Ludwig van Beethoven - Trio Es-Dur op. 38

Kammerkonzert 4

Ludwig van Beethoven - Trio Es-Dur op. 38

Von Tilla Clüsserath

  • Trio Chronos: Simon Deffner, Andreas Langenbuch und Gottlieb Wallisch
  • Funkhaus Wallrafplatz 10. März 2019
  • Einführung in Beethovens Trio in Es-Dur

"Ich weiss, das macht mir so leicht nicht ein anderer nach", schrieb der junge Beethoven 1802 selbstbewusst an seinen Verleger. Und zielte damit auf die Bearbeitungen, die er selbst an seinen Werken vornahm. Denn die Arrangements anderer, von den Verlagen eingesetzter Bearbeiter, fielen meist nicht zu seiner Zufriedenheit aus. Interessanterweise bearbeitete Beethoven viele Werke für kleinere Besetzungen um. Ein Grund dafür mag die Idee fortgesetzter Vermarktung seiner Musik gewesen sein, um den Publikumskreis zu erweitern.

Beethoven komponierte sein Septett op. 20 in der Besetzung für Violine, Viola, Klarinette, Horn, Fagott, Violoncello und Kontrabaß zwischen 1799 und 1800. Der breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde das Septett am 2. April 1800 im Wiener National-Hoftheater. Beethoven gab dort eine große musikalische Akademie, auf der er sich als Pianist und Komponist u.a. mit seiner 1. Sinfonie und dem 2. Klavierkonzert präsentierte. Auf die darauf folgenden Anfragen beim Verlag nach leichter spielbaren Arrangements reagierte Beethoven mit einer Bearbeitung des Septetts für Klaviertrio (wahlweise aufführbar mit Violine oder Klarinette). 1805 annoncierte der Verlag das Werk als "Grand Trio" op. 38. "Das Ganze gehet hervor wie ein Original, und fast so gut als auf den sieben Instrumenten", lobte die zeitgenössische Kritik.

Der leicht verständliche melodische Stil, die geradtaktigen Themen und der auf Transparenz und Fasslichkeit setzende Ensembleklang des Trios rühren von der Serenaden- und Divertimento-Tradition des Septetts her. Ebenso die Vielzahl der Sätze, die u.a. mit Sonatenhauptsatz (1. Satz), Menuett (3. Satz), Tema con variazioni (4. Satz) und Scherzo (5. Satz) die stilistische Bandbreite unterhaltsamer Ensemblemusik aufweisen. Im Menuett zitiert Beethoven Bekanntes: Dort greift er auf das Thema seiner Klaviersonate op. 49,2 zurück. Das Thema des Variationssatzes wiederum ist nicht Beethovens eigene Erfindung, sondern nach Angabe von Carl Czerny ein niederrheinisches Volkslied ("Ach Schiffer, lieber Schiffer"). Die volkstümliche Weise durchläuft fünf fantasievolle Variationen im intensiven Austausch zwischen Klarinette, Cello und Klavier.