Ludwig van Beethoven - Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21

Ludwig van Beethoven - Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21

Von Clemens Matuschek

  • Teil des Beethoven-Zyklus 2017/2018 unter Jukka-Pekka Saraste
  • Das WDR Sinfonieorchester in der Kölner Philharmonie am 17.11.2017
  • Einführung in die Sinfonie Nr. 1 C-Dur

Das muss man sich erst einmal trauen – so anzufangen! Mit einem dissonanten Akkord beginnt Ludwig van Beethoven seine erste Sinfonie. Selten ist in der Musikgeschichte so unüberhörbar ein neues Kapitel aufgeschlagen worden wie an diesem 2. April 1800, als Beethoven das Werk im Wiener Burgtheater vorstellte. Ob seine Zeitgenossen das spürten?

Portrait Ludwig van Beethoven von Joseph Teycek aus dem Jahr 1841

Beethoven-Portrait von Joseph Teycek aus dem Jahr 1841

Bisher kannte das Publikum Beethoven vor allem als begnadeten Pianisten. Nun wagte er sich, durch seine ersten beiden Klavierkonzerte im zweckmäßigen Einsatz der Orchesterinstrumente geschult, an die Königsdisziplin. In Länge, Besetzung und Stil erinnert diese Sinfonie noch an Haydn und Mozart. Dennoch demonstriert Beethoven hier bereits seinen sehr individuellen Umgang mit musikalischen Elementen wie Motivik und Form. Nach dem Überraschungsmoment mit dem spannungsgeladenen Dominantseptakkord – der weitergeführt, aufgelöst sein will – führt die langsame Einleitung die Hörerin und den Hörer weniger ins Stück hinein als vielmehr aufs Glatteis: Durch Trugschlüsse, Vorhalte und chromatische Verschiebungen verschleiert Beethoven die eigentliche Grundtonart. Umso energischer wirkt das Hauptthema, das mit einer federnden Punktierung vorwärtsdrängt. Ihm gegenüber steht ein ruhiges Seitenthema, das auf ähnlichen musikalischen Bausteinen basiert – eine Verzahnung, wie sie für Beethoven typisch ist.

Mit leisen Pauken und Trompeten

Ein delikates Solo der zweiten Geigen eröffnet den langsamen Satz, der an ein höfisches Menuett erinnert. Beethoven beweist Originalität, indem er Pauken und Trompeten im Pianissimo als dezente Begleitung einsetzt. Der dritte Satz ist dann zwar mit "Menuetto" überschrieben, ist in seinem schnellen ganztaktigen Pulsieren jedoch unzweifelhaft ein Scherzo.

Vorboten der Revolution

Für den vierten Satz hält Beethoven eine ähnliche Pointe bereit wie für den Beginn der Sinfonie und spannt sein Publikum mit einer langsamen Einleitung auf die Folter. In mehreren zaghaften Anläufen erklimmen die Violinen Ton für Ton eine Tonleiter, die sich als Auftakt zu einem gut gelaunten Finalthema entpuppt. So zeichnen sich unter der vermeintlich konventionellen Oberfläche bereits jene Entwicklungen ab, die die Gattung Sinfonie revolutionieren und Ludwig van Beethoven seine einzigartige Stellung in der Musikgeschichte sichern sollten.

Stand: 09.03.2018, 12:03