Wolfsjagd: Neue Abschussregeln stoßen auf Kritik

Zwei Wölfe im Wald

Wolfsjagd: Neue Abschussregeln stoßen auf Kritik

  • Abschuss von Wölfen erleichtert
  • Schäfer zeigen sich zufrieden
  • Umweltschützer sehen Tabubruch

Nach mehr als einjährigem Ringen hat sich die Bundesregierung auf einen leichteren Abschuss von Wölfen geeinigt. Die Gesetzesvorlage wurde am Mittwoch (22.05.2019) im Bundeskabinett beschlossen. Demnach reichen künftig "ernste Schäden" für Nutztierhalter als Grundlage für eine Abschussgenehmigung aus. Bisher musste der betroffene Tierhalter in seiner Existenz bedroht sein.

Zudem soll bei wiederkehrenden Schäden nach und nach der Abschuss von mehreren Wölfen eines Rudels möglich sein, auch wenn nicht konkrete Einzeltiere als Verursacher ausgemacht werden können.

Familie Wolf – Gefährliche Nachbarn? Planet Schule 23.03.2018 29:04 Min. Verfügbar bis 23.03.2023 WDR

Beim Schafzuchtverband NRW reagierte man erleichtert. "Viele unserer Forderungen wurden erfüllt", sagte Ulf Helming, Wolfsbeauftragter des Verbands dem WDR. Das Gesetz stelle sicher, dass Weidetierhaltung in der freien Landschaft auch in der Zukunft möglich sein wird.

Beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband ist man hingegen unsicher, ob die neuen Regelungen ausreichen. Dort hatte man sich für "wolfsfreie Gebiete" eingesetzt, in denen die Räuber sofort geschossen werden dürfen. Seit 2018 habe man rund 50 Wolfsrisse in NRW registriert. Weil sich die Populationen rasend schnell vermehrten, müsse man in der nahen Zukunft mit einer noch größeren Gefahr rechnen.

Auch Wildtierbestände gefährdet

Auch beim Jagdverband NRW hält man die Abschussregeln für zu streng. Auch Bestände von Wildtieren könnten bei einer größeren Wolfspopulation in der Zukunft unter Druck geraten, sagt Verbandssprecher Andreas Schneider. "Bei seltenen Arten wie dem Muffelwild droht sogar die Ausrottung."

Für Holger Sticht, NRW-Landesvorsitzender des BUND, stellt der Gesetzentwurf hingegen einen Rückfall in längst vergangene Zeiten dar. "Dass künftig der Abschuss von ganzen Rudeln möglich wird, ist einfach nur empörend." Auch sei nicht genau definiert, ab wann die Schäden durch Wolfsrisse als "ernst" einzustufen sind: "Das öffnet dem Missbrauch Tür und Tor."

Das Problem mit dem Gesetz bestehe aber vor allem darin, dass es nicht auf Wölfe beschränkt sei. Theoretisch könnten also auch die Besitzer von Fischteichen den Abschuss von geschützten Eisvögeln einfordern, wenn diese regelmäßig bei ihnen auf die Jagd gehen.

Nabu sieht auch positive Effekte

Hingegen sieht man beim Nabu NRW auch positive Effekte durch das Gesetz. Die Entnahme von Wölfen, die gelernt haben, Zäune und andere Schutzbarrieren zu überwinden, gehe in Ordnung, sagt die Biologin Katharina Stenglein. "Das ist zwar nicht schön, aber dient der Akzeptanz."

Wolf in Eitorf vermutet Lokalzeit aus Bonn 20.05.2019 Verfügbar bis 20.05.2020 WDR Von Norbert Hiller

Stand: 22.05.2019, 11:58

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