Frances Pappas

Der Geschmack von Salz, Meer und Musik

Frances Pappas im Gespräch mit Luzie Teufel

Die griechisch-kanadische Sängerin Frances Pappas feiert Erfolge mit klassischem Opern- und Konzertrepertoire und widmet sich darüber hinaus der griechischen Volksmusik. Im Interview mit Luzie Teufel erzählt sie warum.

Welche Verbindung haben Sie zu Griechenland?

Meine Eltern sind Griechen und während des Bürgerkriegs in den 1950er-Jahren nach Kanada ausgewandert, dort bin ich geboren. Wir waren zwar selten in Griechenland, doch die griechische Kultur und Sprache waren immer sehr präsent in unserem Leben. Wenn ich heute in Griechenland bin, genieße ich die Hitze, die Salzluft und ganz besonders das Meer. Auch den Geschmack vom Essen – und natürlich die Musik!

Was fasziniert Sie an der griechischen Musik?

Die Volksmusik und die Kunstlieder beeindrucken mich sehr. Sie haben eine unerklärliche Anziehungskraft auf mich. Und sie waren der Grund, weshalb ich angefangen habe zu singen. In meiner Jugendzeit war Kanada ein sehr unpolitisches Land, im Großen und Ganzen war alles in Ordnung. In Griechenland war das anders: Politik war voller Leidenschaft und fand auch Eingang in die Musik. Das hat mich gefesselt. Der griechische Komponist Mikis Theodorakis hat mir mit seinen Liedern gezeigt, dass Musik nicht nur schön ist, sondern auch eine Bedeutung hat und etwas bewirken kann.

Welche Rolle spielt Mikis Theodorakis in der griechischen Musikszene?

Er hat die griechische Volksmusik erneuert, was sehr wichtig für Griechenland war. Das Neue war, dass er bedeutende Poesie für seine Lieder verwendete. Dazu schrieb er einfache Melodien, die von allen gesungen werden konnten. So hat er die Poesie sehr leicht zugänglich gemacht. Denn die Lieder gehen zu Herzen, und dadurch verinnerlicht man die Worte.

Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Mikis Theodorakis?

Als ich klein war, habe ich seine Musik gehört und geträumt, dass ich irgendwann für ihn singe. Kennengelernt habe ich ihn im Juni 2018 in Salzburg bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde. Im Dezember fuhr ich dann mit dem Pianisten und Theodorakis-Spezialisten Gerhard Folkerts nach Griechenland. Wir besuchten Theodorakis zu Hause in Athen und arbeiteten mit ihm an drei seiner Opern-Arien. Er hat uns seine Gedanken zu den Stücken erzählt und erläutert, was wichtig für ihn ist. Für mich war das so ein Moment, wo ich dachte: Wow, du bist erwachsen geworden. Und so ist mein Traum in Erfüllung gegangen.

Worauf im Konzert freuen Sie sich besonders?

Ich werde das griechische Lied "Tsivaeri mou" singen. Normalerweise wird es von einem Instrument begleitet oder zweien. Und heute Abend von einem ganzen Orchester – das wird sehr spannend! Das Lied ist mir sehr nahe, weil mein Großvater es immer gesungen hat. Es ist das Klagelied einer Mutter, die ein fremdes Land beschimpft, weil es ihr das Kind weggenommen hat. Jedoch hat sie es selbst dorthin gegeben, damit es dort ein besseres Leben hat. Und obwohl sie so traurig ist, sagt sie, dass sich jetzt dieses Land über ihr Kind freuen wird.
Das Lied beschreibt also das Schicksal von vielen Menschen, die ihre Länder verlassen oder verlassen müssen, es beschreibt Migration. Und auch die Geschichte meiner Familie: Mein Großvater ist damals aus der Türkei nach Griechenland geflüchtet, meine Eltern sind nach Kanada ausgewandert. Ich hoffe, dass wir diesen emotionalen Moment der Stille und die Intimität des Liedes erzeugen können und das Publikum das spürt.