Noten zu gut - Kritik an Abiprüfungen in NRW

Zu gute Abi-Noten? WDR aktuell 30.04.2019 02:30 Min. Verfügbar bis 30.04.2020 WDR

Noten zu gut - Kritik an Abiprüfungen in NRW

  • Start der Zentralabitur-Prüfungen in NRW
  • Philologenverband findet Regeln zu lasch
  • Für mangelnde Rechtschreibung gebe es nur zwei Punkte Abzug

Der Philologenverband hat erneut eine Debatte über ein angeblich zu einfaches Zentralabitur losgetreten. Die Kritik richte sich aber nicht an die Schüler. Die Regeln der Kultusministerkonferenz stehen im Fokus, sagte Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Verbandes, am Dienstag (30.04.2019) dem WDR anlässlich des landesweiten Starts des diesjährigen Zentralabiturs.

Mangelnde Rechtschreibung - "nur" zwei Punkte Abzug

"Da ist es zum Beispiel so, dass ich für mangelnde Rechtschreibung maximal zwei Punkte abziehen könnte", sagte Lin-Klitzung. In der Mittelstufe könnten Lehrer eine ganze Note abziehen. Außerdem seien beim Abitur zweisprachige Wörterbücher bei der Fremdsprache zugelassen - anders als in der Mittelstufe. "Das ist eine Senkung des Niveaus."

Abitur: "Stärkere Vergleichbarkeit der Bundesländer"

WDR 2 30.04.2019 03:54 Min. Verfügbar bis 29.04.2020 WDR Online

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Leicht positiver Trend bei Notenschnitt

Die Debatte ist nicht neu. Seit Jahren wird darüber gestritten, ob die vor mehr als einem Jahrzehnt eingeführten zentralen Abiturprüfungen das Niveau gesenkt haben. Auch der Einfluss des politischen Hin und Her von längerer und kürzerer Zeit bis zur Reifeprüfung (G8 und G9) auf Schülerleistungen ist in der Diskussion.

Fakt ist: Die landesweite Durchschnittsnote ist in den letzten Jahren in NRW etwas besser geworden. Die Abiturienten an Gymnasien und Gesamtschulen erzielten 2018 landesweit im Schnitt eine Abschlussnote von 2,44. Im Jahr 2015 lag der Notendurchschnitt bei 2,47. Beim ersten NRW-Zentralabi 2007 war es ein Wert von 2,6.

Schulministerin widerspricht Philologen

NRW-Schulministerium Yvonne Gebauer (FDP) teilt die Kritik des Philologenverbandes nicht. Sie sehe keine "Inflation" guter Schulnoten.

"Wir haben einen Aufgabenpool gemeinsam beschlossen mit allen 16 Kultusministern, aus dem die Abiturprüfungen gezogen werden – verpflichtend zumindest in den Fächern Deutsch, Französisch, Englisch und Mathematik", sagte sie dem WDR am Dienstag. Deswegen könne man eine Vergleichbarkeit herstellen und nicht davon sprechen, dass sich das Abitur inflationär gestalte.

Auch eine Sprecherin der NRW-Landesschülervertretung (LSV) teilt die Einschätzung des Philologenverbands nicht. Darüber hinaus gab sie zu bedenken, inwieweit das Notensystem überhaupt gerecht sein könne.

"Es gibt unterschiedliche Lehrer, die unterschiedlich bewerten. Manche schöpfen zum Beispiel das Notenspektrum von 1 bis 3 aus, andere von 2 bis 5. So ist es an manchen Schulen, in manchen Kommunen und in manchen Ländern einfacher, ein gutes Abitur zu machen", sagte sie dem WDR. Unter dem Strich seien "Noten nicht miteinander vergleichbar".

Stand: 30.04.2019, 17:08

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