Ein Sommernachtstraum mit Edward Gardner - Video

Ein Sommernachtstraum mit Edward Gardner - Video

  • Mendelssohn Bartholdy, Britten und Lutosławski
  • Christina Landshamer (Sopran) und Edward Gardner (Dirigent)
  • FR 21. September 2018, Kölner Philharmonie, 20.00 Uhr

Der Liederzyklus "Les Illuminations" nach Gedichten von Arthur Rimbaud war das erste Werk, das Benjamin Britten 1939 im amerikanischen Exil vollendete – eine Musik, in der sich französischer Esprit mit der luftig aufgefächerten Textur der britischen Streichorchester-Tradition verbindet.

Den Solopart singt die aus München stammende Sopranistin Christina Landshamer, die auf den internationalen Opernbühnen und Konzertpodien gleichermaßen zu Hause ist. Edward Gardner, Chefdirigent des traditionsreichen Bergen Philharmonic Orchestra, flankiert bei seinem Debüt mit schillernden Orchesterbildern der deutschen Romantik und der polnischen Moderne.

Felix Mendelssohn Bartholdy
Suite aus der Musik zu Shakespeares Schauspiel
"Ein Sommernachtstraum" op. 61

Benjamin Britten
Les Illuminations
für hohe Stimme und Streichorchester op. 18

Witold Lutosławski
Konzert für Orchester

19.00 Uhr Konzerteinführung mit Walter Liedtke

Mitwirkende:

  • Christina Landshamer Sopran
  • WDR Sinfonieorchester
  • Edward Gardner Leitung

Felix Mendelssohn Bartholdy - Suite aus "Ein Sommernachtstraum", op. 61

Mit nur 17 Jahren gelingt Felix Mendelssohn Bartholdy mit seiner "Sommernachtstraum"-Ouvertüre ein Geniestreich. In nur wenigen Jahren erobert sie die Welt und gilt seither als perfekte musikalische Entsprechung zu Shakespeares Verwechslungskomödie. 17 Jahre später ergänzt er die Ouvertüre Durch Lieder, Chornummern und Intermezzi zur vollständigen Schauspielmusik. Und auch die wird ein großer Erfolg: Der weltberühmte "Hochzeitsmarsch" ist eines der absoluten Highlights der klassischen Musik – auch ohne den Elfenkönig Oberon, die Feenkönigin Titania, Puck und all die anderen geheimnisvollen Märchenwesen.

Der Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy

Felix Mendelssohn-Bartholdy

Franz Liszt lobte den "Regenbogenduft" und den "Perlmuttschimmer" der Musik. Die Textgrundlage von William Shakespeare und die Musik von Mendelssohn gehen eine besondere Symbiose ein. Doch was bezauberte den jungen Komponisten an dieser Geschichte, die immerhin über 200 Jahre vor seiner Geburt entstanden ist? Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es überhaupt eine veritable Shakespeare-Übersetzung, und zwar die von August Wilhelm Schlegel. Nicht nur Felix, auch seine Geschwister begeisterten sich für den "Sommernachtstraum", da hier wie in kaum einer anderen Dichtung das Ideal der Romantik zum Ausdruck kommt – mit seiner zauberhaften Welt zwischen Nacht und Wald. Der märchenhafte Stoff übte auf die Kinder der Familie Mendelssohn eine ganz eigene Faszination aus. Im Gartenhaus der Familie verbanden sich Natur und Poesie in Form von Spielen, Verkleidungen und kleinen Aufführungen, mit der die jungen Leute ihrer Phantasie freien Lauf lassen konnten. Die Unbeschwertheit jener Zeit ist der Musik anzuhören.

Der Auftrag für die Schauspielmusik kam vom König Wilhelm IV. von Preußen. Er hatte bei Mendelssohn eine ganze Serie von Schauspielmusiken geordert, die im Schlosstheater des Neuen Palais in Potsdam aufgeführt werden sollten. Neben dem festlich-pompösen "Hochzeitsmarsch" zählen auch die beiden Nachtstücke, nämlich das treibende Intermezzo und das ruhige Notturno mit seinem von Hörnern und Fagott gespielten Waldesklang (zu dieser Musik fallen die Elfenkönigin und ihr Geliebter, der in einen Esel verwandelte Tischler Zettel in den Schlaf), zu den bekanntesten Sätzen des "Sommernachtstraums".Mit der Ouvertüre war dem 17-jähigen Mendelssohn ein Geniestreich gelungen. 16 Jahre später knüpft er mit dem Auftrag für die Bühnenmusik zu Shakespeares Theaterstück scheinbar nahtlos an den damaligen Erfolg an und fängt die unvergleichbare Atmosphäre der Ouvertüre in den zusätzlich komponierten Liedern, Zwischenspielen und verschiedenen anderen kleinen Nummern auf.

