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Auf der Suche nach Identität

Mahmood Falaki

Autor Mahmood Falaki

Auf der Suche nach Identität

"Deutsch-Iraner"? Oder doch eher "Iraner in Deutschland"? Oder "Deutscher mit Migrationshintergrund"? Der Schriftsteller Mahmood Falaki glaubt: Bis Geflüchtete in ihrer neuen Heimat auch eine neue Identität gefunden haben, dauert es lange.

Auf der Suche nach Identität

COSMO | 09.06.2018

"Wer bin ich eigentlich?" Diese Frage stellen sich viele Geflüchtete – das glaubt jedenfalls der Schriftsteller Mahmood Falaki. Falaki ist 1983 aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet. Bis dahin hatte er im Iran unter anderem als Schriftsteller gearbeitet und war dort auch politisch aktiv. Dieses Engagement brachte ihn für drei Jahre ins Gefängnis. Heute lebt und arbeitet der Schriftsteller in Hamburg.

Die Gründe für eine Flucht sind vielfältig, viele Menschen hätten in ihrer neuen Heimat aber immer mit dem gleichen Problem zu kämpfen: "Ich nenne diese Phase 'Selbstentfremdung'", sagt Falaki bei einer Veranstaltung in Bremen. "Man ist in einem Schwebezustand zwischen zwei Kulturen – eine Selbstentfremdung in einem fremden Land". Er selbst habe das auch so erlebt. Viele Geflüchtete würden in dieser Phase steckenbleiben – ohne neue, richtige Identität.

Identitätskrise in der neuen Heimat

Gehört man als Geflüchteter in einem neuen Land zu keiner Kultur mehr dazu? Wie findet man seine neue kulturelle Heimat? "Das geht nur, wenn die Flüchtlinge sich in ihrer neuen Heimat wirklich integrieren wollen – und es dort Hilfsangebote für sie gibt", meint Falaki. Nur wenn man sich in die Gesellschaft bewege und das Land entdecken wolle, könne man seine neue Identität finden. Dazu würden zum Beispiel auch die Grundlagen der deutschen Gesellschaft gehören, wie etwa das Modell des Rechtsstaats oder die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Allerdings werde es schwieriger, sich zu integrieren, sagte Falaki. Denn durch populistische Politiker und Parteien würde das Klima für Geflüchtete in vielen westlichen Ländern schwieriger.

Roman "Tödliche Fremde"

Auch wenn sich die Heimat von Geflüchteten verändert, während sie in ihrer neuen Heimat leben, könne das zu einem Dilemma führen. So erlebt es die Hauptfigur aus einem neuen Roman "Tödliche Fremde" von Mahmood Falaki. Darin erkennt der Protagonist seine Heimat, den Iran, nach seiner Rückkehr aus Deutschland kaum wieder und gerät etwa mit den Sittenwächtern in Teheran in Konflikt.

Zurück in die Heimat?

In den Iran ist Mahmood Falaki nur gelegentlich wieder gereist. Inzwischen ist es für ihn dort nicht mehr gefährlich, aber noch immer gibt es starken Druck auf Journalisten und Autoren. In der iranischen Gesellschaft hat er aber zwei Veränderungen bemerkt: "Natürlich sind die Jugendlichen moderner geworden", so Falaki. "Durch die Medien heutzutage konnten sie sich die Welt anschauen, etwas darüber lernen. Aber ich habe auch bemerkt, dass manche ältere Menschen religiöser sind als früher. Das ist ganz unterschiedlich." Dass sich der Iran in naher Zukunft öffnet, glaubt Falaki nicht. Dafür seien die Konservativen, Radikalen und streng Religiösen im Iran viel zu stark und die Reformer in der Politik zu schwach.

Stand: 09.06.2018, 14:10