Neuer Bürgermeister will Klever Drogentreff zur Chefsache machen
Lokalzeit aus Duisburg . 01.10.2025. 02:38 Min.. Verfügbar bis 01.10.2027. WDR. Von Lars Zamhofer.
Die Probleme in Kleve begannen schon vor Monaten, als im Dezember 2024 ein Container am Bahnhof gebrannt hatte. Der Container, der für Drogenabhängige ein verhältnismäßig sicherer Ort zum Konsumieren war. Nach dem Brand wurde er entfernt. Zurück blieben nur noch Schotter, Staub und ein leerer Platz am Bahnhof.
Schon im Frühjahr wurde über eine neue Lösung beraten. Die Suche nach einem Standort gestaltete sich als schwierig. Aber keinen Standort für einen Konsum-Container zu haben birgt das Risiko, dass sich das Drogenproblem unkontrolliert in der Stadt verteilt.
Szene verlagert sich in Wohnviertel
Seitdem hat sich die Klever Drogenszene verlagert - in ein Haus auf der Spyckstraße. Seit Monaten gilt es als Problemhaus, als Treffpunkt für suchtkranke und psychisch auffällige Menschen.
Anwohner schrieben Brandbrief wegen Gewalt und Einbrüchen
Anfang Juni hatten Anwohner und eine Schule in direkter Nachbarschaft des Hauses einen Brandbrief geschrieben. Sie berichten von Gewalt, Einbrüchen, Drogenhandel und wachsender Unsicherheit.
Kinder meiden ihren Schulweg, heißt es. Eltern fühlen sich bedroht. Die Forderung nach mehr Sicherheit und klaren Maßnahmen wird immer lauter. Mitte Juni hatte es dann einen größeren Polizeieinsatz gegeben.
Neuer Unterstand - wenig Anklang
Der neue Unterstand im Wald
Die Notwendigkeit für einen neuen Treffpunkt wurde immer größer. Monatelang wurde darüber heftig diskutiert und gestritten. Im Juli hatte der Stadtrat dann einen neuen Unterstand beschlossen - etwa einen Kilometer vom Bahnhof entfernt, mitten in einem Wald. Kritiker hatten schon damals befürchtet, dass der neue Treffpunkt zu weit außerhalb sei.
Tatsächlich ist das Ergebnis eher ernüchternd. An dem alten Bushaltestellenhäuschen ist nichts los, niemand hält sich dort auf. Zu ungemütlich, zu weit weg. Eine drogenabhängige Frau, die sich selbst Maria nennt, berichtet: "Für manche Leute ist das gar nicht zu erreichen. Viele Leute sind kaputt und krank - wie soll man da überhaupt hinkommen?"
"Es ist ein Wald, da wird es schnell dunkel und das als Frau - da habe ich schon Angst." Maria
Drogenabhängige aus Kleve
Die 39-Jährige würde sich wünschen, es würde in Kleve "Konsumräume wie in jeder anderen Stadt und mehr Arbeit mit einer Drogenberatung" geben. Stattdessen wird weiterhin am Bahnhof und am Problemhaus in der Spyckstraße konsumiert.
Drogentreff wird zur Chefsache
Markus Dahmen, neugewählter Bürgermeister von Kleve, will sich des Problems annehmen. "Das ist etwas, da muss man sich massiv drum kümmern und das wird auch zur Chefsache", so Dahmen. Kurzfristig sieht er keine Hoffnung für eine Lösung, die alle Seiten zufriedenstellt.
Bürgermeister von Kleve, Markus Dahmen
Zunächst soll am alten Bushaltestellenhäuschen die Aufenthaltsqualität verbessert werden. Ein Spritzencontainer und sanitäre Anlagen sollen her, eventuell soll auch ein Streetworker eingesetzt werden.
Ob der Unterstand im Wald dadurch angenommen wird? "Fraglich", meint Dahmen. Der Ort läge einfach zu weit außerhalb. Langfristig will er deshalb eine andere Lösung finden - beispielsweise ein Drogenhilfemobil. Um eine Lösung will er sich kümmern, wenn seine Amtszeit am ersten November beginnt.
Unsere Quellen:
- Interview mit Stefan Sparberg, Polizei Kleve
- Interview mit Markus Dahmen, Bürgermeister Kleve
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort