Abschuss von Wölfen in NRW: Sinnvoll oder nicht?

Abschuss von Wölfen in NRW: Sinnvoll oder nicht?

In Haltern am See wurde am Wochenende offenbar ein Wolf gesichtet, ein Hobby-Fotograf machte Beweisbilder. Wolfssichtungen nehmen zu, Angriffe auf Nutztiere auch. Ist jetzt der Zeitpunkt für gezielte Abschüsse? Das fordert Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Köln - Ehrenfeld im Mai: Überwachungskameras zeigen einen Wolf, der nachts durch den Stadtteil streift. Solche Besuche von Wölfen in Innenstädten sind zwar extrem selten, der Vorfall zeigt aber, die Wölfe sind zurück in NRW.

Wolfssichtungen vor allem am Niederrhein, in der Eifel und in Westfalen

Genau das ist auch seit einigen Jahren das Ziel der Politik. Sie will den Wolf, der in Deutschland jahrzehntelang als ausgerottet galt, wieder ansiedeln. Die meisten Wölfe leben deutschlandweit zwar in Ostdeutschland und in Niedersachsen.

Karte von NRW mit Zahlen zu Wolfsnachweisen in NRW, daneben ein Wolf.

Aber auch in NRW siedeln sie sich seit einigen Jahren an, unter anderem am Niederrhein, in der Eifel und im oberbergischen Land.

Auf Durchreise können sie so an verschiedenen Orten auftauchen - wie eben jetzt wohl in Haltern.

Immer wieder Angriffe auf Nutztiere

Regelmäßig reißen die Wölfe auch Nutztiere. Der Wolf, der in Köln gesichtet wurde soll zwei Tage später vier Schafe gerissen haben.

Ein Bauer aus Hünxe am Niederrhein klagt mittlerweile über sechs Angriffe auf seine Schafsherde, bei denen insgesamt 14 Schafe getötet wurden. Der dortige Gemeinderat forderte darum den Abschuss einer Wölfin, die zu einem Rudel gehört, dass bei Schermbeck in den Wäldern lebt.

Für einen gezielten Abschuss von verhaltensauffälligen Wölfen tritt nun auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein. 2019 hätten Wölfe ihren Angaben zufolge deutschlandweit fast 3000 Nutztiere getötet und verletzt. „Wo soll das enden?“, fragt Klöckner, und fügte hinzu, sie könne sehr gut nachvollziehen, dass Eltern um ihre Kinder besorgt seien.

Zustimmung vom Landwirtschaftsverband

Das sieht der Rheinische Landwirtschaftsverband, der viele Tierhalter vertritt, ähnlich. Ein Miteinander könne es nur geben, wenn es auch klare Regeln gibt, teilt der Verband mit. Dabei ist der Abschuss von verhaltensauffälligen Wölfen rechtlich gesehen schon jetzt erlaubt, und zwar dann, wenn ein Tier als verhaltensauffällig gilt, zum Beispiel, weil es wiederholt Nutztiere angreift, anstatt Wildtiere wie Rehe zu jagen.

Aufnahme ins Jagdrecht?

Tatsächlich aber werden Wölfe nur in den seltensten Fällen zum Abschuss frei gegeben, sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband, die bürokratischen Hürden seien sehr hoch. "In der Bevölkerung sinkt die Unterstützung für den Artenschutz, der Wolf wird als Bedrohung wahrgenommen", sagt Reinwald, "so kommt es zu illegalen Abschüssen". Denkbar wäre, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird und bejagt werden darf, wenn die Anzahl der Tiere eine bestimmte Grenze überschreitet.

Tierschützer kritisieren Klöckners Vorstoß

Kritik am Vorstoß von Bundeslandwirtschaftministerin Julia Klöckner kommt von Tierschützern. "Der Wolf gehört in unsere Naturlandschaft", sagt Ralf Unna vom Landestierschutzverband, "wenn es Schäden bei Tierhalten gibt, muss es ausreichende Ausgleichszahlungen für die Tierhalter geben". Der Tierschutzbund wirft Klöckner vor, mit der Angst vor Angriffen auf Kinder Wahlkampf zu machen. Der Wolf sei seit über 20 Jahren in Deutschland zurück, ohne dass es einen einzigen Angriff auf Menschen gegeben habe.

Auch die NRW-Landesregierung lehnt eine Neuregelung nach Nachfrage vom WDR am Montag ab. Wirklich sicher wisse man nur von zwei Rudeln, die in NRW leben. Angesichts des kleinen Bestandes seien Rufe nach einer Bestandsreduktion in Nordrhein-Westfalen darum nicht zielführend.          

Stand: 21.06.2021, 18:48

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