Die Ärzte im 1LIVE-Interview

Die Ärzte zu Gast in 1LIVE

Stars in 1LIVE

Die Ärzte im 1LIVE-Interview

Fast aufgelöst hatten sie sich, nur noch ein paar SMS gab es zwischen ihnen, die Gitarren waren verkauft – und jetzt haben sie doch noch ein neues Album gemacht. Acht Jahre nach dem letzten Album. DIE ÄRZTE aus Berlin exklusiv über die Geschichte, die zu "Hell" führte.

1LIVE: Bela, Farin und Rod, wie findet ihr eure erste Platte seit acht Jahren?

Bela B: "Ich glaube, das ist eine unserer besten Platten jemals."

Farin Urlaub: "Zufrieden ist auch nicht das richtige Wort. Also wenn du den besten Sex deines Lebens hattest, bist du danach ja nicht zufrieden, sondern du bist 'on fire'..."

Bela B: "… Oder in unserem Alter einfach sauer, dass es nicht sofort weitergeht."

Alle: (lachen)

1LIVE: Was findet ihr so gut an "Hell"?

Bela B: "Ich finde zum Beispiel, dass es eine unserer musikalischsten Platten ist, bei der man tatsächlich auch mal die Texte ausblenden und sich komplett in die Musik fallen lassen kann. Was wir immer wieder angestrebt haben über die Jahre, weil wir nicht nur als die lustigen, ironischen Texter, sondern tatsächlich auch mal als die Super-Musiker wahrgenommen werden wollen, die wir ja sind (alle lachen). Und wir wollten eine relevante Platte, die nicht nur altes reproduziert. Am Ende habe ich echt gedacht: 'Krass, die würde ich mir kaufen.' So profan das klingt, aber das ist der größte Werteansatz, den ich da habe."

Farin Urlaub: "Wichtig war für mich persönlich, dass wir nicht ins Studio gehen mit der Einstellung: 'Ok, wir machen jetzt halt ein Album, weil muss man ja machen.' Sondern, dass wir das wirklich wollen. Und darum war mir diese Clubtour vor den Aufnahmen so wichtig, bei der dieser richtig große Spaß und die Freude wieder aufkam. Meines Erachtens klingt "Hell" auch deshalb so frisch, weil es wirklich ein von Bock geprägtes Album ist, was jetzt nicht alle Ärzte-Alben immer waren."

1LIVE: Es heißt ja, bei jedem ersten Treffen zu einem neuen Album spielt ihr den anderen Bandmitgliedern erstmal eure Songideen vor. War das dieses Mal auch so?

Bela B: "Wir mussten für diese Platte erstmal schauen, wie es läuft zwischen uns. Wir hatten ja kaum Kontakt. Zwischendurch schreiben Farin und ich uns immer mal wieder SMS. Meistens mit Witzen. Bestimmte Dinge, die nur wir uns sagen können. Aber sonst war da nicht viel."

Farin Urlaub: "Es gab eine Phase nach dem letzten Album 'Auch' und den Tourneen dazu, in denen wir nicht, ich sag mal, nicht wirklich Bock aufeinander hatten. Aber trotzdem kam in dieser Phase ab und zu mal eine süße SMS von Bela: 'Es gibt Sachen, die kann ich einfach nur mit dir teilen. Hier guck mal.' Und dann waren das irgendwelche Situationen, bei denen ich genau wusste was er meint und auch gelacht habe: 'Ja haha echt lustig, bist trotzdem ein Arsch.'"

Bela B: (lacht)

Farin Urlaub: "Und Rod wohnt ja nicht so weit weg von mir. Wir laufen uns ab und zu über den Weg, und das war selbst in den Tagen der Funkstille sehr nett."

1LIVE: Stand wirklich zur Debatte, dass ihr nie wieder eine Platte macht?

Bela B: "Ja, ja, das war zwar schon bei mehreren Platten so der Fall, dass es so Momente gab: 'Das könnte die letzte sein, lass mal gucken, wie wir uns danach fühlen', und meistens hat es dann eineinhalb, zwei Jahre gedauert bis wir dann sagten: 'Komm lass uns mal treffen. Und wie sieht es aus? Habt ihr noch Lust?' Eigentlich hieß es dann jedes Mal 'Ja'. Nach der 'Auch'-Platte hieß es aber eineinhalb Jahre später: 'Abwarten. Erstmal über Sachen reden. Sich aussprechen.' Dann hatte ich ein Jahr später in Jamel einen Auftritt und habe die beiden überredet, mit mir 'Schrei nach Liebe' zu spielen…

Farin Urlaub: "Ich musste mir zu Jamel nicht nur den Gitarrengurt von Rod, sondern auch eine Gitarre von Bela leihen, weil ich mein ganzes Zeug schon verscherbelt hatte. Also ich habe mich von Musik verabschiedet zwischendurch. Also es war durchaus sehr realistisch, dass da keine Platte mehr kommt. Für mich zumindest."

1LIVE: Was soll denn sowas?

Farin Urlaub: "Ich habe halt auch noch ein paar andere Interessen im Leben. Und es ist ja nicht so, dass wir nur eine Platte gemacht haben und die ganze Welt wartet, dass jetzt die zweite kommt. Es gibt schon sehr viel Musik von uns. Also das waren so meine Gedanken vor zweieinhalb Jahren. Nach dem Motto: 'Brauche ich nicht, fehlt mir nicht, alles gut.' Und dann, dank der Hartnäckigkeit von Bela und auch dank so Sachen wie, dass wir zwischendurch bei einem Beatsteaks-Konzert einfach mal zwei Songs gespielt haben… Ich meine, wir standen sieben Minuten auf der Bühne, und das Publikum hat sieben Minuten durchgekreischt, weil sie so entsetzt waren, dass Die Ärzte jetzt wieder da sind. Und dann dachte ich so: 'Vielleicht muss ich mein Ego mal ein bisschen hinten anstellen, weil es geht jetzt nicht um mich, sondern es geht darum, dass die Band vielleicht doch gar nicht so schlecht ist.' Aber ich war sehr skeptisch."

Bela B: "Und als wir dann ein paar Festival-Shows zusagten, wollten wir nicht nur Verwalter unseres Backkataloges sein. Da gibt es ja so viele warnende Beispiele in der Musikgeschichte. Ich habe gesagt: 'Komm, wir brauchen auch ein paar neue Songs.' Farin hatte zum Glück zwei parat, die haben wir dann aufgenommen, und ab dem ersten Gig der Club-Tour war mir dann klar, dass das wieder laufen kann, Farin hat noch zwei Konzerte gebraucht und Rod... schweigt sich aus zu dem Thema."

Rodrigo González: "Völlig. Das werdet ihr nie erfahren."

Bela B: "Und dann ging es wieder los. Dann haben wir ein neues Album aufgenommen."


Sichert euch Tickets für die Sektor-Shows im nächsten Jahr:

Stand: 23.10.2020, 06:00