Der WDR trauert um Ehrendirigent Helmuth Froschauer

Helmuth Froschauer

Der WDR trauert um Ehrendirigent Helmuth Froschauer

  • Chorleiter und WDR-Ehrendirigent Froschauer gestorben
  • Viele Jahre für den WDR aktiv
  • Legendärer Chorkapellmeister der Wiener Sängerknaben

Der bekannte österreichische Dirigent und Chorleiter Helmuth Froschauer ist tot. Das bestätigte seine Familie am Sonntag (18.08.2019). Froschauer starb im Alter von 85 Jahren.

Er galt als legendärer Chorkapellmeister der Wiener Sängerknaben, des Wiener Staatsopernchores und Singvereins sowie der Salzburger und Bregenzer Festspiele. In Wien leitete er zudem viele Jahre die sonntäglichen Messen in der Hofburgkapelle. Froschauer war auch ein enger Mitarbeiter des legendären Herbert von Karajan.

Der gebürtige Wiener war dem WDR bereits seit 1992 verbunden. Er arbeitete von 1992 bis 1998 als Chefdirigent des WDR Rundfunkchores und übernahm ab der Saison 1997/1998 bis 2003 das Amt des Chefdirigenten des WDR Funkhausorchesters, dessen Ehrendirigent er später wurde. 2006 wurde Froschauer für seine Einspielung der Offenbach-Operette Coscoletto mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Nachruf auf den Chorleiter und Dirigenten Helmuth Froschauer

WDR 3 Mosaik 19.08.2019 05:14 Min. Verfügbar bis 18.08.2020 WDR 3

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Erlebte Geschichten: Helmut Froschauer (26.12.2003)

Verfügbar bis 30.12.2099

WDR Funkhausorchester: 70 Jahre Musik, Musik, Musik

Ganz selbstverständlich bringt das WDR Funkhausorchester seit 70 Jahren große Kunst und Unterhaltung zusammen. Dabei war es am Anfang sogar schwierig, auch nur einen Proberaum zu finden - ein Rückblick.

Leo Eysoldt

1924 geschah ein technisches Wunder. Über Funk konnte man auf einmal nicht nur Worte, sondern auch Musik empfangen. Im Schatten des Doms wurde vier Jahre später der "Reichssender Köln" gegründet - der Vorläufer des Westdeutschen Rundfunks, WDR.

1924 geschah ein technisches Wunder. Über Funk konnte man auf einmal nicht nur Worte, sondern auch Musik empfangen. Im Schatten des Doms wurde vier Jahre später der "Reichssender Köln" gegründet - der Vorläufer des Westdeutschen Rundfunks, WDR.

Musik sei für das Rundfunkprogramm unumgänglich - so Ernst Hardt, der erste Intendant des Senders. In der Anfangszeit des Radios war das noch keine selbstverständliche Erkenntnis. Im Café "Germania" fand er das Tanzorchester von Leo Eysoldt und engagierte es für den Reichssender Köln.

Bis 1942 war Leo Eysoldt dem Reichssender fest verbunden und bei den Hörern beliebt. Aber wegen des Krieges konnten sie kaum noch produzieren und Eysoldt wurde nach Nürnberg versetzt. Sein "Kleines Orchester" löste sich auf.

Dass der Kölner Dom von den Bomben verschont blieb, war für viele Kölner ein Wunder, war doch fast die Hälfte aller Gebäude zerstört. Auch die Dagobertstraße als Sendezentrum des Reichssenders war stark beschädigt. Doch schon ein Jahr nach Kriegsende wurde wieder gesendet.

Der große Sendesaal an der Dagobertstraße vor der Zerstörung. Nach dem Krieg war auch bei der "musikalischen Unterhaltung" Improvisation angesagt, denn die Musiker der Vorkriegszeit waren in alle Windrichtungen verstreut. Die Tanzkapelle Otto Gerdes bereicherte den WDR-Hörfunk und gab sich den Namen "Kölner Rundfunk-Tanzorchester". Die "Gage" für die Musiker: Zigaretten.

Am 1. September 1947 wird das WDR Funkhausorchester gegründet. Der erste Dirigent heißt Hermann Hagestedt - kein Unbekannter in Köln. Doch weil der Sendesaal in der Dagobertstraße zerstört war, mangelte es 1947 an Proberäumen. Man fand Behelfs-Aufnahmestudios an recht ungewöhnlichen Orten, wie beispielsweise den Gemeindesaal von St. Agnes in der nördlichen Neustadt oder den Saal des "Niehler Ballhauses", einer Gaststätte am nördlichen Stadtrand.

Außergewöhnliche Arbeits-Bedingungen hatten auch die Musiker. Sie spielten in Räumen deren Bandbreite der Temperatur von Eiskeller bis Sauna reichte. Vor allem montags konnte es passieren, dass die Musiker mit klammen Fingern die Instrumente bedienten, weil der Wirt die vom Sender gelieferte Kohle bereits am Wochenende fürs Tanzvergnügen verfeuert hatte. Doch es gab Hoffnung: Ein neues Funkhaus wurde am Wallrafplatz geplant und gebaut.

Hermann Hagestedts Kollege Franz Marszalek profilierte sich seit 1949 in der leichten Muse und besaß den Ruf  "der Operette den Staub aus den Noten zu pusten". Er produzierte für den WDR an die 70 Operetten. Auch für das Fernsehen betreute Marszalek die Musikaufnahmen etlicher Operettenproduktionen, darunter  Einspielungen mit Fritz Wunderlich.

Der Große Sendesaal des WDR-Funkhauses wird 1950 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Bei der Eröffnungsfeier lobte Bundespräsident Theodor Heuss das Gebäude und verwies darauf, dass "der Schall und sein Gesetz" sein eigentlicher Bauherr gewesen seien.

Der Große Sendesaal gilt als akustische Sensation. Architekt Peter Friedrich Schneider hatte in der Innenstadt nur begrenzten Platz und die unmittelbare Nähe zum Dom bedeutete "Lärmbelästigung" durch Glockengeläut.

Der Saal ist heute benannt nach dem ehemaligen Intendanten Klaus von Bismarck. Ausgestattet ist er seit damals mit der jeweils neusten Technik und dient dem Funkhausorchester als Probensaal. Es entstehen hier nach wie vor jedes Jahr zahlreiche Aufnahmen für Radio- und Fernsehprojekte und natürlich auch zahllose Live-Konzerte.

21 Jahre war Dirigent Curt Cremer der Chef und stolz auf seine Musikerinnen und Musiker: "Dieses Orchester, ist das einzige seiner Art in der Bundesrepublik". Als Nachfolger von Hermann Hagestedt leitete er es von 1968 bis 1989. Zu seinen Entdeckungen zählte auch der Tenor René Kollo.

Sein Nachfolger als Chefdirigent des "WDR Rundfunkorchesters", wie es damals hieß, wurde Helmuth Froschauer 1997. Er leitete das Orchester bis 2003 und ist bis heute sein "Ehrendirigent". Seine Produktionen zeichnen sich durch eine große Bandbreite aus: unbekannte Oratorien des 19. Jahrhunderts, Spieloper, Wiener Tanzmusik und natürlich Operette.

Ob alt oder jung, immer wieder begeistert das WDR Funkhausorchester mit spannenden Crossover-Projekten: mit dem Kinderprojekt "Kelebek im Konzert" (Radiopreis 2014), mit dem Vivaldi Experiment und Rapper MoTrip (im Bild), mit Stummfilmmusiken oder Live-Hörspielen wie "Paul Temple" mit Bastian Pastewka.

2003 wurde Michail Jurowski Leiter des Orchesters und 2010 folgte ihm der schwedische Dirigent Niklas Willén. Der britische Dirigent, Organist und Pianist Wayne Marshall ist seit 2014 Chefdirigent. Er hat schon mit ganz unterschiedlichen Orchestern in Europa und den USA gearbeitet. Sein 70 Jahre junges Funkhausorchester begeistert ihn nach wie vor immer wieder: " Jede einzelne Musikerin und jeder Musiker des Orchesters setzt sich von ganzem Herzen für die Musik ein".

Studium an Klavier, Horn, Komposition und Dirigieren

Seine musikalische Ausbildung erhielt Froschauer unter anderem bei den Wiener Sängerknaben und im Studium an der Wiener Musikakademie in den Fächern Klavier, Horn, Komposition und Dirigieren (bei Prof. Swarowsky).

Von 1953 bis 1965 leitete er die Wiener Sängerknaben. Als Kapellmeister führte er dieses Ensemble auf Tourneen durch die ganze Welt. Parallel dazu betreute er Anfang der 1960er Jahre als musikalischer Leiter der "Walt Disney Productions" in Wien mehrere Musikfilme mit den Wiener Symphonikern.

Das WDR Funkhausorchester - Überraschend Siebzig! Teil 1/2 Funkhausorchester Video 18.11.2017 01:10:32 Std. Verfügbar bis 18.11.2022 WDR 3

Das WDR Funkhausorchester - Überraschend Siebzig! Teil 2/2 Funkhausorchester Video 18.11.2017 01:03:59 Std. Verfügbar bis 18.11.2022 WDR 3