Hünxe: Haben mehrere Wölfe ein Pony gerissen?

Wolf reißt Pony in Hünxe Aktuelle Stunde 12.10.2021 23:13 Min. UT Verfügbar bis 19.10.2021 WDR Von Christian Zens

Hünxe: Haben mehrere Wölfe ein Pony gerissen?

Im Wolfsgebiet Schermbeck ist ein Pony gerissen worden. Das gut 250 Kilo schwere Tier wurde zudem meterweit über die Weide gezogen.

Rebell, so der Name des Ponys, war 20 Jahre alt - aber noch topfit, erzählt Besitzer Uwe Münzer. Der Anblick des toten Tieres, das besonders seiner 14-jährigen Tochter am Herzen lag, war für die Familie kaum zu ertragen: "Es war sehr emotional - gerade hinsichtlich meiner Tochter, weil Rebell ein Therapie-Pony war. Meine Tochter hat ein Handicap, sie hat sehr an dem Pony gehangen."

LANUV prüft den Vorfall - Umweltministerin besorgt

Fast zehn Meter wurde das Kleinstpferd in Hünxe (Kreis Wesel), das zum Wolfsgebiet Schermbeck zählt, über die Weide gezogen. In der Nacht auf Montag ist das Tier durch einen Kehlbiss auf der Weide getötet worden. Das gab Eckhard Vornbrock vom Gahlener BürgerForum AG Wolf an. "Gefressen wurden etwa 40 kg Muskelfleisch und Innereien".

Wolf: Ein Pony wurde in Hünxe gerissen

Wolf: Ein Pony wurde in Hünxe gerissen

Noch ist nicht bewiesen, daß es ein Wolfsriss oder womöglich Wölfin Gloria war, doch vieles spricht dafür. "Wir gehen davon aus, dass das Pony von mehreren Wölfen gerissen wurde", so Vornbrock weiter. Ob es sich tatsächlich um einen Wolfsriss handelt, prüft derzeit das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV). Dafür wurden Proben für einen DNA-Test entnommen. Bis ein Ergebnis vorliegt, kann es bis zu 6 Wochen dauern.

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) zeigte sich besorgt, dass nach Schafen, die auf den Weiden geschützt werden müssen, jetzt offenbar auch einzelne Pferde angegriffen werden. Wenn sich der Verdacht bestätigt, dass das Pony von einem oder mehreren Wölfen gerissen wurde, wäre es bereits der dritte Wolfsriss eines Ponys, so Heinen.

Heinen-Esser: Hotline für Pferdehalter einrichten

Die Ministerin bat die Landwirtschaftskammer, eine Hotline für Pferdehalter einzurichten, um individuell auf aktuelle Fragen eingehen zu können. Zur Vorsorge sollten, sofern logistisch möglich, einzelne kleinere Pferde nicht über Nacht auf ungeschützten Weiden gehalten werden.

Im Oktober 2020 wurde ein Wolfsriss eines Ponys auf einer Weide in Bottrop-Kirchhellen registriert, Anfang Januar 2021 wurde ein Pony auf einer Weide ebenfalls in Hünxe tot aufgefunden.

Hilfe! Die Wölfe kommen – müssen wir uns fürchten? Quarks 13.03.2018 44:52 Min. UT DGS Verfügbar bis 13.03.2023 WDR

Neues Pony für gehandicapte Tochter

Entsprechend beunruhigt sind die Tierzüchter im Raum Schermbeck. Christiane Rittmann ist Schafzüchterin und hat durch Wolfsrisse schon zehn ihrer Tiere verloren. Sie sichert ihre Schafe durch Herdenschutzhunde und Elektrozäune. Aber das verursache Kosten, erzäht Rittmann - und die Politik reagiere zu langsam: "Es kann nicht sein, dass man monatelang warten muss, bis man eine Genehmigung oder eine Ablehnung für einen Zaun bekommt. Es muss einfach schneller gehandelt werden."

Die Sorge der Züchter auf der einen und der Schutz des Wolfes auf der anderen Seite sind offenbar nur schwer unter einen Hut zu bringen. Uwe Münzer will sich trotz des traumatischen Erlebnisses aber nicht auf die Seite der Wolfsgegner schlagen. Er muss das Erlebte erst einmal verarbeiten. Die gute Nachricht: Hilfsbereite Menschen aus der Region wollen seiner Tochter ein neues Pony schenken.

Stand: 12.10.2021, 21:29

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