Kein Ende in Sicht nach zwei Jahren Loveparade-Prozess

Streit um Loveparade-Anklage: Zweite Instanz braucht Monate

Kein Ende in Sicht nach zwei Jahren Loveparade-Prozess

  • Kein Ende nach über 160 Verhandlungstagen
  • Nur noch drei Angeklagte
  • Urteile gelten als unwahrscheinlich
  • Diskussion um Verjährung

21 Tote und hunderte Verletzte - das war die schreckliche Bilanz des Loveparade-Unglücks 2010 in Duisburg. Auch am Sonntag (08.12.2019), zwei Jahre nach Beginn des Strafprozesses, ist noch nicht klar, wer die Schuld daran trägt.

Nur noch drei Angeklagte

Schon im Februar 2019 hatte das Gericht sieben der zehn Verfahren ohne Auflagen eingestellt, darunter auch die gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg. Ihnen sei, wenn überhaupt, nur eine geringe Schuld nachzuweisen, hieß es.

Zwei Jahre Loveparade-Prozess

WDR 5 Morgenecho - Interview 07.12.2019 04:10 Min. Verfügbar bis 05.12.2020 WDR 5

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Angeklagt sind jetzt noch drei Mitarbeiter des Veranstalters. Auch ihnen wurde zwar eine Einstellung angeboten. Weil das Gericht bei ihnen aber von einer möglicherweise etwas höheren Schuld ausging, hätten sie dafür Geldauflagen zahlen sollen, was sie ablehnten.

Beamtin sprach Mitgefühl aus

Hinterbliebene kommen nur noch an wichtigen Verhandlungstagen zum Loveparade-Prozess. Zuletzt, als die Mitarbeiter der Stadt Duisburg als Zeugen geladen waren; bis Februar waren sie noch selbst angeklagt.

Eine Amtsleiterin sprach den Angehörigen damals ihr Mitgefühl aus. Gabi Müller, die ihren Sohn beim Unglück verloren hat, wirkte danach nachdenklich. "Das ist bei mir angekommen und ich glaube ihr das auch", sagte sie.

Entscheidung im Loveparade-Prozess WDR aktuell 06.02.2019 01:39 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Zweifel an Urteilen

Im März 2020 soll ein zentraler Sachverständiger seine Einschätzung abgeben. In einer schriftlichen Vorabfassung zählt er nach WDR-Informationen eine Vielzahl von Unglücksursachen auf. Jeder Fehler für sich allein hätte demnach das tödliche Massengedränge nicht ausgelöst.

Wegen dieser Komplexität halten selbst einige Opfervertreter Urteile mittlerweile für unwahrscheinlich. In dem Fall sollte das Gericht wenigstens Verantwortlichkeiten feststellen, fordert Rechtsanwalt Julius Reiter. Das würde den Weg für Schadensersatzklagen erleichtern.

Diskussion um Verjährung

Unterdessen stellt sich die Frage, wie lange der Loveparade-Prozess maximal noch gehen wird. Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung verjährt zehn Jahre nach dem Tod des letzten Opfers, also Ende Juli kommenden Jahres.

Aus Sicht des Gerichts muss das aber nicht auch für den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung gelten. Denn psychische Folgeschäden könnten ja auch nach der Loveparade eingetreten sein. Dann hätte die Zehn-Jahres-Frist später begonnen. Ob es solche Fälle gibt, das sollen jetzt Sachverständige klären.



Stand: 08.12.2019, 06:00

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