Kölner Kardinal Woelki entlässt Düsseldorfer Stadtdechanten

Kardinal Woelki am Altar im Kölner Dom

Kölner Kardinal Woelki entlässt Düsseldorfer Stadtdechanten

  • Kardinal entlässt Düsseldorfer Stadtdechanten
  • Verfahren zur Amtsenthebung eingeleitet
  • Vertrauen sei nachhaltig erschüttert

Nach monatelangen Untersuchungen hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki den Düsseldorfer Stadtdechanten Ulrich Hennes seines Amtes enthoben. Zugleich sei gegen den beurlaubten Geistlichen ein Verfahren zur Amtsenthebung als Pfarrer eingeleitet worden, teilte das Erzbistum Köln am Mittwochabend (18.09.2019) mit.

Hennes hingegen will die Amtsenthebung anfechten: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen, weder strafrechtlich noch moralisch", ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Er empfinde die Entscheidung als sehr ungerecht - die Vorwürfe seien an den Haaren herbeigezogen.

Gegen den ranghohen katholischen Geistlichen war der Vorwurf der sexuellen Belästigung laut geworden, die Staatsanwaltschaft hatte jedoch ihre Ermittlungen gegen ihn mangels Tatverdachts eingestellt.

Vertrauen sei nachhaltig erschüttert

Eine kircheninterne Untersuchung habe Ergebnisse zutage gefördert, die das Vertrauen in den Dechanten nachhaltig erschüttert hätten, teilte das Erzbistum mit. Er soll an einem 20 Jahre alten Mann, der sich an ihn als Seelsorger gewandt hatte, sexuelle Handlungen vorgenommen haben.

Die Staatsanwaltschaft habe eine Straftat ausgeschlossen, weil der Mann zum Zeitpunkt des Vorfalls bereits volljährig gewesen sei. Außerdem habe er gesagt, dass er nicht zu den sexuellen Handlungen gezwungen worden sei.

Dennoch stelle das geschilderte Verhalten des Stadtdechanten ein schweres Vergehen dar, so die Erzdiözese. "Im vorliegenden Fall müssen wir davon ausgehen, dass ein Priester die seelsorgliche Notlage eines jungen Mannes sexuell ausgenutzt hat", erklärte Woelki.

Stadtdechant bestreitet sexuelle Handlungen

Der beurlaubte Dechant bestreitet den Angaben zufolge, dass es überhaupt zu sexuellen Handlungen gekommen sei. Die Verantwortlichen im Erzbistum halten die Beschuldigungen gegen ihn dennoch für glaubwürdig, weil der junge Mann eine eidesstattliche Versicherung abgegeben habe.

Außerdem habe er fünf Personen benannt, "denen er in zeitlicher Nähe zum damaligen Geschehen von der für ihn verstörenden Begegnung mit dem Priester berichtet hatte". Bis zum Abschluss des gesamten Amtsenthebungsverfahrens bleibe der Geistliche beurlaubt.

Stand: 19.09.2019, 10:34

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