Benjamin Britten - Illuminations für hohe Stimme und Streichorchester op. 18

Für seinen Liederzyklus "Les Illuminations" op. 18 wählte der junge Benjamin Britten zehn Gedichte von Arthur Rimbaud aus. Die 1886 veröffentlichten Texte sind weniger inhaltlich, erzählerisch aufgebaut, vielmehr stellt der Dichter eine klangsinnliche Wortmalerei in den Vordergrund. Damit waren sie wie geschaffen für Brittens ebenso expressive wie sensible Vertonung für Singstimme und Streichorchester.

Britten komponierte diesen dritten Liederzyklus aus seiner Feder in einer Zeit des Umbruchs. 1939 verließ er seine englische Heimat, um in den USA neue Impulse zu bekommen. Rimbauds fast unübersetzbare Texte inspirierten den Komponisten zu einer expressionistischen Herangehensweise. Weitestgehend beschreiben die Gedichte Szenen des modernen Großstadtlebens, einige beschwören surrealistische, mitunter erotische Traumbilder herauf. Da gibt es die berauschenden und gewaltigen Paläste aus Kristall und Metall, Feenköniginnen und Bacchantinnen aus der Vorstadt.

Benjamin Britten

Benjamin Britten

Britten wählte nicht unbedingt die auf den ersten Blick künstlerisch wertvollsten Gedichte, sondern diejenigen, die ihn am meisten bewegten und sich gut für eine Vertonung eigneten. Dass er für die Begleitung nur eine Streicherbesetzung wählte, gab ihm die Möglichkeit, einen Großteil der musikalischen Verantwortung in die von ihm so geschätzte Singstimme zu legen. Einen Satz machte er zum Motto des gesamten Zyklus: "J’ai seul la clef de cette parade sauvage" ("Ich allein halte den Schlüssel zu dieser wilden Parade"). Er erklingt dreimal: in der eröffnenden "Fanfare", im "Interlude" und noch einmal am Ende von "Parade". "Villes", so erklärt Britten, sei von Rimaud sicherlich in London geschrieben worden und gibt einen guten Eindruck vom flimmernden wie chaotischen Stadtleben. In "Phrase" werden zwischen Glockentürmen und den Sternen Seile, Girlanden und Ketten gespannt. "Antique" mit seiner lyrischen Melodie hat Britten seinem engen Freund Wulff Scherchen gewidmet; hier tritt der anmutige Sohn des Pan auf. Den Satz "Royauté" beschreibt Britten als "pompös und satirisch". In "Marine" ist die See zu hören – ein Themenkreis, der in Brittens Werken immer wieder von Bedeutung sein sollte. Mit Leidenschaft sollte das orchestrale Zwischenspiel ("Interlude") gespielt werden, wo auch das Motto erscheint, begleitet von Solo-Viola und Solo-Violoncello. Das traumwandlerische "Being beauteous" ist Peter Pears gewidmet. Den Tenor hatte Britten zwei Jahre zuvor kennengelernt. Er wurde nicht nur sein Lebensgefährte, sondern auch einer seiner wichtigsten musikalischen Partner. Zu "Parade" schreibt Britten an Sophie Wyss: "Es wird dir gefallen, weil es ein Bild der Unterwelt zeigt. Es sollte gruselig, böse und schmutzig klingen (Entschuldige!) und wirklich verzweifelt."

Nostalgisch gestaltet sich "Départ". Und auch wenn es nach "Assez vu. [...] Assez eu. [...] Assez connu." ("Genug geschaut. Genug besessen. Genug gekannt.") heißt: "Départ dans l’affection et le bruit neufs" ("Aufbruch zu neuer Zuneigung und neuem Lärm"), endet der Zyklus herzergreifend resignierend.

