Wohnungstausch: Idee funktioniert nicht

Wohnungstausch: Idee funktioniert nicht

  • Viel ältere Alleinstehende leben in großen Wohnungen
  • Familien suchen verzweifelt bezahlbaren Wohnraum
  • Tauschmöglichkeiten schlagen die Älteren meist aus

Die Idee klingt vernünftig: Ältere Menschen, deren Wohnung für ihre Bedürfnisse im Grunde längst zu groß geworden ist, tauschen mit jungen Familien, die händeringend nach genügend Platz suchen.

Vor genau einem Jahr startete der Düsseldorfer Immobilienkonzern LEG mit Unterstützung vom Bundesbauministerium eine Initiative, die Mietern einen solchen Wohnungstausch schmackhaft machen soll: Dem Rentner, der mittlerweile allein in einer 90-Quadratmeter-Wohnung wohnt, bietet die LEG beispielsweise eine 45-Quadratmeter-Wohnung in der Nähe an. Mit der Aussicht, dass der Mann in der Wohnung, die halb so groß ist wie seine vorherige, auch nur halb so viel Miete zahlt.

Magere Bilanz nach einem Jahr

1.000 familiengerechte Wohnungen, größer als 85 Quadratmeter, in denen derzeit alleinstehende Senioren leben, könnten auf diese Weise "rasch und unbürokratisch" frei werden, so die damalige Schätzung der LEG. Das Unternehmen verwaltet rund 130.000 Wohnungen im Land. Ein Jahr später sieht die Bilanz eher mager aus. Bis heute seien erst zwölf Wohnungstausche zustandegekommen, sagt eine LEG-Sprecherin.

Man bewerbe das Konzept allerdings auch nicht offensiv, sondern sprechen einzelne Kunden persönlich an, wenn der Wohnungstausch womöglich passen könnte. Mieter, die sich verkleinern, könnten den Quadratmeterpreis ihrer bisherigen, größeren Wohnung "in ihr neues Zuhause mitnehmen", so die Sprecherin. Für die neuen Bewohner der größeren Wohnung gibt es allerdings keine Preisgarantie: Hier richte sich die Höhe der Miete nach dem jeweiligen Marktpreis und dem aktuellen Mietspiegel.

Viele potenzielle Tauschkandidaten seien misstrauisch, sagt Hans-Jochem Witzke vom NRW-Mieterbund. Nicht nur die Sorge vor einer Mieterhöhung wirke abschreckend, auch fürchteten viele Ältere die drohenden Umzugskosten. Helfen könnten öffentlich geförderte Umzugshilfen, sagt der Mieterbund-Vorsitzende Witzke: sowohl finanzielle als auch praktische Unterstützung beim Kistenpacken.

Wohnungsnot: "Mit einer Wohnung sind Emotionen verbunden"

WDR 5 Morgenecho - Interview | 13.06.2018 | 04:41 Min.

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"Mit einer Wohnung sind auch Emotionen verbunden", sagt Witzke: Wer dort seine Kinder aufwachsen sah oder viele Jahre mit dem inzwischen verstorbenen Ehepartner lebte, wolle diesen Ort oft gar nicht aufgeben.

Renovierung macht Miete teurer

Außerdem: Zieht ein älterer Mensch aus seiner langjährigen Behausung aus, stehe mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Renovierung und Modernisierung an. Auch das lasse den Mietpreis dann möglicherweise auf ein Niveau steigen, das die Wohnung für die junge Familie unbezahlbar mache.

Stand: 13.06.2018, 14:53

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