In NRW werden zu wenige Wohnungen gebaut

Proteste gegen Wohnspekulation

In NRW werden zu wenige Wohnungen gebaut

  • Studie: Es werden nicht genug Wohnungen gebaut
  • In einigen NRW-Städten Bedarf nicht gedeckt
  • Auf dem Land: Neubau trotz Leerstand

Ob Köln oder Münster: In einigen Städten Nordrhein-Westfalens werden viel zu wenige Wohnungen gebaut. Das hat eine Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ergeben, die am Montag (22.07.2019) veröffentlicht wurde.

Neuer Entwicklungsplan für NRW

WDR 5 Morgenecho - Interview 12.07.2019 05:30 Min. Verfügbar bis 10.07.2020 WDR 5

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Die Autoren verglichen hierbei die Zahl fertiggestellter Wohnungen mit dem Bedarf, den sie anhand von Faktoren wie Bevölkerungsentwicklung und Leerständen schätzten. Der Studie zufolge sei der Bedarf an Neubauwohnungen beispielsweise in Köln noch nicht mal zur Hälfte gedeckt worden: Im Zeitraum 2016 bis 2018 wurden im Jahresschnitt rund 3.100 Wohnungen gebaut, der tatsächliche Bedarf aber auf knapp 6.900 geschätzt.

Bedarf in NRW-Städten nur teilweise gedeckt

In Düsseldorf wurde der Bedarf der Studie zufolge zwar ebenfalls nicht gedeckt, bei einem Anteil von 85 Prozent sah es aber besser aus: Knapp 2.700 Wohnungen wurden im Schnitt pro Jahr fertiggestellt, mehr als 3.100 wären nötig gewesen.

In anderen Städten in NRW lag der Anteil des gedeckten Bedarfs bei

  • 72 Prozent in Bonn
  • 61 Prozent in Münster
  • 59 Prozent in Dortmund
  • 49 Prozent in Mettmann

Allerdings: Je kleiner die Kommunen, desto weniger aussagekräftig die Prozentsätze, da sich einzelne Bauprojekten stark auswirkten auf die prozentuale Statistik.

Gründe für die Kluft

Gründe für die Misere sind der hohe Zuzug in die Städte, das knappe Personal in Bauämtern, strenge Vorschriften und der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft. "Man kommt mit dem Bauen nicht hinterher", sagt Studienautor Ralph Henger.

Die Städte müssten sich anstrengen, um die Mietenentwicklung zu bremsen, mahnen die Autoren. Entscheidend hierfür sei in den Metropolen die Bereitstellung von Bauland, um Investoren anzulocken. Zudem sollten mancherorts alte Gebäude umgebaut werden, anstatt neue zu errichten.

Auch sollten der Bund und das Land finanziell klamme Städte wie Köln stärker unterstützen, etwa beim Ausbau des Nahverkehrs. Wenn das Umland besser angeschlossen wäre, würden das Wohnen dort attraktiver und die Großstädte entlastet.

Viele Neubauten auf dem Land - trotz Leerstand

Ganz anders sieht es auf dem Land oder in kleineren Städten aus: Dort wird mancherorts zu viel neu gebaut, etwa in Höxter, im Hochsauerlandkreis und Remscheid. "Obwohl es auf dem Land viel Leerstand gibt, entstehen relativ viele Neubauten, die bevorzugt werden, obwohl Umbauten im Altbestand vielerorts sinnvoller sind", sagt Studienautor Henger.

Durch Neubaugebiete vor den Türen von Kleinstädten verlieren Stadt- und Dorfzentren an Bedeutung und das Leerstand-Probleme verschärfe sich da. "Kommunen auf dem Land fernab der Metropolen sollten ein besseres Flächenmanagement betreiben, um attraktiv zu bleiben und Leerstände in der Ortsmitte zu vermeiden."

Der Grundsatz "Umbau vor Neubau" sei hier wichtig. In einem Drittel der deutschen Kreise sollte "die Bautätigkeit im Neubau gebremst werden, um ein Überangebot zu vermeiden", heißt es in der Studie.

"Ein Mietendeckel ist eine richtig schlechte Idee"

WDR 5 Mittagsecho 19.06.2019 05:02 Min. Verfügbar bis 18.06.2020 WDR 5

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Stand: 22.07.2019, 08:36

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 r.b. 22.07.2019, 19:26 Uhr

    Nicht mehr bauen, sondern vorhandenes nutzen, Dachausbauten, Aufstockungen, Läden, die leerstehen etc. Der Mieterbund hat Recht, Wohnungen sind Wohnungen und kein Hotel etc.! In NRW sollte das sofort verboten werden, außer der Eigentümer erfüllt alle gewerblichen Forderungen die auch für Hotels etc. gelten. Ebenso sollte die Vermietung durch Mieter gestoppt werden die Zimmer kurzfristig zur Verfügung stellen. Die An- und Abmeldungen müssen wieder durch die Eigentümer an die Stadt erfolgen, damit dem ein Ende gesetzt wird.

