Expertin rechnet mit Wolfsrudel in NRW

Zwei Wölfe im Wald

Expertin rechnet mit Wolfsrudel in NRW

  • Wölfe in NRW bekommen laut Expertin bald Nachwuchs
  • Von Januar bis August bisher 31 Wolfssichtungen
  • In der Region um Schermbeck gibt es die meisten Belege

In NRW sind bisher drei Wölfe in weit voneinander entfernten Gebieten sesshaft geworden. Bislang sind es nur Einzeltiere. Nach Ansicht der Biologin Katharina Stenglein, der Ansprechpartnerin für das Thema Wolf beim NABU in NRW, werden weitere dazukommen. "Ich bin mir sicher, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft Wolfsnachwuchs haben werden und dass ein Wolfsrudel entsteht", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.

Der "böse" Wolf?

150 Jahre lang waren sie weg, jetzt sind sie zurück, seit Herbst 2018 auch in Nordrhein-Westfalen: Die Wölfe. Das Interesse ist groß, die Diskussion hoch emotional und hitzig.

Eine Frau steichelt den Kopf eines Wolfshunds.

Dem Wolf zum Verwechseln ähnlich: Der Wolfshund. Sowohl die Pianistin Hélène Grimaud als auch der Philosoph Mark Rowland sind darauf reingefallen. In "Wolfssonate" berichtet die Pianistin von ihrer ersten Begegnung mit der Wölfin Alawa. Heute weiß sie: "She was a hybrid". Und Mark Rowlands Bestseller müsste eigentlich "Der Philosoph und der Wolfshund" heißen.

Dem Wolf zum Verwechseln ähnlich: Der Wolfshund. Sowohl die Pianistin Hélène Grimaud als auch der Philosoph Mark Rowland sind darauf reingefallen. In "Wolfssonate" berichtet die Pianistin von ihrer ersten Begegnung mit der Wölfin Alawa. Heute weiß sie: "She was a hybrid". Und Mark Rowlands Bestseller müsste eigentlich "Der Philosoph und der Wolfshund" heißen.

Bei den "Wolfstagen" im Tierpark Sababurg können die Menschen sich gar nicht satt sehen an der Fütterung der Wölfe. Zoologin Sandy Walgenbach wird sogar immer mal wieder gefragt, ob es möglich sei, das Gehege zu betreten, um die Wölfe zu streicheln. Das geht natürlich nicht: So ein Wolf ist doch kein Kuscheltier!

Im Tierpark Sababurg leben fünf Europäische Grauwölfe. Hier macht sich einer von ihnen gierig über einen frischen Fleischbrocken her. "Der Wolf ist natürlich ein Raubtier. Der mag keine Möhrchen und keine Äpfelchen fressen", so der launische Kommentar der Zoologin Sandy Walgenbach beim Füttern.

Die Gebrüder Grimm haben mit ihren Märchen dazu beigetragen, dass der Wolf im kollektiven Gedächtnis böse ist. Er wurde verfolgt, gejagt und ausgerottet. Jetzt ist er wieder zurück. Auch im Reinhardswald, zu Füßen des Dornröschenschlosses Sababurg, ziehen immer wieder Wölfe durch. Von 2006-2011 hatte hier ein junger Wolf sogar sein festes Revier.

Wölfe haben ein ausgesprochen vorbildliches Sozialverhalten. Ein Rudel besteht aus dem Elternpaar, den Welpen und den Geschwistern der Vorjahre. Auch die kümmern sich als Ammen geradezu fürsorglich um den Nachwuchs, bis sie selber abwandern, um einen eigenen Partner und ein eigenes Revier zu finden.

Frank Faß ist eigentlich Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik. Seine erste Begegnung mit frei lebenden Wölfen haben er und seine Frau 2005 bei einer Rundreise durch Kanada. Ein einschneidendes Erlebnis. Die beiden hängen ihren alten Job an den Nagel und gründen in Dörverden ein Wolfcenter. Seit 2010 machen sie dort Öffentlichkeitsarbeit für das unbekannte Wesen "Wolf".  

Im Wolfcenter leben rund ein Dutzend Wölfe. Die meisten von ihnen sind Europäische Grauwölfe. Im Gegensatz zu den frei lebenden Kollegen, die auf der Suche nach Beute ständig in Bewegung sind, kann so eine Gehegewolf auch mal ganz friedlich in der Sonne schlummern. 

