Marius Reichert am Ufer der Ahr

Warum musste Johanna sterben?

Marius Reichert - der Host

Stand: 09.06.2022, 10:43 Uhr

Marius Reichert. Reporter beim WDR. Kommt aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Aus dem Ort, in dem es bei der Flut im Juli 2021 die meisten Todesopfer gab.

Marius Reichert war schon in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021, als die Wassermassen das Ahrtal mit tödlicher Wucht trafen, als Reporter im Einsatz. Berichtete im ARD-Nachtprogramm im Radio als einer der ersten von dem, was er beobachten konnte. In seiner Heimatstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Als da "die Welt unterging". Auch, um Menschen zu warnen.

Ausmaß der Katastrophe "nicht annähernd klar"

Rückblickend sagt Marius: "Auch mir ist in diesem Moment das Ausmaß dieser Katastrophe noch nicht mal annähernd klar." Seitdem hat er sich fast täglich journalistisch mit der Flut und ihren Folgen beschäftigt. War als Reporter für die ARD, für die Aktuelle Stunde und für die Lokalzeit aus Bonn in den Flutgebieten unterwegs. Hat über die Schicksale der Menschen erzählt, über die Hilfe berichtet, die sie bekommen haben - und auf die sie noch warten.

Gut ein halbes Jahr nach der Katastrophe, im Frühjahr 2022, will er verstehen, was genau da passiert ist. Mit einem Team von Journalistinnen und Journalisten von WDR und SWR sucht er Antworten auf Fragen wie diese: Wie konnte es so weit kommen? Wieso starben mehr als 180 Menschen? Wo wurden Fehler gemacht? Wieso wurde nicht rechtzeitig - und deutlicher - gewarnt? Warum war man nicht ausreichend vorbereitet auf das, was da kam? Und: Wird man es beim nächsten Mal sein?

Johannas Eltern wollen an die Geschichten der Opfer erinnern

Das sind Fragen, die auch Ralph und Inka Orth haben. Ein Ehepaar aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, das Marius Reichert schon lange kennt. Und von denen er weiß: Sie haben in der Flut ihre Tochter verloren: Johanna. Sie treffen sich, reden und sind sich einig: Ja, Ralph und Inka möchten mit Marius reden. Ihre Geschichte, Johannas Geschichte erzählen. Für einen Podcast. Weil sie da den Raum haben, ins Detail zu gehen.

Marius Reichert im Gespräch mit Inka und Ralph Orth

Marius Reichert im Gespräch mit Inka und Ralph Orth, Johannas Eltern

Denn sie wollen, dass Johanna den Todesopfern der Flut ein Gesicht gibt. Stellvertretend. Damit die Geschichten der Opfer nicht vergessen werden. Dafür reden sie mit Marius. Zwei Tage lang. Und er sagt später: "Das war das intensivste, das herausforderndste Gespräch, das ich als Journalist bisher geführt habe."

Auch mit vielen anderen haben Marius und das Podcast-Team gesprochen: mit Menschen, die alles verloren haben, mit Einsatzkräften, die Unvorstellbares geleistet haben, mit einer Traumatherapeutin, mit Meteorologen und Katastrophen-Forschern, mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Und sie haben Politikerinnen und Politiker konfrontiert.

Was die Gesprächspartner erzählt, die Experten erklärt haben, welche Antworten Marius und sein Team auf ihre Fragen bekommen haben, das gibt's zu hören im sechsteiligen Podcast "Die Flut - warum musste Johanna sterben?"