Wochenmarkthändler leiden unter Coronakrise

Menschen stehen in einer Schlange hintereinander mit weitem Abstand

Wochenmarkthändler leiden unter Coronakrise

Von Sabine Büttner

  • 70 Prozent weniger Kundschaft auf dem Wochenmarkt
  • Hygienemaßnahmen und Anstandsregeln für Händler und Kunden
  • Kölner Marktamt prüft Einsatz von Sicherheitspersonal

Mustafa Özcan verbringt den Tag auf dem Wochenmarkt im Kölner Stadtteil Nippes zu einem größeren Teil an der Kaffeebude. Er ist Stoffhändler – und derzeit quasi arbeitslos. Non-food-Stände wie seinen hat die Stadt Köln am Mittwoch (18.03.2020) auf Wochenmärkten untersagt. Özcan hat als Sprecher der Markhändler in Nippes einen guten Überblick; er sagt, dass alle Händler derzeit Probleme haben: Die Zahl der Kunden auf dem Markt ist um 70 Prozent zurück gegangen – wegen der Coronakrise. Während in den Supermärkten viel los ist, bleibt der tägliche Wochenmarkt in dem Kölner Stadtteil vergleichsweise leer. Özcan glaubt, dass das auch daran liegt, dass grundsätzlich eher ältere Menschen auf den Markt gehen – und die bleiben im Moment häufig zu Hause

leere Gänge zwischen den Marktständen

Den Wochenmärkten fehlen die Kunden.

Für alle Besucher gelten strenge Hygieneregeln: Sie dürfen die Waren der Händler nicht anfassen. Die Verkäufer tragen Handschuhe, weisen immer wieder auf Plakate hin: „Bitte Abstand halten“ steht darauf. An vielen Ständen bilden sich deshalb meterlange Schlangen – in denen stehen zwar wenige Menschen, die aber mit ausreichend Platz zueinander.

Marktamt will notfalls Sicherheitspersonal einsetzen

Allerdings klappt das nicht überall: Kunden auf dem Markt in Nippes berichten, dass ihnen manch anderer Marktbesucher zu nah gekommen ist oder zum Beispiel an den Ständen sehr eng neben ihnen standen. Die Stadt Köln bestätigt diesen Eindruck: Dort liegen Beschwerden von Bürgern vor, dass sich Kunden und teilweise auch Händler nicht an den notwendigen Abstand halten. Das Marktamt will die Situation beobachten und prüfen, ob notfalls Sicherheitspersonal auf den Märkten eingesetzt werden muss. Wenn es nicht anderes geht könnte auch der Zugang zu den Kölner Wochenmärkten geregelt werden, etwa mithilfe von Absperrgittern.

Händler hoffen auf finanzielle Hilfe

Die Stadt hat außerdem Unterstützung für Händler wie Mustafa Özcan angekündigt: man prüfe aktuell, wie man den Markthändlern, die keine Stände aufbauen dürfen, die Marktgebühren erstatten kann, heißt es vom Marktamt. Für Özcan wäre das immens wichtig – er will in den nächsten Tagen schauen, welche Hilfe er bekommen kann. Denn so nett für ihn ein Markttag mit vielen Gesprächen an der Kaffeebude ist – leben, sagt er, könne er davon schließlich nicht.

Stand: 20.03.2020, 16:01

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