, hat sie keine Sorge, dass es unbequem ist, sondern eher schlicht langweilig: "Wenn dir hier langweilig wird, kannst du etwas anderes machen,“ sagt sie, §aber auf dem Mars gibt es keinen Freizeitpark oder irgendetwas anderes, das dich davon ablenkt, dass du gerade auf dem Mars bist."

Zufrieden in der Wüste

Wie viel Ablenkung in der Wüste möglich ist, zeigt Dave, der in kalifornischen Wüste in einem ehemaligen Militärgebiet lebt. Das klingt auch eher öde und einsam, für Dave ist es genau das Richtige. Er kann zu jeder Tages- und Nachtzeit Schlagzeug spielen, hat alles nötige zum Leben und verpasst keinen einzigen Sonnenuntergang. Wie alle anderen auch, schafft Dave es sich mit ganz wenig glücklich zu schätzen. "Wir gehen davon aus, dass es einen nächsten Tag geben wird," sagt er, "aber das ist kein Versprechen."

Der Schweizer Filmemacher Nicolas Steiner schafft es, all diesen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und zeigt uns damit, dass auch diese ungewöhnlichen, vielleicht sogar abschreckenden Orte, heimisch und sogar poetisch schön sein können. 

Stand: 01.07.2020, 06:00