Düsseldorfer OB Elbers abgestraft - Geisel gewinnt

OB Stichwahl Düsseldorf

Reportage zur Düsseldorfer Stichwahl

Düsseldorfer OB Elbers abgestraft - Geisel gewinnt

Von Martin Teigeler

Sensation in Düsseldorf: CDU-Oberbürgermeister Dirk Elbers hat bei der Stichwahl überraschend schlecht abgeschnitten. Der Sozialdemokrat Thomas Geisel ließ sich im Rathaus als neuer OB feiern. Elbers muss zudem einen kleinen Seitenhieb aus der Ruhrgebiets-CDU hinnehmen.

Es ist 18.52 Uhr, als im Düsseldorfer Rathaus eine politische Ära endet - und vielleicht eine neue Ära startet. SPD-Oberbürgermeisterkandidat Thomas Geisel betritt mit seiner Familie das Gebäude in der Altstadt. Zahlreiche Anhänger jubeln ihm zu. "Thomas! Thomas"-Rufe schallen durch das Rathaus-Foyer. "Ich habe darauf gesetzt, dass wir gewinnen. Aber mit so einem starken Ergebnis habe ich nicht gerechnet", sagt der 50-jährige Ex-EON-Manager Geisel. Der Sozialdemokrat liegt zu diesem Zeitpunkt der Auszählung bei den OB-Stichwahlen uneinholbar vorn. Nach 15 Jahren CDU-Dominanz holt die SPD das Rathaus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zurück.

Elbers: "Ergebnis eindeutig"

OB Stichwahl Düsseldorf

Abschiedsrede von OB Elbers

Einige Schritte entfernt vom SPD-Trubel spielen sich nur wenige Minuten später völlig andere Szenen ab. Im Fraktionssaal der CDU herrscht lange Zeit gespannte Ruhe. Ein diskretes Gemurmel der Einzelgespräche bestimmt die CDU-"Wahlparty". Auf einem Fernseher läuft ein WM-Spiel. Kaum jemand schaut hin. Auf Leinwänden ist das aktuelle Auszählungsergebnis zu sehen. Viele Christdemokraten sind geschockt. Der rote Balken für Geisels Prozente ist den ganzen Abend über weit größer als der Ergebnisbalken für den seit 2008 amtierenden OB Elbers. "Er hat Fehler gemacht", sagt ein älterer Christdemokrat zu einem Parteifreund. Offenbar ist Elbers gemeint. Einige SPDler drängen sich in den CDU-Saal. Dort ist nämlich die Schlange am Bierstand kürzer. Die Genossen bedienen sich reichlich.

Als der OB schließlich den Saal betritt, gibt es leisen Höflichkeits-Beifall. "Das Ergebnis ist eindeutig", sagt Elbers mit dünner, niedergeschlagener Stimme ins Mikrofon. Er gratuliert Geisel. In der Stadt werde sich nun "einiges verändern, was nicht so in unserem Sinne wahrscheinlich sich entwickeln wird", formuliert er holprig. Er sieht geschafft, regelrecht kaputt und müde aus - als hätte er einen 20-Stunden-Flug hinter sich oder ein langes Tennis-Match.

Erdrutsch-Sieg für Geisel

OB-Stichwahl Düsseldorf

OB-Stichwahl Düsseldorf

Nach gut einer Stunde sind alle Stimmen ausgezählt. Elbers erhält nur 40,8 Prozent. Geisel gewinnt mit 59,2 Prozent der Stimmen. Im ersten Wahlgang hatte der Sozialdemokrat noch bei knapp 38 Prozent gelegen - und Elbers bei 46 Prozent. Die Wahlbeteiligung beträgt 41,8 Prozent - mehr als in vielen anderen Kommunen an diesem Stichwahl-Sonntag. Offenbar hat die SPD ihre Anhänger mobilisieren können. Geisel kündigt noch am Wahlabend Gespräche mit den Fraktionen im Düsseldorfer Stadtrat an. Möglich ist eine Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen oder eine Große Koalition. Mit einer Stimme Mehrheit könnte aber Schwarz-Grün eine Ratskoalition bilden. Zunächst aber feiern die Sozialdemokraten in einem Lokal am Rhein. Die Sonne scheint. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist herbeigeeilt - und gratuliert dem neuen OB. Dabei hatten einige in der Landes-SPD dem Seiteneinsteiger Geisel vor gut einem halben Jahr keinerlei Chancen eingeräumt.

Kraft Geisel

Kraft und Geisel bei SPD-Wahlparty

Das OB-Ergebnis ist eine katastrophale Niederlage für Elbers. Bei seiner Wahl im Jahr 2008 war Elbers noch mit 59,7 Prozent erfolgreich gegen die Sozialdemokratin Karin Kortmann (35,3 Prozent). Sechs Jahre später haben ihn die Düsseldorfer regelrecht abgestraft. Woran lag es? Wirtschaftlich gilt Düsseldorf als stärkste Stadt in NRW. Doch das Auftreten des OB löste in den letzten Jahren immer wieder Kritik aus. Nur zwei Beispiele: 2013 suspendierte der OB zehn Feuerwehrleute, die sich auf Facebook im Streit um nicht gezahlte Überstunden kritisch über ihren Dienstherrn geäußert hatten. In diesem Wahlkampf schaffte es Elbers dann sogar, fast das gesamte Ruhrgebiet gegen sich aufzubringen. Mit dem Spruch, im Revier wolle man doch "nicht tot über dem Zaun hängen", bestätigte er für viele das Klischee der arroganten Schickimicki-Stadt Düsseldorf. Geisel warf dem bisherigen OB daraufhin eine "Eure-Armut-kotzt-mich-an"-Haltung vor.

Wittke: "Selbst inschuld"

Am Wahlabend gab es für den Ruhrgebiets-Spruch von Elbers dann noch eine kleine Retourkutsche aus dem Revier. Der Vorsitzende der Ruhrgebiets-CDU und Bundestagsabgeordnete, Oliver Wittke, sagte in bestem Ruhrpott-Deutsch auf WDR.de-Anfrage: "Selbst inschuld."

Stand: 15.06.2014, 20:25