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Ludwig van Beethoven - Konzert Nr. 3 c-Moll für Klavier und Orchester

WDR Sinfonieorchester Video 22.02.2019 41:15 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR 3

Werkeinführung: Ludwig van Beethoven - Konzert Nr. 3 c-Moll für Klavier und Orchester

Stand: 21.08.2019, 08:00 Uhr

Von Torsten Möller

  • Seong-Jin Cho und Marek Janowski mit dem WDR Sinfonieorchester
  • Kölner Philharmonie am 22. Februar 2019
  • Werkeinführung in Beethovens 3. Klavierkonzert

Ludwig van Beethoven: der Inbegriff des "Genies", der "Titan", der dem Schicksal in den Rachen griff, der wütend-furchteinflößende, seine Zeitgenossen überfordernde "Meister" aus Bonn. Der Mythos Beethoven duldet kaum Widerspruch. Er ist eine Art Endpunkt – aber zum Glück nicht ohne ganz irdische Ausgangspunkte.

Ein Porträt des jungen Beethoven

Beethoven als junger Mann

Jeder will lernen, will sich orientieren, sich messen. Für einen ernsthaften Komponisten wie Beethoven gab es am Anfang des 19. Jahrhunderts erlesene Vorbilder: selbstverständlich Johann Sebastian Bach, natürlich "Papa" Joseph Haydn und, nicht zu vergessen, Wolfgang Amadeus Mozart. Beethoven arbeitete sich an diesem Trio ab, lernte bei seinen Lehrern Christian Gottlob Neefe und Johann Georg Albrechtsberger eifrig Bachs Kunst des Kontrapunkts und beschäftigte sich eingehend mit den modernen Erscheinungen des späten 18. Jahrhunderts, also mit Streichquartetten und Sonatenhauptsatzformen. Schon der junge Beethoven hatte ein Faible fürs Ernste, fürs Tragische. Und so bewunderte er besonders zwei Klavierkonzerte Mozarts: zum einen das Konzert in d-Moll KV 466, das Beethoven selbst mit eigener Kadenz öffentlich gespielt hat. Zum anderen das Konzert in c-Moll KV 491, über das er sich enthusiastisch äußerte, als er ab 1797 sein eigenes c-Moll-Konzert zu konzipieren begann.

Das 1803 vollendete dritte Klavierkonzert ist von den beiden Vorläufern nicht zu trennen. Ebenso wenig vom viel zitierten "neuen Weg" Beethovens. Der Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus sah das Neue beim etwa 30-jährigen Beethoven in den "rudimentären Satzanfängen". Tatsächlich ähnelt die einfache Dreiklangbrechung dem Beginn des c-Moll-Klavierkonzerts von Mozart. Wie dieses Ausgangsthema engmaschig verarbeitet wird, ist ebenso neuartig wie der sinfonische Tonfall. Es geht nicht mehr nur um ein – in der Tradition des Instrumentalkonzerts begründetes – Zurschaustellen von Virtuosität oder um Dialoge von Klavier und Orchester. Vielmehr beteiligt Beethoven das Soloinstrument stärker als sein Vorbild Mozart an der Formgestaltung, weist ihm bestimmte Formteile zu und integriert es nicht selten mit formal-strukturellen Aufgaben in den Orchesterpart. Kurz: Beethoven überlässt nichts dem Zufall, er strafft die kompositorischen Zügel. Und er hält sie gestrafft auch im zweiten und dritten Satz. Harmonisch reich ist vor allem der zweite Satz, ein Largo in E-Dur, dessen "Ausdrucks- und Gefühlswelt", so der Beethoven-Forscher Christoph Held, "weit über Beethovens Zeit und Umwelt" hinausweist. Spritzig, auch stolz und selbstbewusst, steht das virtuose Rondo am Ende.

Theater an der Wien

Theater an der Wien

Wohl auch aufgrund der Neuartigkeit der Klangsprache, die die damaligen Ohren überforderte, waren die frühen Aufführungen des Klavierkonzerts kein großer Erfolg. Bei der Premiere am 5. April 1803 im Theater an der Wien saß Beethoven selbst am Klavier. Er musste zum großen Teil aus dem Stegreif spielen, da er aufgrund von Zeitnot nicht zum Notieren des Soloparts gekommen war. Witzig liest sich der Bericht des Beethoven-Freundes Ignaz von Seyfried, der bei der Uraufführung blättern sollte: "Beim Vortrag seiner Konzertsätze lud er mich ein, ihm umzuwenden, aber – hilf Himmel! – das war leichter gesagt als getan! Ich erblickte fast lauter leere Blätter, höchstens auf einer oder der anderen Seite ein paar [...] mir recht unverständliche ägyptische Hieroglyphen hingekritzelt". Dass Beethoven offenbar auch selbst von der misslichen Situation überfordert war, zeigt eine Kritik, die nach dieser Darbietung in der "Zeitung für die elegante Welt" stand: "Weniger gelungen war das [...] Konzert aus C moll, das auch Hr. v. B., der sonst als ein vorzüglicher Klavierspieler bekannt ist, nicht zur vollen Zufriedenheit des Publikums vortrug."