Zweifel an Windkraft-Plänen für NRW

Zweifel an Windkraft-Plänen für NRW

Von Jürgen Döschner

  • Wirtschaftsminister will Kapazität verdoppeln
  • Verband: "Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit"
  • Kritik an neuer Abstandsregel
  • Opposition fordert Politik-Wende

Mit seinen Äußerungen im WDR zur Verdoppelung der Windkraft-Kapazität in Nordrhein-Westfalen hat Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) eine lebhafte Debatte ausgelöst.

Anspruch und Wirklichkeit

Der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) in NRW sieht eine "Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit". Immerhin müssten für eine Verdoppelung in den kommenden fünf Jahren rund 1.200 Megawatt Windstrom-Kapazität pro Jahr zusätzlich ans Netz gehen. Das entspräche etwa 400 neuen Windrädern.

"Aus Klimaschutzgründen wäre es schon sehr gut, wenn wir eine Zahl von 1.000 MW hinbekämen", erklärte der LEE-Vorsitzende Reiner Priggen dem WDR am Montag (25.03.2019). Bei der geplanten Abstandsregelung zwischen Wohnhaus und Windrad von 1.500 Metern fielen Zweidrittel der Vorranggebiete bereits weg. "Wie auf dem Rest dann eine Verdoppelung geschehen soll, ist mit völlig unklar", sagte Priggen.

Streit um Abstandsregel

Neben den Einschränkungen zum Bau von Windrädern in Waldgebieten und der Ausweisung von sogenannten Vorrangflächen ist die neue Abstandsregelung nach Ansicht der Kritiker das Haupthindernis für den Ausbau der Windkraft. Mindestens 1.500 Meter sollen nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition künftig zwischen jedem neu gebauten Windrad und dem nächsten Wohnhaus liegen. Schon bei 1.000 Metern würden bis zu 50 Prozent der möglichen Windkraft-Flächen wegfallen, schreibt das Umweltbundesamt in einer heute veröffentlichten Studie. Bei 1.500 Metern Abstand sollen es nach Berechnungen des LEE sogar mehr als 90 Prozent sein.

Kritik vom DIW

"Um die angestrebte Verdoppelung des zuletzt massiv eingebrochenen Ausbaus der Windenergie hinzubekommen, ist die 1.500-Meter-Abstandsregel nicht zu halten", schrieb die SPD-Landtagsfraktion in einer Stellungnahme zu Pinkwarts Äußerungen. Ähnlich äußerten sich die Grünen im Landtag. Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält die Abstandsregelung ebenfalls für "schädlich" und fordert ihre Aufhebung.

Bislang nicht geäußert zu dem Windkraft-Vorstoß von Wirtschaftsminister Pinkwart(FDP) hat sich der Koalitionspartner CDU. Ein vom WDR bei der Landtagsfraktion angefragtes Interview kam bis zum Montagabend nicht zustande.

Stand: 25.03.2019, 19:40

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