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Ein besonderer Ort - das "Grandhotel Cosmopolis"

Grandhotel Cosmopolis

Reportage

Ein besonderer Ort - das "Grandhotel Cosmopolis"

Von Cengiz Tarhan

COSMO-Redakteur Cengiz Tarhan stellt ein Hotel vor, das es in der Form nur einmal in Deutschland gibt. Das Augsburger "Grandhotel Cosmopolis" beherbergt Asylbewerber und Reisende unter einem Dach. Ein Ort an dem Reisende, Geflüchtete und Künstler zusammen leben und arbeiten.

Das "Grandhotel Cosmopolis" ist kein normales Hotel, sondern ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Eine Leitfrage, die die Hotelbetreiber angetrieben hat, ist: In welcher Welt wollen wir leben? Mit Blick auf die Geflüchteten war klar: Nein, diese Menschen sollen nicht in anonymen Sammelunterkünften leben müssen. Die Hotelbetreiber sind überwiegend Künstler. Sie waren in Augsburg auf der Suche nach Werkstätten und Ateliers, in denen sie arbeiten können. In der Innenstadt gab es ein ehemaliges Altenwohnheim, das leer stand. Die Diakonie mietete in dem ehemaligen Altenwohnheim zwei Stockwerke für die Geflüchteten an – vor fünf Jahren zogen dann die ersten der rund 60 Geflüchteten ein. Die Künstler gründeten einen gemeinnützigen Verein, der das Hotel und vieles was dazugehört, betreibt: eine Bar, Workshops und Veranstaltungen werden organisiert, aber auch aktiv Flüchtlingsarbeit geleistet. Es gibt zum Beispiel Ehrenamtliche, die Flüchtlinge beraten und bei Problemen mit Asylverfahren beistehen.

Das etwas andere Hotel

Ein Zimmer im Grandhotel Cosmopolis.

"Grandhotel Cosmopolis" – Rundgang durchs Haus

COSMO | 01.11.2018 | 03:58 Min.

COSMO-Redakteur Cengiz Tarhan hat im "Grandhotel Cosmopolis" übernachtet: "Das ist schon etwas anders, als ein gewöhnliches Hotel. Grundsätzlich geht es viel persönlicher zu, man kommt schnell mit allen Leuten ins Gespräch und plaudert. Die Hotelzimmer selbst sind auch außergewöhnlich. Von Künstler gestaltet und sehr individuell – aber kein Luxus oder so. (...) Wer damit kein Problem hat, der wird die Zeit dort schätzen und sich zu Gast bei Freunden fühlen – und nicht in einem anonymen Hotel."

Die technische Ausstattung, zum Beispiel sanitäre Einrichtungen, ist nicht auf dem Hotelstandard, den man heute hier in Mitteleuropa gewöhnt ist, erzählt Stef vom Hotel-Team. Alles ist ein bisschen anders als in anderen Hotels – auch die Preisgestaltung. Nicht nur bei den Hotelzimmern, sondern auch zum Beispiel für Getränke an der Bar gibt es drei unterschiedliche Preisvorstellungen. Was bezahlt wird, entscheidet jeder Gast für sich. Der niedrigste Preis deckt die Kosten, der höchste Preis ist inklusive Spende, damit etwa Kunstworkshops angeboten werden können.

Die Bar im Grandhotel Cosmopolis.

Geflüchtete helfen ehrenamtlich mit

Seit wenigen Wochen ist Hasan im "Grandhotel Cosmopolis" ehrenamtlich aktiv und hilft an der Bar. Der 20-Jährige ist gern hier – auch um Leute kennenzulernen und sein Deutsch zu verbessern. Der Geflüchtete wohnt in einer anderen Unterkunft – aber hier gefällt es ihm richtig gut, erzählt er. Auch Hasib arbeitet im Hotel. Der Koch stammt ursprünglich aus Afghanistan und ist vor Jahren nach Deutschland geflüchtet. Fünf Jahre wohnt Hasib schon im Grandhotel Cosmopolis – und solange kocht er auch ehrenamtlich in der Hotelküche für Mitarbeiter, Freiwillige und Besucher. Und er ist nicht der Einzige – viele Bewohner, die als Asylbewerber dort wohnen, arbeiten freiwillig und ehrenamtlich an der Hotelbar oder in der Küche. Dadurch entstehen wertvolle Kontakte für die Asylbewerber. Unter der Woche wird in der Hotelküche immer Mittagessen aus einem anderen Teil der Welt gekocht. Für die Ehrenamtlichen, für Hotelgäste ohne Asyl für Besucher aus der Nachbarschaft. Einen festen Preis gibt es nicht – jeder zahlt, soviel er mag und kann für das Essen.

Ehrenamtliche kochen zusammen in der Küches des Grandhotel Cosmopolis.

"Grandhotel Cosmopolis" – die Hotelküche

COSMO | 01.11.2018 | 03:42 Min.

Stand: 01.11.2018, 10:00