Mimoun

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Mimoun

Mimoun ist in einer WG gestrandet - und keiner weiß, woher er gekommen ist. Die Bewohner geben ihm eine Decke und er schläft ein, ohne ein Wort zu sagen - um danach einfach zu bleiben.

Die Freunde überlassen dem flüchtigen Bekannten das Wohnzimmer, schließlich hat er ja nichts mehr, wie er selber sagt. Er ist auch kein bisschen aufdringlich, eher schüchtern und unsicher. Und es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Mimoun hat ein Dach über dem Kopf und genug zu essen, die anderen haben ein Mädchen für alles. Mimoun kocht für alle WG-Bewohner, sammelt nach dem Essen die Teller ein und serviert den Kaffee. Er hütet die Wohnung, dreht im Winter die Heizung auf, bringt den Müll raus. Niemand fragt, woher er kommt und was er außer Kochen und Putzen den ganzen Tag lang macht. Doch dann bittet er eines Tages um Papier und Stift - und die Dinge ändern sich radikal.

Frédéric Valin wurde 1982 in Wangen im Allgäu geboren. 2003 kam er nach Berlin und studierte dort Deutsche Literatur und Französisch. Er arbeitete als Übersetzer, Texter, Französischlehrer. Valin ist Mitbegründer der Neuköllner Lesebühne "Read on, my dear" und schreibt u.a. für Spreeblick, Jungle World und taz.

"Mimoun" ist erschienen im Erzählband "Randgruppenmitglied" (Droemer-Knaur Verlag).

von Frédéric Valin
gelesen von Daniel Wiemer
Regie: Susanne Krings
Produktion: WDR 2011/ca. 56’