Kritik an Zalando: Mitarbeiterkontrolle per App

Kritik an Zalando: Mitarbeiterkontrolle per App

  • Bei Zalando bewerten sich Mitarbeiter gegenseitig
  • Handy-App aus Gewerkschaftssicht bedenklich
  • Onlinehändler spricht von "offener Feedbackkultur"

Tausende Mitarbeiter von Zalando stehen unter einer ständigen, digitalen Leistungskontrolle. Mittels einer Handy-App bewerten sie sich gegenseitig. Das führe zu einer Kultur des Misstrauens, kritisierte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung und äußerte datenschutzrechtliche Bedenken.

Studie: Betriebsklima leidet

Am Mittwoch (20.11.2019) stellte die Stiftung dazu eine Studie vor. Dafür hatten Sozialwissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität zehn Beschäftigte befragt sowie zwei Gruppendiskussionen und Schulungsmaterialien ausgewertet. Das Ergebnis: Das Betriebsklima leide, der Stress nehme zu.

Zalando in der Kritik: fragwürdige Personalbewertungs-Software

WDR 5 Profit - aktuell 20.11.2019 04:52 Min. Verfügbar bis 19.11.2020 WDR 5

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Verdi: "Arbeitnehmerfeindlich"

"Es birgt die Gefahr, dass sich alle ständig überwacht fühlen", sagte Stefan Lücking von der Hans-Böckler-Stiftung dem WDR. Die Gewerkschaft Verdi geht noch weiter. Sie nannte die Kontrollen "arbeitnehmerfeindlich".

"Sie sind intransparent, setzen die Beschäftigten in permanente Konkurrenz zueinander, missachten den Datenschutz und dienen dem Unternehmen als billige Ausrede, warum man keine Tarifverträge abschließen will", heißt es in der Stellungnahme der Gewerkschaft weiter.

Zalando: "strukturiertes 360-Feedback"

Der Onlinehändler, der einen seiner großen Logistikstandorte in Mönchengladbach hat, widersprach den Ergebnissen. Die Studie sei nicht repräsentativ und enthalte Fehler. "Bei Zalando ist Transparenz und eine offene Feedbackkultur seit jeher gelebte Realität", betonte das Unternehmen.

Die Software namens Zonar wird nach Firmenangaben von 5.000 der 14.000 Beschäftigten genutzt. Laut Zalando ermöglicht sie ein "strukturiertes 360-Grad-Feedback", das unter anderem als Grundlage für Beförderungen diene. Der Datenschutz werde dabei eingehalten.

Datennutzung auch für Kündigungen?

Entscheidend sei die Frage, für welche Zwecke Zalando die gewonnenen Daten genau verwende, sagte der Düsseldorfer Fachanwalt für Arbeitsrecht, Daniel Hautumm, dem WDR.

Vielleicht auch, um Kündigungen zu rechtfertigen? Ob das legitim ist, "da hätte ich sehr starke Bedenken", so Hautumm.

Stand: 20.11.2019, 17:42

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