70 Jahre Chor-Geschichte - der WDR Rundfunkchor hat Geburtstag

70 Jahre Chor-Geschichte - der WDR Rundfunkchor hat Geburtstag

Opern, Neue Musik oder Internet-Hits - in 70 Jahren hat der WDR Rundfunkchor vieles gesungen, viele bemerkenswerte Konzerte, Radioaufnahmen und Videos produziert. Ein riesiges Repertoire mit sehr unterschiedlicher Musik - aber immer spannend.

Seit 70 Jahren unterhält der WDR Rundfunkchor seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit erstklassigem Gesang. Obwohl: Eigentlich begann sein Geschichte sogar schon vor 90 Jahren. 1927 wurde bei der Westdeutschen Rundfunk AG (WERAG) der "Kammerchor des Kölner Senders" gegründet. Chordirektor dieses Ensembles war Bernhard Zimmermann. Nach der Auflösung des Kammerchores 1941/42 bestellte man ihn nach dem Krieg auch wieder zum Leiter des "Kölner Rundfunkchores", der 1947 im Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) gegründet und 1999 in "WDR Rundfunkchor" umbenannt wurde.

Nach dem Krieg: Opern und Neue Musik

Kölner Rundfunkchor im WDR Funkhaus

"Kölner Rundfunkchor" Ende der 50er Jahre

Eine wesentliche Aufgabe des Kölner Rundfunkchores ergab sich aus den Folgen des Krieges: Für die zerstörten Opernhäuser sprang der WDR in die Bresche, indem er in den ersten zehn Jahren etwa alle zwei Wochen eine Oper ausstrahlte – gesungen und gespielt live vor dem Mikrofon. Die noch wesentlichere Aufgabe erwuchs aus dem Nachholbedarf: Durch die rigorose Zensur der Nationalsozialisten waren zentrale Werke der Neuen Musik in Deutschland völlig unbekannt. Dem Rundfunkauftrag gemäß hat der Kölner Rundfunkchor, oft gemeinsam mit dem WDR Sinfonieorchester, schon von Anfang an viel zeitgenössische Musik gesungen. Auch dadurch erwarb sich dieses Ensemble das bis heute ungebrochene internationale Renommee. Dank der zahllosen Kompositionsaufträge, die der WDR ab den 1950er Jahren vergeben hat, sind unzählige bedeutende Uraufführungen mit dem WDR Rundfunkchor verbunden, so etwa von Luigi Nono, Pierre Boulez, Arnold Schönberg, Karlheinz Stockhausen, Hans Werner Henze, Mauricio Kagel, Peter Eötvös und Adriana Hölszky.

Auf der anderen Seite war der WDR Rundfunkchor seit jeher auch für unterhaltende Musik zuständig. In Operetten, Spielopern, Singspielen und Musicals war und ist er der Partner des WDR Funkhausorchesters. Unter den Chordirektoren Herbert Schernus (1962–1989), Helmuth Froschauer (1992–1998) und Anton Marik (2001–2004) fiel der Hauptanteil der Chor-Tätigkeit auf die gemeinsamen Konzerte mit dem WDR Sinfonieorchester und dem WDR Funkhausorchester sowie eigene Aufführungen mit zeitgenössischer Musik. Die verbleibende Zeit wurde genutzt, um andere Programme zu produzieren – romantische Chorsätze, geistliche Musik und weniger Beachtetes aus allen Epochen. Chefdirigent Rupert Huber präsentierte in seiner Amtszeit (2004–2011) eigene, sehr profilierte Konzertreihen, darunter den siebenteiligen Zyklus "Brahms und …".

Im 21. Jahrhundert angekommen

Stefan Parkman

Stefan Parkman

International auf höchstem Niveau agierend, zugleich regional zugewandt. Der WDR Rundfunkchor unter seinem jetzigen Chefdirigenten Stefan Parkman ist längst im 21. Jahrhundert angekommen und hat sein Aufgabenspektrum breitenwirksam angelegt. So etwa mit der offenen Reihe "Be happy – Sing mit!", in der das Publikum im WDR Funkhaus spontan und ohne Anmeldung mitsingen kann. Auch die "Flashmob-Videos" mit Weihnachtsliedern sind ein großer Erfolg. Das Video aus dem Kölner Hauptbahnhof hatte in den sozialen Medien im Advent 2017 innerhalb von einer Woche mehr als eine Million Abrufe.

Der WDR Rundfunkchor "zum Anfassen" – das liegt Chefdirigent Stefan Parkman besonders am Herzen. Und natürlich die Qualität: Einen strahlend warmer, ebenso präziser wie dynamischer Chorklang, das zeichnet den WDR Rundfunkchor aus - auch nach 70 Jahren.