Xavier Naidoo entschuldigt sich

Stand: 20.04.2022, 11:13 Uhr

Bisher fiel Xavier Naidoo vor allem durch Verschwörungserzählungen, seine Nähe zu Reichsbürgern und Corona-Leugnung auf. Jetzt hat er ein Video auf Youtube veröffentlicht, in dem er sich entschuldigt. Er habe sich von Verschwörungserzählungen blenden lassen.

Gute drei Minuten lang spricht Xavier Naidoo in die Kamera und entschuldigt sich bei Familie, Freunden und Fans. "Ich habe Dinge getan, die ich heute bereue." Er sei von Verschwörungserzählungen geblendet gewesen. "Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage."

Ein einfaches Sorry ist zu wenig

Aber wie glaubwürdig sind Naidoos Entschuldigung und die Kehrtwende? Experten bewerten das unterschiedlich. Der Religionswissenschaftler Michale Blume twitterte: Naidoo habe "wie jeder Mensch - eine neue Chance verdient." Aber es gibt auch kritische Stimmen. Andres Speit ist Experte für Rechtsextremismus und die "Querdenken"-Bewegung. Er nimmt zwar Naidoo seine Emotionen im Video ab - sagt aber angesichts Naidoos bisherigen Auftretens auch: "Ein einfaches 'Sorry und tut mir leid, ich habe mich verrannt' ist einfach zu wenig."

Verschwörungserzählungen und Antisemitismus-Vorwürfe

Der 50-Jährige Musiker aus Mannheim galt bisher als einer der prominentesten Corona-Leugner. Er trat mit Reichsbürgern und Rechtspopulisten auf und teilte Verschwörungserzählungen in den sozialen Medien. Textzeilen in seinen Songs brachten ihm Rassismus- und Homophobie-Vorwürfe ein. Naidoo wies das zurück, wehrte sich sogar gerichtlich dagegen, als Antisemit bezeichnet zu werden. Im Dezember 2021 urteilte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, dass er sich diese Bezeichnung gefallen lassen müsse.

Plötzlicher Sinneswandel

Jetzt der Sinneswandel. In seinem Video sagt Naidoo, dass er sich in Verschwörungserzählungen verrannt habe. Er habe diese nicht genug hinterfragt und sich "zum Teil instrumentalisieren" lassen. "Das habe ich leider jetzt erst erkannt. Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue."

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Xavier Naidoo spricht bei rechter Mahnwache in Berlin

Er erklärt seine Kehrtwende mit dem Krieg in der Ukraine. Seine Frau stammt von dort, er habe Familie und Freunde aus dem Land bringen müssen. "Die Welt scheint wie auf den Kopf gestellt und ich habe mich gefragt, wie es so weit kommen konnte." Er habe viel mit Betroffenen gesprochen - und sich kritischen Fragen zu Äußerungen von sich stellen müssen, wofür er dankbar sei.

"Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe und dass ich in den letzten Jahren viele Fehler gemacht habe." Xavier Naidoo - auf seinem Youtube-Kanal

Attila Hildmann: "Verräter Naidoo"

Das Video hat Naidoo am späten Dienstagabend auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht. Bis zum Vormittag hat es schon fast als 127.000 Aufrufe. Die Kommentarfunktion ist deaktiviert. In den sozialen Medien sorgt das Video für sehr unterschiedliche Reaktionen: Spott und Zweifel auf der einen, Enttäuschung und Wut auf der anderen Seite. Und Attila Hildmann – weiterer prominenter Verschwörungsverbreiter – schreibt auf seiner Homepage von "Xavier Naidoos Verrat".  

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