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Grazyna Bacewicz

Werkeinführung: Grażyna Bacewicz - Divertimento für Streichorchester

Von Kerstin Schüssler-Bach

"Die Natur des Schaffens Grażyna Bacewiczs ist von einer Art, die nicht in die Trends passt, die sie begleiteten, und ich glaube, das ist es, was ihr Werk vor einem ephemeren Dasein bewahrt hat." So sah es ihr vier Jahre jüngerer Kollege und Landsmann Witold Lutosławski. In der Tat blieb sich Bacewicz treu. Die in Łódź geborene Komponistin genoss hohe Anerkennung als musikalische Botschafterin Polens und wurde im eigenen Land mit zahlreichen Aufträgen bedacht. Als sich mit dem Tauwetter der 1950er Jahre eine Öffnung zum Westen ankündigte, hatte eine jüngere Generation um die Begründer des Warschauer Herbstes schnell einen Schritt hin zur westlichen Avantgarde vollzogen. Bacewicz wollte diesen Weg nicht mitgehen – was ihrer Musik eine Gültigkeit jenseits der Moden verliehen hat.

Bacewicz war nicht nur Komponistin, sondern auch professionelle Geigerin, Pädagogin und Autorin von Romanen und Krimis, schrieb Streichquartette, Sinfonien, Solokonzerte, Ballette und Funkopern. In den 1930er Jahren studierte sie Komposition bei Nadia Boulanger und Violine bei Carl Flesch. Dem Inferno der deutschen Besatzung Warschaus konnte sie entkommen und beteiligte sich nach dem Krieg am Wiederaufbau des polnischen Musiklebens. Das Konzertieren musste sie nach einem Autounfall aufgeben. Zwei Jahre vor ihrem Tod wurde sie in Warschau zur Professorin für Komposition ernannt.

Bacewicz war eine mit Schnelligkeit und Ironie gesegnete Persönlichkeit: "Ich habe nämlich einen kleinen, unsichtbaren Motor, dank dessen ich in zehn Minuten mache, wofür andere eine Stunde brauchen." Ihr knappes Divertimento von 1965, uraufgeführt im Folgejahr unter Karol Teutsch in München, legt davon Zeugnis ab. Es vereint die geistreiche Eleganz der französischen Neoklassik mit den muskulösen Folklorismen Osteuropas. Als "Teufel in der Musik" stellt das Tritonus-Intervall (die übermäßige Quarte) seine Hörner auf. Zu den funkensprühenden, kaleidoskopischen Ecksätzen kontrastiert ein sehnsuchtsvolles Adagio.