  • 5 Harald B. 22.07.2019, 16:59 Uhr

    Auch Mieter müssen bezahlbare Wohnungen in Städten finden können (natürlich keine Toplagen, aber eine normale Wohnlage müsste drin sein). Gegen ein Wohnen auf dem Land spricht vor allem die schlechte Anbindung an den öffentlichen Nachverkehr. Vor allem ist es schlimm, wenn Kommunen ihre Grundstücke an Investoren verscherbeln um den großen Reibach zu machen und sich dann wundern, was mit den Mietern geschieht. So etwas ist unveranstwortlich und müsste Konsequenzen für die Verantwortlichen haben.

  • 4 Bernd 22.07.2019, 16:19 Uhr

    Wohnen ist definitiv kein Grundrecht. Bestenfalls ein Grundbedürfnis. Wenn ich eine Wohnung kaufen will, um darin zu Wohnen, muß ich den Marktpreis dafür bezahlen, plus Grunderwerbssteuer und Notarkosten und der Markler langt auch noch mal kräftig zu. Warum soll es für Mieter eine Extrawurst geben. Warum also sollen Mieter bezahlbaren Wohnraum bekommen, während Eigentümer Wucherpreise beim Erwerb für eine Immobilie zahlen sollen + Wuchersteuern? Wenn ich mir als Käufer nicht die Wohnung in begehrter Wohnlage leißten kann und mir zwangsläufig woanders was suchen muß, können Mieter auch wo anders hinziehen. Die viel zu niedrigen Zinsen treiben die Preise ebenfalls in die Höhe. Und nicht zuletzt treiben die Mieter mit ihrer Nachfrage die Preise ebenfalls weiter nach oben. Das ist so wie mit dem Autofahrer der darüber schimpft, daß er im Stau steht. Dabei ist er selbst der Stau. Gleiches bei Mietern. Die Mieter selbst treiben die Preise nach oben, weil sich räumlich unflexibel sind.

  • 3 Frank 22.07.2019, 15:09 Uhr

    In Wuppertal steht gefühlt die halbe Innenstadt leer. Mit der Schwebebahn (wenn sie mal wieder fahren sollte) fährt man insbesondere im Westen an lauter leerstehenden Häusern vorbei, die langsam verfallen. Statt also Naturschutzgebiete zu Bauland zu machen, sollte man lieber die Besitzer dieser Immobilien dazu zwingen, die Wohnungen zu renovieren und zu vermieten. Auch die ganzen leerstehenden Ladenlokale sollten zu Wohnraum umgewandelt und Vermieter dazu gezwungen werden, sie zu vermieten, auch wenn sie damit weniger Geld verdienen, weil Gewerbeimmobilien teurer zu vermieten sind.

  • 2 Bauherr 22.07.2019, 14:33 Uhr

    Es wird höchste Zeit, dass der Gesetzgeber dafür sorgt, dass Baulücken in zentraler Lage geschlossen werden, um einer Verödung der Innenstädte entgegenzuwirken. In unserer Stadt -im ländlichen Bereich- existieren massenhaft ungenutzte Rasenflächen/Gartenland, die verkauft und bebaut werden könnten. Die Eigentümer haben dies aber offensichtlich "nicht nötig". Und so entstehen im Außenbereich immer mehr neue Baugebiete, die eigentlich nicht nötig wären. Wenn man die Eigentümer schon nicht zum Verkauf zwingen kann, sollten man dieses ungenutzte Land eben notfalls massiv steuerlich belasten.

  • 1 Sauerländer 22.07.2019, 12:43 Uhr

    ... wieso wird eigentlich dieser Trend zur Verstädterung von Politk und Medien als gottgegeben betrachtet? Viele ländliche Regionen bieten genügend qualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze - es gibt z. B. keinen sachlichen Grund, aus Südwestfalen abzuwandern. Wenn die Menschen diese Entscheidung also frei treffen, wieso muss dann dieser Wunsch subventioniert werden? Faktisch ist es so, dass in Südwestfalen ein Steuerüberschuss erwirtschaftet wird, der dann in die Förderung der Abwanderung von Fachkräften und damit letztlich zur Gefährdung der Unternehmen in der Region beiträgt. Gleichzeitig wird der Immobilienbesitz dort auch noch entwertet, da ein Überangebot entsteht. Muss man nicht verstehen... Ich würde auch gerne in die Lübecker Bucht umsiedeln und in der ersten Reihe mit Meerblick wohnen (Wohnungspreise ähnlich wie in D´dorf oder Köln). Aber kein Politiker kommt auf die Idee, dass zu fördern. Wieso also eine solche Förderung für die Ballungsräume???

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