Die Anfänge: Wurzeln im Caféhaus

Leo Eysoldt

Die Geschichte des WDR Funkhausorchesters - Teil 1

Die Anfänge: Wurzeln im Caféhaus

Beste Unterhaltung im Café "Germania": Gerade für die Freitagstermine machten sich die Kölner besonders ausgehfertig. Das kleine Schwarze und der Sonntagsstaat durften nicht fehlen. Zudem wurde das Orchester auch noch um vier Musiker ergänzt.

Man gönnte sich eine Tasse Mokka für 50 Pfennig und lauschte der Musik, die am Freitag nicht einmal durch das Servieren gestört werden durfte. An das übliche Radio, das im Hintergrund in so manchen heutigen Cafés vor sich hindudelt, war damals zuerst noch gar nicht zu denken.

1924 dann übernahm Leo Eysoldt das Dirigat des Orchesters im "Germania" und gleichzeitig geschah ein kleines Wunder. Über Funk und Wellen konnte man auf einmal nicht nur Worte sondern auch Musik genießen. Dabei waren die Kölner ein wenig im Hintertreffen, denn die Berliner gelangten schon 1923 in den Genuss des neuen Mediums. Rasch wurde mit neuen Formen experimentiert, im Schatten des Domes siedelte sich dann vier Jahre später der heutige Westdeutsche Rundfunk an.

Dass die ersten Jahre ein Dichter und Theatermann die Politik des damaligen Kölner Reichssenders prägte, war gar nicht so ungewöhnlich für die Pionierzeit. Man hatte noch nicht so viel Erfahrung mit dem neuen Medium und man wagte viele Experimente. Ernst Hardt hieß also der erste Intendant und er bestand darauf: Musik sei für das Rundfunkprogramm unumgänglich und nicht nur Klassik sondern auch Unterhaltungsmusik sollte man den Hörern zu Hause kredenzen.

Vorbild Berlin

Bild von Ernst Hardt

Experimentierfreudiger Intendant: Ernst Hardt

Dabei sah er neidisch nach Berlin. Nicht nur, dass die Berliner schon eine ganze Operette übertragen hatten, nein: Für die "Radio-Stunde" hatte man dort ein Orchester aus 15 Musikern zusammengestellt. Ein Ensemble, das nur für den Sender arbeitete. So etwas, überlegte Hardt laut, würde auch dem Reichssender gut zu Gesicht stehen. Nur: Woher nehmen und nicht stehlen?

Vielleicht würde man ja bei einem der Tanzorchester fündig, die schon existierten?

Es könnte an einem Freitag gewesen sein, dass Ernst Hardt sich - eventuell im Frack und besten Schuhen - ins Kaffee "Germania" begab und höchstpersönlich in Ohrenschein nahm, was das Orchester dort zu bieten hatte. Hellauf begeistert suchte er vermutlich dann direkt im Anschluss das Gespräch mit Leo Eysoldt, engagierte ihn sozusagen vom Fleck weg.

Die Grundlage des WDR Funkhausorchesters

Sein "Kleines Orchester" genanntes Ensemble wuchs nach und nach von 12 Musikern auf insgesamt 19 an. Der Reichssender konnte sich damit rühmen, die größte Unterhaltungs- und Tanzkapelle der deutschen Rundfunkanstalten zu besitzen. Die Grundlage für das heutige WDR Funkhausorchester war damit gelegt. Drei- bis viermal täglich stand Leo Eysoldt mit seiner Kapelle vor dem Mikrofon, komponierte unter anderem Musik für das neue Genre des Hörspiels.

Leo Eysoldt

Bei den Hörern beliebt: Dirigent Leo Eysoldt

Bis 1942 war Leo Eysoldt dem Reichssender fest verbunden und bei den Hörern beliebt. Da allerdings wegen des Krieges kaum noch Eigenproduktionen hergestellt wurden, wurde Eysoldt ohne sein Orchester zum Bayerischen Rundfunk versetzt. Der Kapellmeister für das Studio Nürnberg kehrte nie mehr nach Köln zurück und starb im Jahr 1977. Sein "Kleines Orchester" löste sich auf, die Musiker wurden in alle Winde verstreut und fürs Erste schien es keine Zukunft für ein weiteres Orchester oder den Rundfunk generell zu geben. Doch eher als man vermutete, sollte der Sender in einigen Jahren wieder senden...

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