Im niedersächsischen Dörverden kommen Menschen den Wölfen ganz nah. Bei einem Abend unter Wölfen etwa schweben die Besucher im Baumhotel direkt über dem Gehege des Wolfcenters oder sie übernachten gleich nebendran im Tipi. Da lässt sich des Nachts sogar gemeinsam mit den Wölfen heulen.

Lange war Nordrhein-Westfalen Wolferwartungsland. Inzwischen hat das Land jetzt ganz offiziell drei Wolfsgebiete. Eins am Niederrhein, eins nördlich des Ruhrgebiets und eins in Ostwestfalen. Ohne schützende Elektronetze geht hier nun nichts mehr, schon gar nicht so nah am Wald wie hier in Ostwestfalen. 

Der Wolf ist ein Beutegreifer. Zu 96 Prozent ernährt er sich von Rehen Rothirschen und Wildschweinen. Nutztiere, allen voran das Schaf, machen nicht mal ein Prozent aus. Trotzdem ist natürlich klar, dass Schäfern – vom finanziellen Schaden mal abgesehen – jeder Wolfsriss unter die Haut geht. Und deutlich mehr Arbeit bedeutet die Rückkehr der Wölfe für die Schäfer auch.

Ulf Helming ist Wolfsbeauftragter des Schafzuchtverbandes NRW. Der studierte Biologe hat sich schon während seiner Ausbildung für den Wolf interessiert. "Ich sehe jetzt natürlich auch den Interessenskonflikt, den man in der Schafhaltung hat. Ich bewirtschafte relativ viele Flächen." Einmal hat der Wolf bereits zugeschlagen, trotz der schützenden Elektronetze.

31 Wolfnachweise bis zum August

Die Gebiete der drei Wölfe liegen weit voneinander entfernt bei Schermbeck nördlich des Ruhrgebiets, in der Senne bei Bielefeld und in der Eifel an der Grenze zu Belgien.

Im ganzen Jahr 2018 gab es insgesamt 35 Wolfs-Nachweise in NRW. In diesem Jahr waren es bis Mitte August bereits 31 Belege. Einige Nachweise stammen von Jungtieren, die aus dem elterlichen Rudel geworfen wurden. Das Landesumweltamt bemerkt, dass die Sensibilität der Bürger mit Blick auf den Wolf sehr viel höher geworden ist: Die Zahl der Hinweise auf mögliche Sichtungen sei deutlich gestiegen, seitdem es in NRW Wolfsgebiete gibt.

Mehr als die Hälfte seien in der Regel Falschmeldungen, sagte ein Sprecher. "Aber alle Hinweise sind immer wichtig."

Drei Wolfsgebiete in NRW

Die mit Abstand meisten Belege kommen aus der Region um Schermbeck: Hier wurde Anfang Oktober 2018 das erste offizielle Wolfsgebiet von NRW ausgewiesen. Eine Wölfin aus einem Rudel in Niedersachsen hat sich niedergelassen und bereits Schafe und Ziegen gerissen.

In der Senne bei Bielefeld lebt eine Wölfin. Die nördliche Eifel an der Grenze zu Belgien ist seit Anfang Juli offizielles Wolfsgebiet. Hier hat sich ein männliches Tier angesiedelt.

Wolfsgebiete in NRW eher untypisch

In Nordrhein-Westfalen sind die Wölfe bisher nicht immer dort aufgetaucht, wo Fachleute es vermutet hätten. "Wir hatten damit gerechnet, dass die Senne ein Wolfsgebiet wird", sagte Stenglein. Aber der Niederrhein mit seiner Nähe zu Autobahnen, den Städten des nördlichen Ruhrgebiets und zum Rhein als Wolfsgebiet - daran hätte man nicht als erstes gedacht.

Eine Prognose, wo der nächste Wolf auftauchen wird, wagt die Biologin nicht. "Ich kann es nicht vorhersagen. Letzten Endes kommt es doch ganz anders."

Streithema Wolf Tiere suchen ein Zuhause 14.04.2019 06:58 Min. UT Verfügbar bis 14.04.2020 WDR

Stand: 18.08.2019, 09:32

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