Zu lange warm: Keiner kauft Winterkleidung

Menschen flanieren auf der Königsallee

Zu lange warm: Keiner kauft Winterkleidung

  • Textilbranche beklagt "Jahr ohne Übergangszeiten"
  • Modekonzerne korrigieren Prognosen nach unten
  • Winterkollektion bleibt vorerst auf der Stange

Der Rekordsommer 2003 war wärmer, aber für Meteorologen war 2018 trotzdem ein neuer Jahrhundertsommer - vor allem, weil er so lang war. Neben jenen, die es warm mögen, ist das für Eisdielen, Freibäder, Verkäufer von Erfischungsgetränken und Winzer eine tolle Sache. Die Zahl derer, die auf der "Verliererseite" des Sommers stehen, wird aber länger.

Durchgängig Sommer von April bis Oktober

Nach den Landwirten, die im Sommer mit dem Wässern ihrer Felder kaum nachkamen, traf es jüngst die Rheinschiffer, die angesichts von Rekordtiefstwerten der Pegelstände nicht mehr vollbeladen durch die Fahrrinne kommen. Zu den Leidtragenden zählt aber auch die Textilbranche.

Fühlt man sich in Flip-Flops und T-Shirt noch wohl, wird man kaum Geld in warmes Schuhwerk oder eine kuschelige Jacke investieren. "Wir haben im Prinzip überhaupt keine Übergangszeit gehabt", klagte Axel Augustin vom Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels am Donnerstag (19.10.2018). Von einem sehr kalten März sei es im April fast direkt in den Sommer übergegangen, der sich bis Mitte Oktober gehalten habe. Daher hofft der Einzelhandel nun auf sinkende Temperaturen.

Gerry Weber korrigiert Prognose

Hält der Herbst erst Einzug, findet wohl auch die längst vorrätige Winterkollektion ihre Abnehmer, aber noch gilt: "Die Wintersachen bleiben erstmal noch auf der Stange hängen", sagt Ada Lina Simon, Shopleiterin von "Kauf Dich Glücklich" in Düsseldorf.

Der Sommer hat Einzelhändler und Modekonzerne gleichermaßen getroffen. So klagte der seit Jahren unter dem Rückgang von Umsatz und Profitabilität leidende Gerry-Weber-Konzern bereits im Juli darüber, dass der heiße Sommer die Einkaufslust der Kunden zusätzlich gedämpft habe. Gerry Weber, aber auch Zalando und Tom Tailor korrigierten ihre Prognosen im September nach unten. Sie rechnen mit Umsatzeinbußen in Millionenhöhe.

Traut man den jüngsten Wetterprognosen, gibt es für Einzelhändler wie Modekonzerne nun aber Licht am Ende des Tunnels - beziehungsweise Regen und Temperaturen unter 20 Grad am Ende eines aus ihrer Sicht zu langen Sommers.

Stand: 19.10.2018, 16:43

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen