Nachkriegsradio: Operette ist König

Frank Marszalek dirigiert das WDR Rundfunkorchester

Die Geschichte des WDR Funkhausorchesters - Teil 5

Nachkriegsradio: Operette ist König

Mit "No No Nanette" spielte Franz Marszalek die erste komplett erhaltene Operettenaufnahme des Funkhausorchesters ein. Sprechszenen wechseln sich darin mit Songs ab. Der bekannteste Song des Werks ist "Tea for Two".

Es fällt ein bisschen schwer, "No, no, Nanette" in eine musikalische Gattung einzuordnen. Ist es eine Operette oder doch ein Musical? Auf dem Plakat der Uraufführung von 1925 steht Musical Comedy und deutet auf eine musikalische Komödie, die ihren Ursprung im Schauspiel hat. Aber klingt  "No, no, Nanette" nicht doch ganz eindeutig wie ein Musical?

Franz Marszalek

Das "wandelnde Operettenlexikon" Franz Marszalek

Die Gattungsbezeichungen in den zwanziger Jahren sind vielfältig - nicht nur in Deutschland. So war der Begriff Musical Comedy und auch Musical Play für eine Operette durchaus üblich. Tatsächlich setzt sich der Begriff des Musicals jedoch erst 1927 mit "Show Boat" von Jerome Kern richtig durch. Doch vergleicht man "No, no, Nanette" mit heutigen populären Musicals wie "Les Miserables" oder dem "Phantom der Oper" ist dieses Werk durchaus eine Operette. Immerhin wurde es 1925 auch im Berliner Metropoltheater gespielt und das ist Beweis genug, oder?

Die Musik von Vincent Youmans ist gegenwärtig kaum noch präsent, bis auf  zwei  Songs - "I want to be happy" und "Tea for Two". Beide stammen aus "No, no, Nanette" und wurden zu Jazzstandards. Besonders beliebt war "Tea for Two", das durch die Instrumentierung von Dimitri Schostakowitsch unter dem Titel "Tahiti Trott" op. 16 zum Evergreen wurde.

Besondere Aufnahmen für das Radio

Die komplett erhaltene WDR-Aufnahme von "No, no, Nanette" aus dem Jahr 1949 unter Franz Marszalek ist etwas Besonders, denn es reihen sich nicht einfach die Songs aneinander, nein, durch diese Radio-Version führen charmant plaudernd, zum Teil auch ironisierend, zwei Erzähler: Kurt Feltz und Werner Hörer. Feltz, Leiter der Hauptabteilung Musikalische Unterhaltung  bearbeitete zahlreiche Operetten für den Rundfunk und führte sie gemeinsam mit Franz Marszalek auf.

Kurt Feltz (li.) während der Schallplattenaufnahme in einem Tonstudio 1953

Kurt Feltz (li.) in einem Tonstudio 1953

Der Plot von "No, no, Nanette" lässt sich knapp zusammenfassen: Jimmy Smith, durch sein Bibel-Verlagsgeschäft zum Millionär geworden, lebt mit seiner Frau Sue in New York. In diesem perfekt puritanischen Haushalt lebt ihr lebensfrohes Mündel Nanette, die zu einem anständigen und gottesfürchtigen Wesen erzogen werden soll. Doch Nanette ist kein Kind mehr und trifft heimlich Tom Trainor, den Neffen des befreundeten Ehepaars Early. Auch Jimmy hat Geheimnisse. Aus dieser Ausgangssituation entwickeln sich natürlich einige turbulente Verwicklungen, wobei sich zum Schluss für alle Beteiligten ein glückliches Ende findet.

Im Schaffen von Franz Marszalek ist "No, no, Nanette" die Ausnahme von der Regel geblieben, denn weitere Aufnahmen von amerikanischen oder englischen Musicals findet man in seinem Werkkatalog nicht. Er setzt Akzente im Bereich der Wiener und Berliner Operette sowie der gehobenen Unterhaltungsmusik. Seine Einspielungen sind legendär und die Künstler hochkarätig. Ob er das Musical ablehnte? Vielleicht liegt etwas Wahres in der Anekdote, die über die Sängerin Herta Talmar überlieferte ist. Als sie Franz Marszalek erzählte, sie würde in "My Fair Lady" singen, soll er zur Antwort gegeben haben: "Müssen Sie sowas machen?"

Stand: 25.08.2017, 16:06

November 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30

Ergebnis für ausgewählten Monat anzeigen