Witold Lutosławski - Konzert für Orchester

1913 war nicht nur das Jahr einiger spektakulärer Musikskandale, sondern auch das Geburtsjahr zweier bedeutender Komponisten, nämlich von Benjamin Britten und Witold Lutosławski. Neben Frédéric Chopin, Karol Szymanowski und Krzysztof Penderecki zählt Lutosławski zu den bedeutendsten polnischen Komponisten – und das, ohne jemals einer bestimmten "Schule" angehört zu haben. Er fand zwischen all den Strömungen, Moden und Trends der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts seinen ganz eigenen Weg.

Witold Lutosławski

Witold Lutosławski

Mit 15 Jahren erhielt Witold Lutosławski den ersten Kompositionsunterricht und studierte dann von 1932 bis 1937 am Warschauer Konservatorium. 1939 geriet er nach dem Einmarsch der Deutschen kurz in Gefangenschaft, aus der er aber bald fliehen konnte. In den Kriegsjahren schlug er sich als Barpianist und Musiklehrer Durch. Stand seine Kompositionslaufbahn am Anfang noch ganz im Zeichen des Neoklassizismus, fand er in den 1950er Jahren neue Ausdrucksformen. Eines seiner Hauptwerke dieser Zeit ist die zwischen den Jahren 1950 und 1954 entstandene Komposition mit dem schlichten Titel "Konzert für Orchester". Vom Orchester der Nationalen Philharmonie in Warschau in Auftrag gegeben, komponierte Lutosławski ein virtuoses Paradestück mit scharfkantigen Instrumentalfarben, das vertraute musikalische Wendungen überbetont und ironisiert. Eine grundlegende Idee des Konzerts für Orchester findet Witold Lutosławski in der Volksmusik seiner Heimat. Mit Motiven masurischer Weisen knüpft er einerseits an das Vorbild Béla Bartók an, andererseits findet er hier seinen ganz eigenen Zugang zu einer Musik, die auch der stalinistischen Ideologie jener Zeit zu entsprechen hatte.

Die Virtuosität des Stücks liegt nicht in der Hand eines einzelnen Solisten, sondern darin, dass Lutosławski das Klangspektrum des gesamten Orchesters ausweitet und dann wieder zurücknimmt – und damit die dynamische Spannbreite immer wieder ausreizt. Eine Passage des ersten Satzes mit anfangs dramatisch absteigenden Tonfolgen und anschließend stampfender Motorik und insistierenden Ostinati war in den 1970er und 1980er Jahren die markante Titelmusik des "ZDF Magazin". Neoklassizistische Einflüsse, die auch in den Satzbezeichnungen deutlich werden, finden sich im zweiten Satz ("Capriccio notturno e arioso"), der weniger grell und hart klingt, dafür aber eine sensible Klangatmosphäre erzeugt. Kurze motivische Gedanken streben hier einem Höhepunkt zu, der dann wie in der Ferne verklingt. Strenge Ostiantoform, Passacaglia und Choral kombiniert Lutosłaswki im letzten Satz mit seiner grandiosen Schlusswirkung.

1954 wird das Konzert für Orchester mit großem Erfolg in Warschau uraufgeführt. Es ist Witold Lutosławskis letztes Werk, in dem er sich folkloristischer Elemente bediente und auch das letzte, das harmonisch und strukturell die Tradition reflektiert. In seinem späteren Schaffen dominieren erst Reihenkompositionen, später dann Zufallsklänge. Seinen Anspruch, "in der Musik" dürfe es "keine gleichgültigen Klänge geben", löste Lutosławski in diesem Werk auf ganz besondere Weise ein, indem er zwar barocke Formen aufgreift, sie aber mit einer grandiosen Instrumentierung und neuartigen Harmonien in ein vollkommen neues Licht rückt. Auch über 60 Jahre nach seiner Entstehung versprüht das Konzert für Orchester eine beeindruckende Lebendigkeit und Kraft.

Anja Renczikowski

Ein Sommernachtstraum - Livestream, Köln, 21.09.2018

Datum: Freitag, 21.09.2018
Ort: Philharmonie
Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln
Beginn: 20.00 Uhr
Karten:

45 Euro / 36 Euro / 27 Euro / 18 Euro / 16 Euro / 9 Euro. Die angegebenen Ticketpreise verstehen sich inkl. MwSt. Dazu kommen eine Vorverkaufsgebühr sowie eine Servicegebühr von ca. 2 Euro pro Ticket.

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